Siri, Alexa und Konsorten: Darum ist die künstliche Intelligenz für mich zu blöde (Kolumne)

Sven Kaulfuss
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Die Versprechungen der künstlichen Intelligenz – sie heißen Siri oder Alexa und prophezeien auf unseren iPhones und Echos eine Zukunft wie aus dem Sci-Fi-TV. Bei mir steht die Zukunft mittlerweile aber wieder originalverpackt in der Ecke – was lief da schief?

Siri, Alexa und Konsorten: Darum ist die künstliche Intelligenz für mich zu blöde (Kolumne)

Das Silicon Valley dreht Pirouetten und nimmt Anlauf Richtung Zukunft. Eine Aussicht auf goldene Zeiten, in denen Computer quasi Gedanken lesen und unsere Wünsche vorausahnen können. In der Gegenwart versprechen Apple (Siri), Amazon (Alexa), Microsoft (Cortana) Google (OK Google) und auch inzwischen die Koreaner von Samsung (Bixby) verständnisvolle Assistenten, die schon mal aufs Wort hören und für eine Plauderstunde gut sind. Oftmals bleibt es aber bei den Versprechungen, denn in Wirklichkeit ist die künstliche Intelligenz (KI) noch sichtlich blöde. Wobei es auch hier Abstufungen gibt, so gilt Siri mit großem Abstand als grenzdebil, Google schafft zumindest schon mal die Geistesleitung eines Krippenkindes. Na herzlichen Glückwunsch aber auch!

Meine Gedanken zum Wochenende: Die neue Kolumne möchte Denkanstöße liefern, zur Diskussion aufrufen und den „News-Schwall“ der Woche zum Ende hin reflektieren.

K.O. für KI in der Praxis

Vor allem am Verständnis scheitern die virtuellen Vorzimmerdamen. Kollegin Siri drückt sich meist um klare Aussagen, präsentiert nur einfache Suchmaschinenergebnisse und Berufsgenossin Alexa auf dem Amazon Echo attestiert, dass sie dies und dass noch nicht kann. Google macht einige Dinge schon besser, richtige Gespräche kommen aber auch hier nicht zustande.

In der Praxis nutzte ich Siri allein als Eieruhr in der Küche, und auch dass nicht immer unfallfrei. Bekoche ich Muttern auf Besuch im Elternhause und greife unangekündigt zu Siri, dann fühlt sich Mutti durch das initiierte Gespräch unwillkürlich angesprochen, quatscht rein und fragt nach, was denn sei. Dummerweise hört dann Siri noch immer zu und missversteht natürlich auch öfters die eigentliche Anweisung für den Timer, da Siri gleichzeitig auf mich und meine Mutter hört. Aber auch im trautem Heim bei Frau und Kindern ernte ich meist nur nervendes Stirnrunzeln, wenn Siri mal bemüht wird. Und Amazon Echo? Ich gehörte zu den ersten Nutzern in Deutschland – meiner Prime-Mitgliedschaft und meinem offiziellen sächsischen Hauptwohnsitz zu verdanken (Amazon wollte Anfangs vor allem „sprachlich herausfordernde Regionen“ testen und belieferte diese bevorzugt). Am Ende bleibt aber hier nur ein mittelmäßiger Lautsprecher mit eigebautem Streamingdienst übrig, der Rest ist und bleibt Spielerei – erst mal zurück in die Verpackung.

Überhaupt: Aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis nutzt eigentlich niemand ernsthaft Siri, Alexa oder alternative Sprachassistenten. Allein die Kinderlein – mittlerweile schon im Teenageralter – haben neuerdings für sich „witzige“ Siri-Antworten auf ihren iPads als Zeitvertreib entdeckt. Richtig sinnvoll ist dies aber am Ende nicht.

F**k you Siri, Alexa und Co! GIGA-Leser erteilen Sprachassistenten eine Abfuhr

Problem: Ich muss mich der KI anpassen, nicht die KI an mich

Ursächlich für dieses Akzeptanzdilemma ist die unausgegorene Mensch-Maschine-Schnittstelle der Assistenten und „intelligenten“ Lautsprecher – anfangs neugierig probiert, danach frustriert wieder abgestellt. Natürlich formulierte Fragen enden nämlich meist in einer Sackgasse, wenn nicht gleich beim ersten Mal, spätestens dann aber im zweiten oder dritten Level – ein normales Gespräch kommt nicht zustande, beim Turing-Test würden demzufolge alle Kandidaten heute noch gnadenlos scheitern.

Die künstliche Intelligenz will, dass ich Anfragen präzise lerne, Skills hinzufüge und bestimmte Schlüsselwörter nutze. Liege ich knapp daneben, ernte ich nur Unverständnis und dumme Antworten. Ein gescheiter Mensch würde stattdessen weiter gekonnt nachfragen, um so zur Klarsicht zu gelangen. Die Schnittstelle ist derzeit noch nicht universell und instinktiv erfahrbar – vergleichbar in der Gegenüberstellung von grafischen Betriebssystemen und denen mit Kommandozeile. Erstere sind intuitiv erlernbar, die Kommandozeile verlangt jedoch nach präzise formulierten Eingaben. Ergo: Siri und Co verhalten sich gegenwärtig eher wie DOS, die UNIX-Shell und Konsorten. Ich will aber einen Mac mit einfacher Mausbedienung! Will nicht Befehle auswendig lernen, sondern mich mit den Assistenten natürlich unterhalten können. Im Zuge der zurückliegenden

Bundestagswahl hatten wir bereits die „Leistungsfähigkeit“ der künstlichen Intelligenzen begutachtet:

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Sprachassistenten zur Bundestagswahl: So „helfen“ Siri, Google und Alexa

Schlussfolgerung: Der Durchbruch braucht noch Zeit

Liebe Hersteller, hört auf, uns eure „künstlichen Intelligenzen“ als solche zu verkaufen. Künstlich mögen sie sein, vernunftbegabt sind sie aber noch lange nicht. Da braucht es noch ein paar Jahre Entwicklung, um einen ähnlichen Durchbruch der KI wie einst bei den Smartphones zu schaffen. Denn merke: Vor dem iPhone und der unabdingbar notwendigen Multitouch-Bedienung mussten sich interessierte Erstkäufer (Early Adopter) multifunktionaler Telefone zunächst auch mit Tastaturen, Stiften und ungelenken Systemen abfinden. Für die Masse wurde es aber erst mit dem iPhone und seinen Pendants spannend. Meint: Der Schlüssel zum Erfolg der künstlichen Intelligenz ist und bleibt hier äquivalent die natürliche Sprache und deren gescheite Anwendung im Gespräch.

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