Die Gewaltspirale in Frankreich kommt nicht zum Stehen, im Gegenteil, in immer mehr Städten kommt es zu Ausschreitungen, am Wochenende schossen Randalierer erstmals sogar mit Schrotkugeln auf die Sicherheitskräfte, zwei Polizisten wurden dabei schwer verletzt. Nach Behörden-Aussagen wurden in der letzten Krawallnacht mehr als 1.400 Autos in Brand gesetzt, etwa 400 Jugendliche wurden festgenommen. “Nichts scheint den Bürgerkrieg stoppen zu können, der sich jeden Tag im ganzen Land immer weiter ausbreitet”, erklärte die Polizeigewerkschaft CFTC gegenüber der Nachrichtenagentur “Reuters”.

Frankreichs Präsident Jacques Chirac forderte am Abend der elften Krawallnacht die “Wiederherstellung der Sicherheit und Ordnung”. Davon ist das Land offensichtlich noch weit entfernt. Beim Treffen des nationalen Sicherheitsrates beriet Frankreichs Staatsführung deshalb über das weitere Vorgehen. So sollen die Sicherheitskräfte weiter aufgestockt werden, “gesetzlose Gebiete” werde der Staat nicht akzeptieren, sagte Frankreichs Premierminister Dominique de Villepin. Randalierende Jugendliche sollen in Schnellverfahren zur Verantwortung gezogen werden. Die französische Polizeigewerkschaft fordert gar den Einsatz der Armee, um die Sicherheit wieder herzustellen. Jaques Chirac erkennt allerdings auch die Wurzeln des Hasses und möchte, um die Krise zu beheben, auch “die Achtung des Einzelnen, Gerechtigkeit und Chancengleichheit” in Frankreichs Ghettos herstellen, berichtet Tagesschau.de.

Die Gründe für die Gewaltbereitschaft der Jugendlichen wird von Frankreichs Medien einvernehmlich erkannt. Aus den nächtlichen Tätern werden in der nationalen französischen sowie internationalen Presse Opfer einer jahrelangen falschen Politik. Die blinde Wut der vorrangig aus afrikanischen und arabischen Ländern stammenden Randalierer resultiert demnach aus einer falschen Integrationspolitik. “Frankreich zahlt heute für seine Arroganz in der Vergangenheit. Allzu oft wurden die Probleme der sozialen Randviertel mit Demagogie statt mit Vernunft behandelt”, berichtet etwa die Pariser Zeitung “Le Figaro”.

Frankreichs Vororte entwickeln sich seit Jahren zu sozialen Brennpunkten. Die Arbeitslosigkeit liegt oft bei über 30 Prozent, die 80er-Jahre-Bauten der staatlichen Trabantenstädte befinden sich in miserablem Zustand. Insgesamt leben etwa 5 Millionen Menschen in derartigen Ghettos, vorrangig Immigranten. Die französische Hip-Hop-Szene verarbeitet seit Jahren die problematischen Zustände in ihren Texten und kommuniziert den Unmut darüber.

Seit elf Tagen brennt Frankreich. Auslöser der Krawalle war der Tod zweier Jugendlicher, die bei der Flucht vor der Polizei durch einen Stromschlag ums Leben kamen. Treibt Perspektivlosigkeit und Diskriminierung Jugendliche zu blindem Hass und Gewaltbereitschaft? Gibt es in Deutschland ein ähnliches Pulverfass, das sich jederzeit entzünden kann? Was denkt Ihr? Diskutiert mit uns im COMMENTS-Bereich!