Die deutsche Stimme von Siri und Co: Spurensuche

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Sie sprechen zu uns: Navigationssysteme, Computer und neuerdings auch Smartphones wie das iPhone. Ausgestattet mit einem Text-to-Speech-System (TTS) wandeln sie Fließtexte in eine akustische Sprachausgabe, für das Verständnis sorgt derweil eine intelligente Spracherkennung. So helfen sie uns, den rechten Weg zu finden, Termine zu organisieren und raten auch schon mal bei schlechtem Wetter, den Regenschirm einzupacken. Doch wer leiht ihnen die Stimme?

Die deutsche Stimme von Siri und Co: Spurensuche

Vorab: Wie funktioniert TTS?

Ein Mensch muss zunächst in monatelanger Tonstudioarbeit Sätze und Wörter einsprechen – diverse Abwandlungen inklusive. Im Anschluss werden diese in einzelne Töne und Laute aufgeteilt. Das Text-to-Speech-System (TTS) formt dann vollständige Wörter und Sätze auf Basis jener Laute.

Moderne TTS-Systeme klingen heutzutage wesentlich natürlicher, wenngleich noch ein deutlicher Unterschied zur menschlichen Sprache vorhanden ist. Marktführer Nuance verwendete für die aktuelle Generation der Sprachausgabe mehr als 1.000 Wortfetzen – zuvor kamen lediglich 40 zum Einsatz.

Text-to-Speech-Stimme: Anna

Anna – aus dem Hause Nuance – ist eine solche moderne TTS-Stimme. Wir finden sie beispielsweise in Navigationsgeräten von TomTom und auch im Mac. Anwender können sich ab OS X 10.7 Lion von ihr Texte vorlesen lassen. Wer dabei genau zuhört, stellt fest, dass Anna eine nicht zu leugnende Ähnlichkeit mit der deutschen Sprachausgabe von Siri hat – dem Sprachassistenten des iPhone 4S. Nutzt Siri also Anna für die Sprachausgabe? Sowohl Apple als auch Nuance halten sich diesbezüglich offiziell mit Verlautbarungen bedeckt. Dessen ungeachtet wollten wir wissen, wer lieh Anna eigentlich die Stimme?

Heike Hagen: Die Stimme aus dem Off

Die Spurensuche führte uns zu Heike Hagen – professionelle Sprecherin aus Berlin. Ihr Repertoire ist beeindruckend. So kann man ihre Stimme bei zahlreichen TV-Dokumentation von RTL, VOX oder auch arte hören. Aber auch Spielen wie Assasins Creed, Infamous oder Wonderwoman lieh sie ihre Stimme. Vielfliegern dürfte sie ferner bekannt sein als die Bordstimme im Sicherheitsinformationsvideo von Air Berlin.

2010 kam es zur Zusammenarbeit mit Nuance. Das Ergebnis dieser Anstrengung war die TTS-Stimme Anna. Frau Hagen stand uns freundlicherweise für ein kurzes Gespräch zur Verfügung. Leider durfte sie aufgrund vertraglicher Verpflichtungen nicht alle unsere Fragen beantworten, dennoch möchten wir unseren Lesern das nicht minder interessante Interview nicht vorenthalten.

GIGA: Wie wird man eigentlich eine professionelle Sprecherin – Zufall, Ausbildung, Berufung?

Heike Hagen: Basis ist sicher sprachliches und schauspielerisches Talent. Darauf baut dann eine Schauspielausbildung auf, die ein komplexes Sprechtraining beinhaltet. In Produktionen, die „first take“-Arbeit verlangen, das heißt Einsprechen exakt auf Timing und perfekt in der Rolle ohne einen zweiten „Versuch“, gewinnt man die Routine, die als Profi-Sprecher nötig ist. Und es gehört das Üben dazu – wie bei einem Instrument.

GIGA: Sie produzieren die Texte dem Vernehmen nach auch im eigenen Studio. Welche Gerätschaften setzen Sie ein, was benötigt man für eine solche Produktion?

Heike Hagen: Die meisten Produktionen liefere ich aus meinem eigenen Studio, das mit 6 ISDN-Leitungen zur weltweiten Übertragung stereo und in Echtzeit, hochwertigem Mikrofon, schalldichter Kabine, Verstärker, Digitalwandler und professioneller Audio-Software ausgestattet ist.

GIGA: Kümmern Sie sich selbst komplett um die Technik?

Heike Hagen: Ja, ich bin Chefin meines eigenen Tonstudios.

GIGA: Ihr Repertoire an Sprecherrollen ist sehr vielfältig – VoiceOver für TV, Synchronisation für Film, Werbung und Videogames, Telefonsysteme etc. – bevorzugen Sie hiervon eine bestimmte Arbeit?

Heike Hagen: Am liebsten spiele ich Rollen – das kann die Rolle einer Figur sein wie in Assassins’s Creed oder Perry Rhodan, aber auch die Synchronisation einer Filmfigur oder noch besser – das Erschaffen einer völlig neuen Figur.

GIGA: Vor zwei Jahren veröffentlichte der Sprachspezialist Nuance die deutsche TTS (Text-to-Speech)-Stimme „Anna“. Sie hatten die Ehre „Anna“ vertonen zu dürfen. Wie kamen Sie zu diesem Job, mussten Sie sich gegen viele Konkurrenten durchsetzen?

Heike Hagen: So weit ich weiß, gab es ein Casting mit mehreren hundert Sprecherinnen, die mehrere Sprachen beherrschen und seriös klingen. Ich habe den Job dann nach mehreren Auswahlverfahren bekommen.

GIGA: Meinen Menschen im täglichen Leben ihre Stimme schon mal „irgendwo“ gehört zu haben?

Heike Hagen: Andauernd! Ich bin ja auch Bordstimme von Air Berlin und war jahrelang bei RTL und VOX zu hören.

GIGA: Haben Sie so etwas wie eine Traumsprecherrolle, beispielsweise den Wunsch, die Standardsynchronstimme für eine berühmte Hollywood-Newcomerin zu werden?

Heike Hagen: Nein, Synchron ist nett und das habe ich auch eine Weile gemacht, aber als Hollywood-Stimme ist man sehr stark an kurzfristige Produktionstermine gebunden.

Ich bevorzuge Tätigkeiten, wo ich frei interpretieren und einer Figur die Seele einhauchen kann – ohne Vorlage. Das empfinde ich als spannender und kreativer.

Wir bedanken uns bei Frau Hagen für das nette und informative Gespräch.

Bildquelle Titel: Flickr, Autor: konzigraf; Abwandlung: Sven; veröffentlicht jeweils unter CC BY-SA 2.0.

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