Licht per Sprache steuern: Amazon Alexa und Philips Hue sind ein Dream-Team [Meinung]

Frank Ritter
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Amazon Echo und Philips Hue sind bei mir zuhause eingezogen. Ich kann jetzt die Beleuchtung in meiner Wohnung per Sprachbefehl steuern. Und ich bin selbst überrascht, wie sehr mich das begeistert. Eine Lobhudelung.

Licht per Sprache steuern: Amazon Alexa und Philips Hue sind ein Dream-Team [Meinung]
Bildquelle: GIGA

Bislang war ich einer von diesen Smart-Home-Skeptikern. Zu unsicher, zu wenig standardisiert, zu wenig Nutzen, das waren meine Vorurteile. Aber jetzt hat sich etwas geändert. Es fing ganz harmlos an. Irgendwann im Herbst letzten Jahres stellte Marco diesen mattweißen Kolben auf unseren Tisch im Büro, murmelte in seinem Wiener Schmähsingsang „Alexa, spiele Musik von David Guetta“ und los gings. Die Musik war grauenvoll, Alexa nicht. Im Laufe des Tages hatten wir viel Freude am Ausprobieren aller möglichen und unmöglichen Sprachbefehle für Amazons Lautsprecher-Assistentin. Es war erstaunlich, wie gut das funktionierte.

Nein, nicht jeder Musikwunsch wurde korrekt interpretiert, aber Alexa bot etwas, das ich bislang von keinem Sprachassistenten kannte und etwas unbeholfen mit „Präsenz im Raum“ beschreiben würde. Anders als bei Siri oder der Google Sprachsuche muss man nicht darauf achten, dass ein Gerät in meiner Nähe ist, eine Taste drücken und oder warten, dass das Gerät nach dem Startbefehl aufnahmebereit ist. Ein einfaches, natürlich geäußertes, „Alexa, spiele Musik von Queen“ oder „Alexa, wie wird das Wetter heute?“ reicht, um den Wunsch erfüllt, die Frage beantwortet zu bekommen.

Zum Thema: Über die Vor- und Nachteile von Alexa hat Marco in seinem Testbericht zu Echo und Echo Dot umfassend berichtet.

So ändert ihr den Namen von Alexa

Unser neues Familienmitglied Alexa

Mein Lackmustest, ob ein technisches Produkt auch jenseits eigener Geek-Begeisterung taugt, ist meine Familie. Über die Feiertage konnte ich Alexa in Form von Echo und Dot nach Hause mitnehmen. Und: Die Echos bestanden den Family-Test mit Bravour. Sowohl meine Frau als auch meine fünfjährige Tochter und unsere Besucher stürzten sich geradezu auf Alexa, bombardierten sie mit Fragen und Musikwünschen.

Innerhalb von nur wenigen Tagen wurden die „große“ und die „kleine Alexa“, Echo nennt die Dinger bei uns niemand, zu festen Familienmitgliedern. Vor allem die Kopplung an Spotify mit Spotify Connect, die Nutzung als sprachgesteuerter Radio-Weltempfänger und die Tatsache, dass man die Geräte auch als Bluetooth-Lautsprecher nutzen kann, sind meiner Familie viel wert. Ob nun Musik, ein Bibi-und-Tina-Hörbuch oder der Deutschlandfunk – irgendetwas spielt Alexa in unserem Haushalt immer ab. Selbst einfache Informationen wie die aktuelle Wetterlage oder die Uhrzeit erfrage ich mittlerweile einfach per Stimme, wir stellen oder Wecker oder Timer – das allein ist ein immenser Komfort, den ich nicht mehr missen möchte.

Wie mit Alexas Hilfe ein Licht anging

Mein Kollege Sebastian ist nun ein großer Fan von Philips‘ Smart-Home-Lampensystem Hue, wie man in seinem für seine Verhältnisse enthusiastischen Hue-Testbericht lesen kann. Bislang konnte ich der Idee von „WLAN-Glühbirnen“ nicht viel abgewinnen. Warum sollte ich zum Handy greifen, um Licht an oder aus zu machen, wenn ich doch einfach auf den Lichtschalter drücken kann? Tja, so kann man sich irren. Das Hue-System hat nämlich noch einige Tricks im Schlafittchen, wie mir Sebastian erklärte: Man kann Licht in Stufen dimmen, die Lichtstimmung dank spezieller LED-Lampen dynamisch ändern und über ein offenes API sogar mit Drittanbieter-Apps wie ifttt nutzen und automatisieren.

Dass ich Hue ausprobieren wollte, hängt aber an zwei anderen Faktoren. Zum einen die kuriose Schaltung für die Deckenlampe in unserem Wohnzimmer, die ein Elektriker im Vollsuff verpfuscht haben muss: Wir haben zwei Schalter an gegenüberliegenden Enden des Zimmers und beide Schalter müssen auf An stehen, damit es hell wird. Mitunter muss man also von einem Ende zum anderen und wieder zurück rennen, um die richtige Position beider Schalter herauszufinden um das Licht einzuschalten – zusammengerechnet habe ich in meinem Leben sicher schon mehrere Stunden mit würdelosem Hin- und Herrennen verschwendet. Dank Hue bleiben die Lichtschalter einfach an und ich steuere die Beleuchtung per App und einem speziellen Hue-Lichtschalter. Der andere Grund ist, dass auch Alexa Hue direkt unterstützt. Also habe ich mir aufs Geratewohl und platter Neugier ein Hue-Starterset bestellt, Birnen in die Fassung gedreht, Software eingerichtet und konfiguriert ... und was dann geschah, war: Magie.

Gebt mir mehr!

Ich bin jemand, der mit der Zukunftsvision von Star Trek sozialisiert wurde und der den auf der Enterprise genutzten Sprachassistenten schon immer dufte fand. Einen Befehl auszusprechen wie „Alexa, Deckenlampe im Wohnzimmer auf 50 Prozent“ oder „Alexa, mach das Licht in der Küche an“ – woraufhin genau das passiert – kommt für mich einer nerdigen Grenzerfahrung gleich, der Verdinglichung dieser Star-Trek-Vision im Kleinen.

Klar ist der praktische Nutzen begrenzt, rational ist mir das bewusst. Natürlich rechtfertigt Sprach-Steuerung fürs Licht die damit verbundenen Investitionskosten für Alexa-Endgeräte und das Hue-System nicht unbedingt. Aber: Star Trek wird Realität, ich lebe in der gottverdammten Zukunft! Mein Körper schüttet jedenfalls Serotonin aus, jedes Mal, wenn ich das Licht per Stimme einschalte, ausschalte oder dimme, so fantastisch ist das. Und nein, ich erwarte nicht, dass jeder Leser das nachvollziehen kann.

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Amazon Echo im Hands-On: So klingt die deutsche Stimme

Toll ist jedenfalls, dass sowohl Alexa als auch Hue vielseitig und leicht erweiterbar sind. Für mich steht fest, dass ich mittelfristig die gesamte Wohnung mit Echos und Hue ausstatten werde. Also Amazon, bringt doch bitte Echo endlich flächendeckend und ohne Invite nach Deutschland. Philips, macht eure Birnen preiswerter, damit ich mir mehr davon kaufen kann. Mich habt ihr auf jeden Fall als Fan gewonnen.

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