Siri: Ein Militär-Projekt, das fast bei Android gelandet wäre

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Betrachtet man die Geschichte von Siri, dem Assistenten des iPhone mit Sprachtalent, erhält man einen Einblick in seine mögliche Zukunft. Damals, als vom US-Militär finanziertes Forschungsprojekt, hieß Siri noch CALO und war als AI-Projekt seiner Zeit weit voraus.

Siri: Ein Militär-Projekt, das fast bei Android gelandet wäre

„Cognitive Assistant that Learns and Organizes“ — ein wahrnehmender Assistent also, der lernt und organisiert. CALO startete als Projekt im Rahmen des PAL-Programms (Personal Assistant that Learns) am Stanford Research Institute (SRI, das unter anderem auch für LC-Displays, Tintendrucker und Disneyland verantwortlich zeichnet). Finanziert vom Forschungs-Arm des US-Militär, DARPA (Noch ein Akronym: „Defense Advanced Research Projects Agency“).

Der Auftrag: Einen lernfähigen Assistenten, der den Offizieren organisatorische und logistische Arbeiten von der Hand nimmt. Die Entwicklung brachte einer Reportage der Huffington Post zufolge unter anderem auch Mobilfunkunternehmen auf den Plan, darunter die Deutsche Telekom und Motorola. Dort arbeitete Dag Kittlaus, später CEO von Siri. Er konnte Motorola damals nicht von dem Wert des Projektes überzeugen, wechselte also zunächst zum SRI, um später zusammen mit Adam Cheyer und Tom Gruber Siri zu gründen.

Die iPhone-App mit dem gleichen Namen war gerade ein paar Wochen auf dem Markt, da erhielt Kittlaus Den Anruf. Steve Jobs wollte über Siri sprechen. Lange dauerte es nicht, dann war das kleine, aber bei Investoren sehr beliebte Start-Up Teil des Apple-Universums.

Aber es hätte auch anders kommen können. Verizon, einer der größten Mobilfunkanbieter in den USA, interessierte sich ebenfalls für Siri und wollte den cleveren Dienst in seine Droid-Smartphones integrieren. So sicher war man sich der Sache, dass man sogar Werbespots produzierte, in denen der Assistent als Android-Feature angekündigt wurde. Das war im Herbst 2009.

Als Apple dann den Laden übernahm, war für solche Deals natürlich kein Raum mehr. Exklusivität forderte Jobs — verständlicherweise. Gleichzeitig reduzierte man den Funktionsumfang erheblich. Verbindungen, die eigentlich praktisch waren, wurden gekappt. Zum Beispiel zu Diensten für Tisch-Reservierungen, die erst im letzten Jahr wieder für den US-Markt hinzugefügt wurden.

Neben einigen Features wurde aber auch der Charakter von Siri an den breiten Markt angepasst. Kittlaus und seine Kollegen haben schon damals Humor bewiesen und Siri eine recht kecke, bisweilen sogar neckend freche Persönlichkeit verliehen. Fragen wie „Wo ist das nächste Fitnessstudio“ wurden kommentiert mit „Ja, dein Griff ist auch schon ganz schön lasch“. Das Wort „fuck“ gehörte zum Standardvokabular, durfte aber natürlich niemals aus einem iPhone tönen.

Warum aber die Funktionen beschneiden? Die Erklärung liegt in der Größe. Der Größe eines gerade frischen Start-Ups nämlich, mit dem Anbieter wie OpenTable oder andere recht einfach eine Vereinbarung über APIs treffen konnten. Mit einem riesigen Konzern wie Apple wird anders verhandelt. Langwieriger, vor allem, weil ein Koloss weniger flexibel ist.

So musste ein großer Teil der ursprünglich 42 verschiedenen Webdienste, die mit Siri interagieren konnten, gehen. Dafür wurden eine Reihe neuer Sprachen zum Repertoire hinzugefügt. Eine Aufgabe, die viel Zeit und Arbeit kostet. Insgesamt sollte Siri „gut für alle“ und nicht „genial für ein paar“ User sein. Für diesen Kompromiss war einiges an Beschnitt nötig.

Doch ein Blick auf die damaligen Fähigkeiten von Siri — die vielfältigen Interaktionen mit Webdiensten und Verknüpfungen, mit denen der Assistent seinem Anwender die Wünsche wahrhaftig von den Lippen abliest — weisen den Weg für die Zukunft. Wenn Apple sich mit noch mehr Anbietern einigt, Siri weiter öffnet und das wahre Potential (wieder) ausschöpft, könnte der smarte Begleiter noch kräftig Fahrt aufnehmen.

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