Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz: Threema prüft Umzug ins Ausland

Holger Eilhard
5

Aufgrund einer aktuellen Verordnung für das Überwachungsgesetz BÜPF, welche eine Vorratsdatenspeicherung bedeuten könnten, gibt es unter anderem bei den Entwicklern des beliebten Messengers Threema derzeit Überlegungen die Schweiz zu verlassen.

Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz: Threema prüft Umzug ins Ausland

Konkret handelt es sich um einen neu ausgearbeiteten Verordnungsentwurf für das Bundesgesetz zur Überwachung des Post- und Fernmeldeverkehrs (BÜPF). Wie die Schweizer SonntagsZeitung berichtet, könnten laut dem Entwurf in einem Ausnahmefall Applikationen mit Chatfunktionen dazu gezwungen werden eine Vorratsdatenspeicherung anzulegen. Diese Daten umfassen etwa wer mit wem, wie lange und von wo und welchem Gerät kommuniziert hat. Diese Daten müssen ein Jahr gespeichert werden. Ein entsprechender Ausnahmefall wäre beispielsweise ein Terroranschlag.

Threema-Mitgründer Martin Blatter sagte gegenüber der Zeitung, dass man es nicht so weit kommen lassen werde. „Sollten wir vom Gesetz gezwungen werden, eine Vorratsdatenspeicherung anzulegen, werden wir prüfen, unsere Server und gegebenenfalls auch unseren Geschäftssitz ins Ausland zu verlagern“, so Blatter. „Eine Vorratsdatenspeicherung widerspricht unserer Philosophie.“

Datensparsamkeit bei Threema

Was die Entscheidung für Threema im Detail bedeuten wird, ist bislang unklar. Der Messenger erhebt bei der Nutzung nur geringe Daten über die Nutzer. Aktuell sind dies lediglich der öffentliche Schlüssel und das Datum des letzten Logins. In der Vergangenheit habe das Unternehmen diese Daten erst einmal mit einer ausländischen Behörde im Rahmen eines Rechtshilfeersuchens geteilt.

Handynummer oder E-Mail-Adresse können nur dann an die Behörden übergeben werden, wenn der Nutzer diese mit einer Threema-ID verknüpft. IP-Adressen werden nicht geloggt. Denkbar ist aber, dass Unternehmen in Zukunft von den Behörden dazu gezwungen werden könnten mehr Daten zu erfassen.

Nicht nur bei Threema gibt es Gedanken die Schweiz zu verlassen. Auch der Betreiber des E-Mail-Dienstes Protonmail aus Genf und dem Cloud-Computing-Anbieters Tresorit aus Niederteufen gibt es ähnliche Überlegungen. Die Server von Tresorit stehen bereits im Ausland.

Quelle: SonntagsZeitung via Heise

44.869
Threema. Seriously secure messaging

Hat dir "Vorratsdatenspeicherung in der Schweiz: Threema prüft Umzug ins Ausland" von Holger Eilhard gefallen? Schreib es uns in die Kommentare oder teile den Artikel. Wir freuen uns auf deine Meinung - und natürlich darfst du uns gerne auf Facebook, Twitter oder Google+ folgen.