WWDC-Keynote 2011 in der Zusammenfassung: iOS 5, Mac OS X Lion und iCloud

Steve Jobs hat die Bühne soeben verlassen, der Saal im Moscone Center leert sich langsam und wir blicken zurück auf eine WWDC-Keynote, die es in sich hatte. Neben der neuen Version von Mac OS X Lion zeigte der Apple-Chef zusammen mit einigen hochrangigen Apple-Mitarbeitern das neue iOS 5. Außerdem präsentierte das Unternehmen iCloud, einen neuen Dienst, der iTunes und MobileMe um spannende Funktionen ergänzt.

Der Apple-Chef war nur kurz präsent, nahm Liebesbekenntnisse entgegen (“We love you” rief es aus der Menge) und überließ kurz darauf Phil Schiller und Craig Federighi, Senior Vice President für die Entwicklung von Mac OS X die Bühne. Dieser freute sich über 54 Millionen Mac-User weltweit, Tendenz steigend. Mit einem Wachstum von 28 Prozent hat man im vergangenen Jahr die PC-Branche übertrumpft, die sogar 1 Prozent Schwund vermerken musste.

Löwenanteil – Mac OS X Lion

Doch schon bald kam Mac OS X Lion an die Reihe. Über 250 neue Funktionen habe man für das neue Betriebssystem aus Cupertino in petto, doch leider blieb nur Zeit um die 10 wichtigsten etwas genauer zu beleuchten.

Erstens: Multitouch-Gesten. Sie werden im kommenden Mac-Betriebssystem eine noch größere Rolle spielen und sich stärker in die alltäglichen Aufgaben integrieren. “Zwei-Finger-Wischen”, “tap-to-zoom” und “Pinch” sind fortan ständige Begleiter in der Verwendung von Mac OS X. Darüber hinaus verschwinden die Scroll-Leisten aus der Benutzeroberfläche. Sie werden, ganz wie unter iOS, nur noch beim Scrollen eingeblendet.

Zweitens: Vollbild-Apps. Ein neuer Button am oberen rechten Fensterrand vergrößert entsprechend vorbereitete Anwendungen und blendet alle anderen Elemente aus. Das klappt schon jetzt mit einigen Apple-eigenen Programmen wie iCal, iPhoto oder Vorschau. Safari, iMovie und andere sind in Arbeit. Entwickler können ihre Apps nachrüsten. Zwischen mehreren im Vollbild geöffneten Programmen wechselt man mit einem einfachen Finger-Wischen.

Drittens: Mission Control. Die Kommandozentrale unter Mac OS X Lion versorgt den Anwender mit einer Reihe von Informationen und jeder

Menge Übersicht. In einer Art Kombination aus Spotlight, Spaces und Exposé zeigt Mission Control alle geöffneten Dokumente und Anwendungen, sämtliche Spaces und ihre jeweiligen Inhalte. Auch hier kommen die Gesten wieder zum Einsatz – Zeit also, sich für den nicht-mobilen Mac ein Magic Trackpad zuzulegen.

Viertens: Der Mac App Store. Zunächst ein paar gute Nachrichten für Entwickler: Push-Benachrichtigungen und In-App-Käufe werden mit Lion auch im Desktop-Bereich Einzug halten. Das Ganze erinnert stark an iOS, wie überhaupt die gesamte Präsentation. Delta-Updates bedeuten weniger große Downloads für kleinere Aktualisierungen, da nicht mehr die gesamte Anwendung neu installiert werden muss. Für mehr Sicherheit soll zudem eine “Sandbox” sorgen, eine Art Schutzschicht um jedes Programm, die ein Übergreifen auf das System verhindern soll.

Fünftens: Launchpad. Auch hier schleicht sich ein Gefühl von Déjà-vu ein, wenn man diese Übersicht aller installierten Programme betrachtet. Eine Pinch-Bewegung ruft die, dem Startbildschirm der iOS-Geräte nicht unähnliche Raster-Ansicht auf. Es scheint, als sei es tatsächlich an der Zeit, dem System, das für iOS Pate stand, einige der Errungenschaften zurück zu geben, ganz wie Steve Jobs es auf dem “Back to the Mac” Event im vergangenen Jahr ankündigte.

Sechstens: Resume. Eine große Hilfe im Alltagsgebrauch und bei Systemabstürzen (doch, sie kommen auch auf dem Mac vor) ist diese “Arbeitswiederaufnahmefunktion”. Schaltet sich der Rechner ab, aus welchem Grund auch immer, werden die zuletzt geöffneten Programme und Dokumente wieder hergestellt.

Siebtens und Achtens: Autosave und Versionen. Schon Mal ein Pages-Dokument aus versehen nicht gespeichert und Arbeit im Wert von

mehreren Stunden verloren? Das kann jetzt nicht mehr passieren. In guter alter Time-Machine-Manier speichert das System automatisch Versionen der gerade in Bearbeitung befindlichen Dokumente. Diese können dann über einen neuen Eintrag im Titelmenü des Fensters durchsucht und direkt dort bearbeitet werden, inklusive Copy&Paste-Funktion.

Neuntens: AirDrop. Was bisher mithilfe von USB-Sticks und guter alter Bewegung an der frischen Luft (wenn auch oft nur über wenige Meter) geschah, ist fortan noch einfacher über ein lokales Netzwerk möglich. Ein neuer Eintrag in der Finder-Seitenleiste zeigt alle anderen Rechner in der Umgebung, die AirDrop verwenden. Datei auf das Symbol ziehen – loslassen – fertig. Der andere Anwender erhält eine kurze Anfrage zu der Übertragung und so werden der relativen Langsamkeit von Bluetooth sowie der bisweilen immer noch komplizierten Einrichtung von Netzwerk-Freigaben der Garaus gemacht.

Zehntens: Mail. Lange war es überfällig und jetzt hat Apple seinem E-Mail-Programm ein Facelift spendiert. Die neue Konversationsansicht, wie könnte es anders sein, erinnert stark an mobile Mail unter iOS. Für Entwickler spannend (jedenfalls dem spontanen Applaus im Saal nach zu urteilen) ist die Möglichkeit, Boolsche Operatoren in der Suche zu verwenden und das Programm schlägt automatisch relevante Kontakte, Betreffs oder Inhalte vor.

Spannende Neuigkeiten gibt es auch bezüglich Preisen und Verfügbarkeit. Ab Juli wird Mac OS X Lion für nur 23,99 Euro erhältlich sein, und zwar ausschließlich im Mac App Store als 4-Gigabyte-Download – keine DVDs mehr. Außerdem wird Phil Schiller zufolge kein Neustart mehr für die Systemaktualisierung nötig sein, ganz wie bei jedem anderen Programm auch.

Viel mehr gibt es noch zu entdecken in Mac OS X 10.7 Lion. Doch für’s erste geben Phil Schiller und Craig Federighi die Bühne für Scott Forstall frei, Senior Vice President für iOS-Entwicklung. Dieser stellt das neue iOS 5 vor. Nach einigen Zahlenspielen zu verkauften Geräten, Marktanteilen und Milliarden an US-Dollar für die Entwicklergemeinde ging es dann ans Eingemachte.

iOS 5 – 10 von 200

Auch das mobile Betriebssystem aus Cupertino wurde laut Hersteller mit 200 neuen Funktionen gesegnet. Davon konzentriert Forstall sich in

seinem Teil der Präsentation auf die 10 wichtigsten.

Erstens: Benachrichtigungen. Statt wie bisher aufdringlich die laufende Anwendung oder den Film zu unterbrechen, ziehen sich die Informationen über eingehende Nachrichten und mehr unter iOS 5 in das so genannte Notification Center zurück. Dieses ist dezent am oberen Displayrand untergebracht und kann durch Herunterziehen geöffnet werden. Ja, ganz recht. Wie der aufmerksame Leser von androidnews.de gemerkt haben wird, sieht das Ganze sehr nach der auf Googles mobilem OS vorherrschenden Lösung aus. Das werden sich iPhone-Fans wohl noch eine Weile anhören müssen.

Auch auf dem Sperrbildschirm finden sich die neuen Benachrichtigungen. Von hier aus gelangt man direkt zu den jeweiligen Ereignissen, wenn man statt des großen Sliders unten die kleinen Schieberegler der jeweiligen Meldung betätigt.

Zweitens: Newsstand. Was erhält man, wenn man iBooks und das Abo-Modell für Magazine und Zeitschriften kombiniert? Eine gesonderte App, in der alle Abonnements zusammengefasst und grafisch ansprechend aufbereitet werden, den Newsstand eben. Neue Ausgaben werden automatisch heruntergeladen. Alle Publikationen, die auch die Abo-Funktion für den App Store verwenden, kommen auch in den Genuss des Newsstand.

Drittens: Twitter. Die Verwendung des Kurznachrichten-Netzwerks soll noch einfacher werden, was über eine zentrale Anmeldung in den iOS-Systemeinstellungen erreicht wird. Alle Programme, die Anmeldedaten des Benutzers benötigen, können sie auf Anfrage erhalten. Außerdem erlaubt das System künftig, direkt aus der Kamera-App und der Fotogalerie einzelne Werke über Twitter zu verbreiten. Ebenso einfach ist es, Webseiten aus Safari oder Orte aus der Maps-Anwendung heraus zu versenden. “It’s that simple”, beschreibt Scott Forstall die kinderleichte Handhabung.

“It’s außerdem that geklaut from Android”, hören wir es schon von der androidnews.de Redaktion tönen – und damit haben sie sicher nicht

unrecht. Weniger praktisch und erfreulich ist es deswegen aber auch nicht.

Viertens: Safari. Der iOS-Browser stellt aktuell laut Apple einen Anteil von fast zwei Dritteln des mobilen Surfverkehrs. Jetzt erhält er diverse neue Funktionen, darunter der Reader, der auch in der Desktop-Version seit einiger Zeit für Freude sorgt, wenn er dort auch kaum bekannt ist. Er verbirgt alle ablenkenden Elemente um allein das wichtigste des Artikels, nämlich seinen wahren Inhalt in einer bestmöglichen und lesbaren Form darzustellen. Texte lassen sich zudem für die spätere Lektüre in der Reading List (“Leseliste”) ablegen – eine in ihrer Konzeption stark an den Dienst Read It Later angelehnte Funktion. Gespeicherte Artikel können auf mehreren iOS-Geräten später gelesen werden.

Ebenfalls neu und alles andere als uninteressant: Tabs im mobilen Safari fürs iPad. Ganz wie unter Mac OS X gewohnt werden die Tabs unter der Adressleiste angezeigt und können dort durch einfaches Finger-Tippen ausgewählt werden. Auch im Browser macht sich die starke Integration von Twitter in iOS 5 bemerkbar: Ein Tipp auf den Tweet-Button lässt ein kleines Fenster erscheinen, das Apple Tweet-Sheet nennt. Von dort aus werden Adressen oder Inhalte in die Welt gezwitschert.

Fünftens: Erinnerungen. Die neue Funktion ermöglicht es neben der Zeit auch Positionsdaten in die Variablen einzubeziehen, die den Zeitpunkt der Erinnerung bestimmen. So kann das Verlassen oder Erreichen einer bestimmten Örtlichkeit den Alarm unabhängig von der Zeit auslösen, etwa um den Anwender an einen Anruf zu Hause zu erinnern, nachdem er die WWDC verlassen hat.

Sechstens: Kamera-Updates. Die große Popularität der iOS-Kameras bei Flickr hat Apple dazu gebracht, die Funktion noch praktischer zu gestalten. Hierzu wurde ein Kamera-Button auf den Sperrbildschirm gebracht, der es selbst mit aktiviertem Sicherheitscode erlaubt, Fotos zu schießen, ohne erst die App umständlich starten zu müssen. Außerdem hat sich Apple die Wehklagen und heimlichen Hacks zu Herzen genommen und endlich auch die Lautstärkeregler zu Auslösern für die iPhone-Kamera gemacht.

Hinzu kommt eine originäre Bearbeitungs-Funktion für Fotos unter iOS, die einige rudimentäre Operationen wie das Entfernen roter Augen oder

eine recht willkürliche Farbkorrektur beinhaltet.

Siebtens: Mail. Einzelne E-Mails als gelesen markieren, Inhalte durchsuchen und erweiterte Bearbeitung des Textes gesellen sich zu einem systemweiten Wörterbuch, das von allen Apps genutzt werden kann. Für das einfachere Verfassen der Nachrichten gibt es auf dem iPad eine neue Art der Tastaturanordnung. Durch das Ziehen nach oben mit den Daumen teilt sich das Keyboard und ermöglicht das Tippen mit beiden Daumen, auch ohne abnorm lange Finger.

Achtens: Kabellos. Großer Applaus als ein verräterisches Symbol auf der großen Leinwand erscheint. Eine Schere kappt das Kabel zwischen iPhone und Computer. Das Icon steht für die Möglichkeit, ein iOS-Gerät ganz ohne Verbindung mit einem Rechner zu initialisieren. Außerdem kommen Softwareaktualisierungen in Zukunft nicht mehr aus der Strippe sondern über den Äther – OTA-Sync heißt das und unterstützt ebenfalls Delta-Updates. Auch Kalender können ohne Synchronisation erstellt werden, insgesamt ein unabhängigeres System.

Neuntens: Game Center. Nicht ohne eine gewisse Häme stellt Forstall den Vergleich zu dem seit acht Jahren aktiven Dienst Xbox Live her und konstatiert: “In nur 9 Monaten haben wir 50 Millionen Game Center User erreicht” – Xbox Live bringt es in seiner gesamten Lebenszeit auf gerade einmal 30 Millionen. Die App soll mit iOS 5 erweitert werden, “sozialer” werden und auch direkte Spiele-Downloads ermöglichen.

Zehntens: iMessage. Von vielen sofort als “WhatsApp-Killer” beschrien, vereinigt die neue Anwendung tatsächlich einige der Funktionen des

populären Nachrichtendienstes im Betriebssystem. Fotos, Videos und Gruppen-Chats sind ebenso möglich wie die Synchronisation von Unterhaltungen über mehrere Geräte hinweg.

Diese und zahlreiche weitere Funktionen und Neuerungen wird es für die Durchschnittskunden ab Herbst geben. Entwickler erhalten sofort das SDK und unterstützt, angefangen vom iPhone 3GS, alle neueren Geräte.

iCloud – Über den Wolken…

Steve Jobs entlässt Scott Forstall für den Moment und übernimmt die Show. Jetzt ist es Zeit für iCloud. MobileMe ist Geschichte, ebenso wie die jährlichen Gebühren in Höhe von 79 Euro. Die Synchronisation von Kontakten, Kalendern und mehr ist kostenlos und funktioniert über alle iOS-Geräte hinweg.

Auch Datensicherungen können künftig nicht nur über iCloud angelegt, sondern auf neuen Geräten auch abgerufen werden. Einfach Benutzer-ID und Kennwort eingeben und schon ist der Status des iPhone 4 auf dem neuen Apple-Smartphone hergestellt. Gleiches gilt für Fotos, Videos, gekaufte Musik, Apps und Bücher. iCloud ist natürlich auch in die mobile iWork-Suite integriert und Dokumente können ohne große Mühe zwischen iPhone, iPad, iPod touch und dem Mac hin- und hergeschoben werden.

Auch der vergessen geglaubte Photo Stream hat es in die iCloud geschafft. In der Foto-App stellt die Funktion sich als eigenes Album dar und alle in ihm enthaltenen Bilder werden an den Mac oder andere iOS-Geräte geschickt.

Wer die Gerüchte der vergangenen Wochen verfolgt hat, wird sich sicher schon gefragt haben, wann iTunes dazustößt. iCloud ohne Musik, das wäre doch nur die halbe Wahrheit. Also liefert Steve Jobs das Geforderte: Sämtliche Titel, die einmal in iTunes gekauft wurden, können auf alle mit dem Konto verknüpften Geräte (bis zu 10) heruntergeladen werden.

iCloud kommt als kostenloser Cloud-Speicher mit 5 Gigabyte Kapazität daher. Das klingt nicht gerade nach viel, hierzu zählen allerdings weder

gekaufte Titel noch Bestandteile des Photo Stream.

Zu guter Letzt, one more thing…

iTunes Match ist die letzte “Kleinigkeit”, die Steve Jobs für das Publikum bereit hält. Für eine moderate Gebühr von 24,99 US-Dollar pro Jahr wird ein Programm die gesamte iTunes-Mediathek durchforsten und nach Titeln suchen, die im iTunes Store erhältlich sind. Diese werden dann, ohne dass der Anwender irgendetwas hochladen muss, in der Cloud angelegt und stehen unterwegs zur Verfügung.

Das gilt sowohl für im iTunes Store gekaufte, als auch anderweitig erworbene Stücke. Außerdem werden alle verfügbaren Titel auf das Format 256 kbit/s AAC gestuft. Was der Musik-Store nicht bereit hält, kann der User jederzeit selbst zu iCloud laden.

Damit ging die Keynote der WWDC 2011 zu Ende. Viele Erwartungen wurden übertroffen, einige möglicherweise enttäuscht, doch wird niemand behaupten können, dass alles, was von Steve und seinen Mannen heute präsentiert wurde, absolut vorhersehbar war. Apple ist immer für eine Überraschung gut und in diesem reichhaltigen Paket aus Neuigkeiten dürfte für jeden die eine oder andere frohe Kunde dabei sein.

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