BND investiert 150 Millionen Euro, um WhatsApp und Co. zu knacken

Rafael Thiel
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Der Bundesnachrichtendienst will einen Weg finden, verschlüsselte Dienste wie WhatsApp zu knacken. Das lässt sich der Geheimdienst laut geleakten Haushaltsunterlagen in den kommenden Jahre satte 150 Millionen Euro kosten.

BND investiert 150 Millionen Euro, um WhatsApp und Co. zu knacken

Verschlüsselung ist ein zweischneidiges Schwert: Unsereins erfreut sich über geschützte Kommunikation und gesicherte Privatsphäre, den Geheimdiensten werden jedoch regelrecht Felsbrocken in den Weg gelegt. In ebenjenen Weg, der uns in letzter Instanz vor Terroranschlägen und organisierter Kriminalität schützen soll. Über die Legitimation eines flächendeckenden Abhörprogramms wie es TEMPORA für den britischen GCHQ war, lässt sich trefflich streiten. Allerdings kamen Geheimdienste vor den Snowden-Enthüllungen weitaus einfacher an sensible Daten, als es heute der Fall ist. Sogar die Mainstream-Dienstleister haben zuletzt damit begonnen, auf aufwendige Kryptographie zu setzen.

Insbesondere die sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist den Geheimdiensten ein Dorn im Auge. Denn damit können nicht mal die Betreiber eines Dienstes die verschickten Daten einsehen – eine gerichtliche Anordnung zur Kooperation mit den Behörden taugt somit nicht mehr als letztes Mittel zum Zweck. Laut den Haushaltsunterlagen des BND, die Netzpolitik.org vorliegt, hat das zur Folge, „dass der BND von aktuell weit über 70 verfügbaren Kommunikationsdiensten mit entsprechender Verbreitung nur weniger als zehn (zumeist ältere) erfassen und inhaltlich erschließen kann“.

Projekt ANSKI: BND will Verschlüsslung überwinden

Das dürfen Datenschützer als Sieg verbuchen, schließlich scheinen die Maßnahmen gegen geheimdienstliche Ausspähung zu greifen. Doch gleichzeitig muss sich auch Sorgen über Effektivität eines solchen Geheimdienstes gemacht werden. Der BND hat darum ANSKI ins Leben gerufen: „Aufklärung nicht-standardisierter Kommunikation im Internet“ lautet der Projektname in ausgeschriebener Form. Ein Budget von 150 Millionen Euro bis 2025 soll die notwendige Schlagkraft gewährleisten. Für dieses Jahr wurden 5,4 Millionen Euro bewilligt, 2017 sind es 15,9 Millionen Euro, der Rest ist für das Jahr 2018 und darüber hinaus vorgesehen. Das darf als Preisschild für die neue Ära der Überwachung gesehen werden: Es geht nun verstärkt darum, sich gezielt auf einzelne Verdächtige zu konzentrieren.

Mit ANSKI will der Geheimdienst „Schwachstellen in der Implementierung“ finden, um „eine Inhaltserschließung zu erlauben“ – im Zweifelsfall auch mit einer „Vergabe von Analyseaufträgen an externe Firmen und Dienstleister“. Das große Problem dabei: Findet der BND eine Sicherheitslücke, dürfte diese auch für zwielichtigere Gestalten auffindbar sein. Es ist ferner nicht davon auszugehen, dass die Behörden die betroffenen Dienste über ein solches Leck informieren werden. Das ist laut Frank Rieger, Sprecher vom Chaos Computer Club, kritisch zu betrachten: „Wenn etwa der Staat aktiv Sicherheitslücken gegen mobile Endgeräte entwickelt, ist davon auszugehen, dass diese Lücken auch von anderen Angreifern genutzt werden – auch solchen, gegen die der Staat eine Schutzpflicht hat“

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BND arbeitet an umfassenderer Überwachung

Neben dem passiven Mitlesen gedenkt der BND übrigens auch, „aktive Erfassungsansätze“ zu verfolgen. Dazu sollen „notwendige Informationen“ wie kryptografische Zertifikate und Schlüssel unter anderem „mit nachrichtendienstlichen Mitteln“ beschafft werden. Konkret bedeutet das: Der BND ist bereit, falls nötig Computer und Server zu hacken sowie Informationen aus „menschlichen Quellen“ zu gewinnen. Das Ziel der Überwachung ist es aber nicht nur, Terrorismus zu unterbinden. Laut Netzpolitik.org geht es „inbesondere [um] illegale Migration“. Eben diese „illegale Schleusung“ bemächtigt den BND seit 2009 dazu, deutsche Staatsbürger abzuhören. Ein heikles Thema also.

Mehr Informationen zu den geleakten Haushaltsunterlagen, den weiteren Projekten und dem Budget des BND gibt es bei Netzpolitik.org.

Quelle: Netzpolitik.org via Computer Base

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