HP TouchPad: Vom WebOS-Kassengift zum Android-Geheimtipp

Frank Ritter

Das HP TouchPad ist ein immer wiederkehrendes Thema auf androidnext.de. Kurioserweise, denn das solide Tablet mit 9,7-Zoll-Bilddiagonale war ursprünglich überhaupt nicht für den Betrieb mit Android vorgesehen, sondern als Tablet-Flaggschiff für das Betriebssystem WebOS von Palm gedacht. Mit einer 1,2 GHz Dual Core-CPU ausgestattet und in verschieden Versionen mit 16, 32 und 64 GB sowie Wifi-only oder 3G verfügbar war das Tablet in puncto Hardware beim Release durchaus zeitgemäß ausgestattet.

HP TouchPad: Vom WebOS-Kassengift zum Android-Geheimtipp

Leider entpuppte sich das Gerät jedoch relativ schnell als Kassengift: Im Einzelhandel wurden kaum TouchPads verkauft, was HP nicht nur veranlasste, die verbliebenen Bestände des Tablets in so genannten „Fire Sales“ für Spottpreise ab 99 US-Dollar bzw. 99 Euro an den Mann zu bringen, sondern auch das nur wenige Monate zuvor mit dem Kauf von Palm erworbene WebOS einzustampfen, bzw. später in die Obhut der Open Source-Community zu übergeben.

Ironischerweise entpuppte sich das HP TouchPad nach dem offiziellen „Liebesentzug“ dank der Fire Sales als Kassenschlager: Nach dem iPad 2 war es gar das meistverkaufte Tablet 2011. Beim Verkaufsstart zum Billigpreis brachte das Angebot sowohl die Server von HP als auch die deutscher E-Händler zum Schmelzen. Ein Grund, neben dem günstigen Preis, für diese Nachfrage war sicherlich, dass recht schnell absehbar war, dass das HP TouchPad auch mit Android ausgestattet werden konnte – einem flexibleren und viel weiter verbreiteten Betriebssystem.

HP TouchPad und Android

Das erste Android auf dem HP TouchPad stammte von HP selbst. Auf einigen wenigen Geräten, die während des Fire Sales bei Best Buy und auf eBay auftauchten, war eine ominöse, kaum funktionale Version von Froyo installiert. Bei HP selbst wusste man zunächst nicht, was das für eine Version ist, später stellte sich heraus, dass sie HP-intern programmiert wurde und offenbar entwickelt wurde, bevor der Kauf von Palm und damit die Übernahme von WebOS für das Tablet beschlossen wurde. Unklar bleibt weiterhin, wie diese Entwicklereinheiten des HP-Tablets in den regulären Verkauf gelangen konnten.

Aber auch die Hobby-Entwickler schraubten weiter an einem funktionalen Android auf dem HP TouchPad. Am erfolgreichsten war dabei zunächst das Team TouchDroid, das sich jedoch nach einem Skandal um Code, der ohne Nennung des Urhebers vom Team der CyanogenMod geklaut wurde, im September 2011 auflöste. Nun übernahmen die Jungs von der CyanogenMod das Ruder und publizierten fast ausschließlich über das Forum von RootzWiki.com behände neue Versionen und einen auch für Laien benutzbaren Android-Installer, der Android zusätzlich zu WebOS Dual Boot-fähig installierte – anstatt das reguläre Betriebssystem komplett zu ersetzen. Nach der Gingerbread-basierten CyanogenMod 7 kam im Januar 2012 dann auch die Ice Cream Sandwich-basierte CyanogenMod 9 für das HP TouchPad heraus. Mittlerweile kann man sich dank Nightly Builds fast täglich eine verbesserte Version der Custom ROM auf sein Gerät installieren. Schützenhilfe erhielt das Team sogar von HP selbst, die Quellcode für diverse Treiber des HP TouchPad zur Verfügung stellten. Mittlerweile ist das HP TouchPad mit Android alltagstauglich, auch wenn manches noch nicht hundertprozentig funktioniert.

Links zum HP TouchPad

Mehr Informationen und die genauen technischen Spezifikationen findet man hier:

Android auf dem HP TouchPad installieren

Die Installation von Android auf dem HP TouchPad wirkt auf den ersten Blick deutlich komplizierter, als sie im Endeffekt ist. Neben einem HP TouchPad braucht man lediglich noch einen Windows-, Mac- oder Linux-Rechner, ein paar Dateien und Treiber sowie eine Portion Geduld. Verkürzt dargestellt muss man nach der Installation der sogenannten Novacom-Treiber die benötigten Dateien auf das TouchPad kopieren und auf dem, mit dem Tablet verbundenen Rechner das entsprechende Installationsprogramm über ein Terminal ausführen. Der Rest der Installation läuft danach automatisch ab und nach deren Abschluss steht neben einer Android-Version auch weiterhin WebOS zur Verfügung. Das jeweilige Betriebssystem kann beim Neustart des Tablets über ein Boot-Menü ausgewählt werden.

Eine ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Installation von Android 4.0 auf dem HP TouchPad erstellt. Außerdem begleiten wir euch in einem Video durch die einzelnen Schritte der Installation.

Für diejenigen, die nicht sicher sind, ob sich die Installation überhaupt lohnt, haben wir zusätzlich noch ein Hands On-Video der ersten Ice Cream Sandwich-Version erstellt. Diese hatte noch einige Fehler, die inzwischen behoben sind, aber das Video vermittelt trotzdem einen guten Eindruck davon, was einen erwartet.

Die jeweils aktuellste CyanogenMod-Version findet ihr im RootzWiki-Forum – diese muss bei der Installation lediglich gegen die in der Anleitung angegebene Version getauscht werden. Die Installation älterer CM9-Versionen ist nicht nötig. Neu erscheinende CyanogenMod 9-Versionen müssen nicht mehr über einen Rechner installiert werden, sondern können etwas bequemer über die ClockworkMod Recovery oder den ROM Manager installiert werden. Die detaillierte Vorgehensweise dazu findet ihr ebenfalls in unserer Anleitung.

Wer gerne den neuesten Entwicklungsstand der Ice Cream Sandwich-Version für das WebOS-Tablet verfolgen möchte, kann sich die regelmäßig erscheinenden Experimentalversionen, so genannten Nightly Builds installieren. Diese können allerdings neben neuen Features auch einige neue Bugs beinhalten und teilweise instabil laufen – die Installation dieser Versionen legen wir daher nur mutigen und experimentierfreudigen Nutzern ans Herz.

Dieser Artikel ist ursprünglich auf androidnext.de erschienen. androidnext und GIGA ANDROID sind jetzt eins. Mehr erfahren.

Neue Artikel von GIGA ANDROID

GIGA Marktplatz