Joyn – Ist der WhatsApp-Konkurrent endgültig tot?

Es gibt neue Zahlen zum Thema Joyn. Während sich die deutschen Mobilfunkanbieter offiziell immer recht optimistisch zeigten, mit Joyn einen ernsthaften Konkurrenten für WhatsApp und Co. auf den Markt gebracht zu haben, zeigen die Zahlen etwas ganz anderes. Auch für den Kunden sind solche proprietären Dienste meist mit Nachteilen verbunden.

Joyn – Ist der WhatsApp-Konkurrent endgültig tot?

Wahrscheinlich ist die Aussage in der Überschrift nicht wirklich zutreffend. Das liegt aber nicht daran, dass wir Joyn noch eine wirkliche Chance geben, sondern eher daran, dass es von Anfang an eigentlich überhaupt keine hatte – es war eine Totgeburt. In einer Studie von Tyntec sehen von 40 befragten Mobilfunkunternehmen nur eine verschwindend geringe Menge eine wirkliche Zukunft in der WhatsApp-Alternative. Die anderen sind davon überzeugt, dass sich Over-the-top-Inhalte langfristig überall durchsetzen werden. Over-the-top (OTT) steht dabei für die kostenlose Online-Übertragung von Bild- und Audioinhalten. Tyntec fasst darunter aber auch Textübertragungen wie bei WhatsApp und Skype.

Joyn ist zu spät und zu schlecht

Wirklich verwunderlich ist es natürlich nicht, dass Joyn eigentlich von Anfang an keine Chance hatte. So kam der Dienst erst unglaublich spät und ist immer noch nicht für alle Anbieter verfügbar. Von der Konzeption bis zur Einführung dauerte es unglaubliche sieben Jahre. Bei der Telekom kann man ihn nutzen, bei Congstar, einem Tochterunternehmen, ist dies hingegen immer noch nicht möglich. Man sorgt hier also weiter für Fragmentierung und nicht für eine plattformübergreifende Lösung. Außerdem bietet er überhaupt keinen Mehrwert gegenüber OTT-Diensten wie WhatsApp, die ebenfalls Text- und Sprachnachrichten, aber auch Dateiübertragung anbieten.

Ein gutes Drittel der befragten Mobilfunkanbieter arbeitet schon mit OTT-Diensten zusammen. Wirklich wohl dabei zu fühlen scheinen sie sich aber nicht. Dabei sehen sie WhatsApp (36%), Google und Facebook (jeweils 21%), Apple (14%) und Skype (7%) als die größten Bedrohungen an.

“Im Vergleich zu den Umfrageergebnissen des letzten Jahres sehen mittlerweile viele klassische Telekommunikationsdienstleister von einer Blockierung von OTT-Services, Zusatzkosten oder einer Qualitätseinschränkung ab. Statt einer eigenen OTT-Lösung erweitern sie zum Beispiel ihr A2P-SMS-Portfolio (Application to Person) oder arbeiten zunehmend mit Internet-Anbietern zusammen. Beide Optionen bieten ihnen die Chance, am Erfolg der OTT-Unternehmen teilzuhaben und sich neue Umsatzmöglichkeiten zu erschließen,” sagt José Garcia, ein Mitarbeiter von Tyntec. OTT ist also die Zukunft?

 OTT ist die Zukunft!

Immer noch verlangen aber einige Anbieter Zusatzgebühren für die Nutzung von OTT-Diensten oder blockieren diese gleich ganz. Dass der Siegeszug von WhatsApp und Skype aber kaum aufzuhalten ist, dürfte jedem klar sein, der das rasante Wachstum dieser Programme verfolgt. Auch wenn man sich die Bewertungen der Joyn-Apps in den jeweiligen Stores anschaut, dürfte offensichtlich sein, was die Nutzer davon im Vergleich zu WhatsApp und Google halten. Auch die klassische SMS wird langsam, aber sicher aussterben. Teilweise beschleunigen die Mobilfunkanbieter dies, indem sie immer noch 9 Cent für eine SMS oder 10 Euro für eine SMS-Flatrate verlangen. Auch Joyn ist nicht komplett frei von Kosten. In der heutigen Zeit einfach utopisch.

Laut Tyntec ist die einzige wirkliche Möglichkeit hier eine Zusammenarbeit mit den OTT-Anbietern, um über diese den verlorenen Umsatz etwas auszugleichen. Natürlich muss man erst einmal beachten, dass Tyntec ein Unternehmen ist, welches Mobilfunkanbietern Lösungen für die Zusammenarbeit mit OTT-Diensten anbietet. Ein “Niedergang” der SMS und Joyns liegt also durchaus in ihrem Interesse. Trotzdem sind die Zahlen (nicht nur die von Tyntec) so eindeutig, dass man ihnen durchaus glauben schenken kann.

Umsatz von 30 Milliarden in 2016

So geht Tyntec davon aus, dass mit OTT in 2016 ein Umsatz von 30 Milliarden Dollar gemacht wird. Das liegt unter anderem an der rasanten Verbreitung von Smartphones. Während momentan 15 Millionen Nutzer in Deutschland OTT-Dienste nutzen, sollen es in 2016 51 Millionen sein! Ein gigantischer Markt also, dem man sich einfach nicht verschließen sollte. Mit Joyn tut man dies aber indirekt, weil es mit anderen Apps einfach nicht konkurrenzfähig ist. Wenn man hier mehr als nur mit den OTT-Anbietern zusammenarbeiten möchte, um selbst direkt mehr Umsatz zu  machen, wird man eine bessere Alternative präsentieren müssen (Stichwort Sicherheit, Plattformuabhängigkeit usw.)

Quelle: Pressemitteilung, via Computerwoche, Bild: Mobiflip

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