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Nexus-Geräte: Warum OTA-Updates so lange dauern und der „Framework-Trick“ mehr schadet als nutzt

Amir Tamannai
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Zigtausende Besitzer eine Nexus-Tablets oder -Smartphones warten weltweit in diesen Stunden und Tagen auf das ersehnte Anklopfen von Android 4.4 KitKat via OTA-Update. Ein weit verbreiteter vermeintlicher Trick, um die Aktualisierung zu erzwingen, ist das Löschen der Daten des Google Services-Framework in den App-Einstellungen. Google-Ingenieur Dan Morril hat nun auf reddit erläutert, warum dieses Vorgehen kontraproduktiv ist und nach welchem Zeitplan der Rollout der Updates für Nexus-Geräte tatsächlich stattfindet.

Nexus-Geräte: Warum OTA-Updates so lange dauern und der „Framework-Trick“ mehr schadet als nutzt

Immer wieder erreicht uns in den Kommentaren oder per Mail der Hinweis, dass man den OTA-Updatevorgang auf Nexus-Geräten unter Umständen erzwingen könnte, indem man in den App-Einstellungen des Gerätes nach dem Eintrag „Google Services Framework“ sucht und dort dann diesen Prozess stoppt und alle zugehörigen Daten löscht. Dieser „Trick“ ist uns natürlich nicht unbekannt und wurde zugegeben in der Redaktion auch schon ein paar Mal angewandt — zuletzt auf dem Nexus 10, das allerdings immer noch kein KitKat erhalten hat.

Google-Services-Framework-Liste

Darüber, wie zielführend dieses Methode ist, darf also gestritten werden, dass sie in jedem Fall negative Nebeneffekte hat, erklärt uns nun Google-Software-Guru Dan Morril in einem Posting auf reddit. So sorgt dieser Kniff im Ergebnis dafür, dass die Google-Server das Gerät als auf Werkszustand zurückgesetzt wahrnehmen — und das kann dazu führen, dass einige Apps nicht mehr laufen, wie sie sollen, Push-Benachrichtigungen und Notifications nicht mehr durchgehen beziehungsweise angezeigt werden oder, wie auf unserem Nexus 10 tatsächlich erlebt, Updates aus dem Play Store nicht mehr geladen werden (Übersetzung von uns):

Es gibt zahlreiche unschöne Nebeneffekte. Der größte ist, dass die Tokens, die Apps, welche mit dem GCM (Google Cloud Messenger) kommunizieren, ungültig werden. Das betrifft beinahe alle Google- und zahlreiche Drittanbieter-Apps. Wie diese darauf reagieren, ist unterschiedlich: Im Play Store muss man sich neu anmelden, Gmail sendet eine Weile keine Benachrichtigungen mehr, andere Anwendungen müssen unter Umständen gar zurückgesetzt werden, bevor sie wieder funktionieren. Im Kern erhält keine App mehr GCM-Benachrichtigungen, bis ihr eine neue ID vergeben wurde; und das geht bei manchen schnell, bei anderen langsamer. Außerdem gibt es auch Apps, die die GCM-ID auch für die die Kommunikation mit den eigenen Entwickler-Servern nutzen, so dass neben den Benachrichtigungen auch weitere Dinge eventuell nicht mehr funktionieren.

Zwar explodiert also durch das Löschen der Google Services-Daten nichts, aber er sorgt für eine Menge Verwirrung und unter Umständen erratisches Verhalten.

Morril rät daher ungeduldigen Naturen ganz simpel zum Sideloaden der Factory Images, wenn sie es gar nicht mehr abwarten können — auch weil man nach den oben beschriebenen auftretenden Problemen unter Umständen sich sowieso gezwungen fühlen könnte, das Gerät zurückzusetzen; nur dann eben, ohne wenigstens das Update eingespielt zu haben.

Und warum dauert es zum Teil so lange, bis unsere Geräte nach offiziellen Beginn des Rollouts dann auch tatsächlich mit Updates versorgt werden? Auch das erklärt Morril in einem weiteren Thread Übersetzung von uns):

Rollouts laufen in Phasen ab. Typischerweise starten wir in den ersten 24 bis 48 Stunden mit nur einem Prozent aller aktivierten Geräte. Wir beobachten dann Geräte Check-ins und prüfen auf Fehler — einfach um sicher zu gehen, dass alles läuft, bevor wir im großen Stil ausrollen. Danach geht es über einen Zeitraum von ein bis zwei Wochen in Schritten von 25 Prozent, 50 Prozent bis zu 100 Prozent weiter.

Diese Prozentzahlen bedeuten konkret, dass ein Gerät beispielsweise in den ersten Stunden eine einprozentige Chance hat, das Update beim Check-in zu erhalten. Wenn es da kein (zufallsgeneriertes) Angebot erhält, wird dies bis zur nächsten Stufe definitiv auch nicht passieren — wiederholtes Tippen auf den Update-Button bringt also gar nichts.

Der letzte Satz suggeriert übrigens, dass der Framework-Trick bei aller Schädlichkeit tatsächlich nicht ganz sinnlos ist: Eine neue ID oder Token würde somit auch neues Glück bei der „Verlosung“ der Update-Plätzer bedeuten; ohne einen solchen aber zu garantieren. Morril weiter:

Beim Start der nächsten Rollout-Phase ist dann wieder alles möglich und der Tap auf den Update-Button birgt eine neue Chance — aber wieder nur einmal. Zwar kann ein manuelles Tappen durchaus einen Zeitvorteil bringen, weil die Geräte selbsttätig nur einmal innerhalb mehrere Stunden prüfen und der Nutzer selbst so eventuell ein paar Stunden vor dem nächsten Auto-Check dran wäre; aber wiederholtes Drücken in kurzen Abständen oder auch nur mehr als zweimal am Tag bringt gar nichts. Auch läuft der Rollout nicht etwa nach dem „Wer zuerst kommt …“-Prinzip ab, sondern wirklich zufällig.

Danke Dan — nun wissen wir wenigstens etwas genauer, was da auf den Google-Update-Servern passiert, während wir nägelkauend auf die neuste Android-Version warten. Und was für Auswirkungen und Erfolgsaussichten der Framework-Trick hat — muss jeder selbst entscheiden, ob er sich künftig in Geduld übt, den Update-Button masht oder risikoreiche Löschmaßnahmen vornimmt.

Quelle: reddit, (2) [via Android Police]

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