Zeitungs-Apps: Lang lebe die Printausgabe

Marie van Renswoude-Giersch
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Die gedrucke Zeitung wird in absehbarer Zeit nicht verschwinden – glaubt man dem Ergebnis einer Studie zur Einstellung junger Leser gegenüber Zeitungs Apps Diese wurden unter anderem zur Usability und Berechtigung von iPad-Ausgaben befragt. Obwohl man gerade junge Menschen zur Zielgruppe von Tablets zählen würde, greifen die Befragten bisher lieber zur Print-Ausgabe. Keiner der Test-Personen war selbst im Besitz eines iPads.

40 Personen im Alter von 19 bis 29 Jahren wurden im Rahmen der Studie der FH Hannover (ppt) von Januar 2011 befragt. Die Testpersonen stammten alle aus einem Journalistik-Studiengang. Untersucht werden sollte die Nutzung mediengebundener Tablet-Anwendungen durch junge Leser. Dafür wurde ein zweistufiges Verfahren eingesetzt. In einem 20-minütigen Eyetracking-Test wurden den Testpersonen zunächst gezielte Aufgaben gestellt. Anschließend sollten sie die Apps frei benutzen. Abgerundet wurde die Untersuchung durch einen Fragebogen.

Am Beispiel der vier Medien-Anwendungen Frankfurter Rundschau*, Hamburger Abendblatt*, Tagesschau*, und Hannoversche Allgemeine* wurden folgende Leitfragen versucht zu klären:

  • Was funktioniert besser – Tablet-Apps oder traditionelle Zeitungsmetaphern?
  • Wie gut ist eine iPad-App im Vergleich zu anderen Zeitungs-Apps?
  • Wie gut ist die Tablet-App der Tagesschau im Vergleich zu den getesteten Zeitungs-Apps?
  • Was halten junge Leser grundsätzlich von Zeitungs-Apps?

Die Befragten sollten die Dimensionen Navigation, Optik, Text und Formen bewerten und den Anwendungen Schulnoten vergeben. Insgesamt hat die App der Frankfurter Rundschau am besten abgeschnitten. In der Dimension “Optik” erhält sie die Bestnote. Die Tagesschau-Anwendung, das einzige kostenlose Angebot im Test, überzeugt dagegen inhaltlich und erhält die Note 1,7 für Textqualität. Dafür wird hier die Navigation kritisiert. Bei der iPad-Ausgabe der Hannoverschen Allgemeine handelt es sich streng genommen nur um ein PDF Äquivalent der gedruckten Ausgabe. Trotzdem schneidet sie bei der Navigation im Vergleich mit den Apps am besten ab. Was die Optik betrifft, werden hier allerdings die kleine Schriftgröße und das lästige Zoomen bemängelt.

Allgemein vermisst werden bei den iPad-Ausgaben vertraute Webseiten-Navigationselemente, wie die Option zur Rückwärtsnavigation oder die Suchfunktion. Inhaltlich wurden die Teaser-Texte und Überschriften bemängelt, da diese oft nicht als prägnant genug empfunden wurden.

Gerade mal die Hälfte der Befragten sagt nach dem Test, dass ihnen das Zeitunglesen am iPad Spaß gemacht hat. Nur 20 Prozent wollen Zeitungen künftig vor allem auf einem Tablet lesen, was aber auch daran liegen könnte, dass nur 9 Prozent aktuell ein Tablet (keins davon war ein iPad) besitzen. An die Apps werden viele Erwartungen gestellt. So wünschen sich 83 Prozent der Test-Teilnehmer multimediale Inhalte, wie Videos, Audios oder Bilder-Slideshows. Nur 23 Prozent sind dann allerdings auch bereit, mehr Geld als für die Papier-Ausgabe auszugeben. Bei identischem Inhalt sollte die App-Ausgabe günstiger als die Print-Ausgabe sein, so denken 74 Prozent. 80 Prozent wünschen sich außerdem von einer Anwendung, dass die Inhalte im Tagesverlauf ständig aktualisiert werden. Was die Berechtigung von kostenpflichtigen Zeitungs-Apps angeht, so halten fast die Hälfte aller Befragten kostenpflichtige Apps für überflüssig, da es kostenlose Alternativen wie die Tagesschau-Anwendung gibt. Das kostenlose Angebot der Webseiten wird dagegen kaum als Konkurrenz betrachtet.

32 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Zeitungen künftig häufiger auf Tablet-Rechnern gelesen werden. Die gedruckte Zeitung wird in absehbarer Zeit aber nicht verschwinden – davon sind fast alle Test-Teilnehmer (94 Prozent) überzeugt.

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