Yudu: Fauler Zauber statt Umgehung von Apples iOS-Richtlinien

Sebastian Trepesch
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Yudu Media hat vor drei Tagen einen neuen Dienst gestartet, das “duale Abonnement-System”. Es soll Verlagen die Möglichkeit bieten, Zeitungen und Magazine unter anderem für die iOS-Plattform (iPad, iPhone) zu veröffentlichen, aber dabei die 30 Prozent Provision an Apple zu umgehen. Yudu wird deshalb schon als “Aushebler der iOS-Richtlinien” gefeiert. In Wirklichkeit wird jedoch eine ganz legale, von Apple sogar angepriesene Variante des Verkaufs angeboten.

“Ein Service für Herausgeber, um Apples Anteil zu umgehen”, titelt Reuters erfreut zum Start des Yudu-Dienstes. Andere vermuten schon, dass es deshalb den Dienst nicht lange geben wird.

Zur Erinnerung: Anwendungen kommen (sofern der Besitzer keinen Jailbreak durchgeführt hat) nur über den App Store von Apple auf iPad, iPhone und iPod touch. Werden Software-Erweiterungen, Spiele-Level oder andere elektronische Medien in einer App verkauft, muss dafür die vorgesehene Schnittstelle verwendet werden. 30 Prozent des Verkaufspreises gehen dadurch als Provision an Apple.

So funktioniert Yudu

Yudu Media hat einen Dienst namens “dual subscriptions’ system” gestartet, der das erste alternative Abo-Modell sein soll, dass mit Apple konform geht – obwohl der iPad-Hersteller nicht an den Einnahmen beteiligt wird.

Die Yudu-Technologie, so beschreibt es der Anbieter, wird in den Webauftritt des Herausgebers integriert. Dort kauft der Leser die Zeitschrift, die gesamten Einnahmen verbleiben bei dem Verlag. Das System erkennt den Einkauf, und der Nutzer kann nun das Dokument auf sein Apple-Gerät herunterladen, “auf dem selben Weg, als wenn die Publikation über den App Store gekauft wurde”, so der Anbieter.

Als “großartige Nachricht für Magazin-Herausgeber”, bezeichnet dies Richard Stephenson, CEO von Yudu Media. Ein zum App Store komplementärer Vertriebsweg, und “eine Chance, 100 Prozent des Umsatzes einzubehalten”, so der Chef des Unternehmens.

Ein kleiner Haken

Yudu hätte keine lange Existenz, sollte der Dienst tatsächlich gegen Apples Richtlinien verstoßen. Und das scheint nicht der Fall zu sein. Denn wegen der Auseinandersetzungen mit den Verlagen hatte Apple im Februar seine Vorschriften etwas gelockert. Steve Jobs: “Unsere Philosophie ist einfach – wenn Apple einen neuen Abonnenten für die App gewinnt, erhält Apple einen 30-prozentigen Anteil; wenn der Verleger einen bestehenden oder neuen Abonnenten für die App gewinnt, behält der Verleger 100 Prozent und Apple verdient nichts.” Das heißt: Ein externer Verkauf ist erlaubt, wenn weiterhin ein sogenannter In-App-Kauf zu gleichen oder besseren Konditionen angeboten wird.

Diese Lockerung nutzt Yudu in dem “dualen System”, und das ist gleichzeitig der Haken für die Verleger: Der Verkauf über den App Store inklusive 30-Prozent-Abgabe an Apple läuft in Yudus dualem System weiter, ja muss weiterlaufen.

Apple wird bei den Zugeständnissen an die Verleger darauf spekuliert haben, dass die Leser ihre meisten Einkäufe in einer App tätigen, sofern diese bereits auf dem iPad oder iPhone vorhanden ist. Also: Habe ich bereits eine Ausgabe der Morgenpost auf dem Tablet Computer, lade ich die nächste Ausgabe in der selben App – anstatt umständlich auf den Browser zu wechseln, die Verlagsseite aufzurufen, den Kauf zu tätigen und dann wieder in die Lese-App zu wechseln.

Ein weiterer Haken: Für Yudu Pro, das iPad- und iPhone-Publishing inklusive eigener App beinhaltet, fallen Gebühren (zumindest pro Ausgabe oder Jahr) an. Das ist nichts Besonderes, die neue Professional Edition der Digital Publishing Suite von Adobe kostet pro Monat 335 Euro, plus eine “jährliche Verpflichtung an Downloads” ab 4.000 Euro im Jahr (25.000 Downloads).

Bei Yudu Media ist ein eingeschränkter Dienst kostenlos. Wohl deswegen werden dort täglich Publikationen im vierstelligen Bereich veröffentlicht.

Vorteil ja, Sensation nein

Mit dem neuen Yudu-Angebot steht nun ein Dienst von einem erfahrenen Marktteilnehmer bereit, der Verlagen ohne eigenes Online-Vertriebssystem helfen kann, fernab des App Stores die Publikationen zu verkaufen. Eine Sensation ist das “duale System” allerdings nicht, sondern nutzt eine von Apple eingeräumte Möglichkeit.

Verlage dürften sich bemühen, möglichst viele Verkäufe über die eigene Webseite abzuwickeln. Sie werden sich aber daran gewöhnen, dass es einen Vertrieb nicht gratis gibt: Nicht bei Papierausgaben, nicht bei iOS-Apps, aber auch nicht bei einem eigenen Vertriebssystem – denn auch das kostet Unterhalt.

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