Google Home vs. Amazon Echo – Ein Match in 6 Runden

Johann Philipp
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Googles Alternative zu Amazon Echo ist in Deutschland verfügbar. Was kann der smarte Lautsprecher Google Home und lohnt sich die Investition? Das erste Match in sechs Runden:

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Das ist Google Home

Vor Beginn ein erster Schlagabtausch: Was halten die Systeme von der Konkurrenz?
„Ok, Google, was hältst du von Amazon Echo?“ „Ich finde sie super zuverlässig, sie liefert ja immer.“ Ein Kompliment mit Wortwitz, nicht schlecht. Jetzt Alexa: „Wie findest du Google Home?“ „Ich habe eine Schwäche für jede künstliche Intelligenz.“ Gut, aber diese Antwort wiederholt sie auch, wenn man beispielsweise nach Siri fragt. Fall ihr schnell wissen wollt, wer gewinnt, schaut in unsere Übersicht am Ende des Artikels.

Einrichtung: Beide zeigen keine Schwächen

Aufschlag für Googles Lautsprecher. Mithilfe der Google-Home-App wird das Gerät eingerichtet: Zuerst wählt man das eigene WLAN aus, verbindet dann das Smartphone mit dem Lautsprecher und meldet sich mit seinem Google-Konto an. Das klappt beim Test ohne Probleme. In der App können sämtliche Einstellungen zum Lautsprecher vorgenommen werden und es gibt Tipps zu Sprachbefehlen, die Googles Sprachassistentin versteht.

Return Amazon Echo: Die Einrichtung funktioniert sehr ähnlich. Auch hier dient eine App als Steuerzentrale und verbindet sich mit dem Lautsprecher. Nach der Anmeldung mit dem eigenen Amazon-Account kann es losgehen. Beide Geräte sind ohne Probleme schnell eingerichtet.

Ergebnis: Unentschieden 1:1

Musikdienste: Spotify und TuneIn sind Standard

Die meistgenutzte Funktion bei den smarten Lautsprechern ist, wen wundert es, das Abspielen von Musik. Beide Systeme funktionieren mit Spotify, TuneIn und ihren eigenen Streaming-Angeboten Amazon Music und Google Play Music. Google Home bietet zusätzlich noch Deezer an, wohingegen Amazon das Portal Audible integriert. Die Auswahl der Anbieter ist ähnlich: Beide bieten mit Spotify den größtem Streaming-Dienst an.

Ergebnis: Unentschieden 2:2

Lautsprecher: Kein Hörgenuss, aber für die Küche völlig ausreichend

Bei den Lautsprechern ist es schwer, ein eindeutiges Urteil zu fällen. Der Klangeindruck wird von jedem anders wahrgenommen. Grundsätzlich lässt sich sagen: Die Lautsprecher des Google Home sind sehr basslastig – es fehlt ihnen an klaren Höhen. Beim Echo ist genau das Gegenteil zu hören. Die Höhen sind klar und deutlich, aber es fehlt etwas Bass. Für den Ersatz des Küchenradios, zum Vorlesen der Nachrichten und bei dezenter Hintergrundmusik wird einem kaum ein negativer Punkt auffallen. Möchte man mit den kleinen Boxen allerdings die nächste Party beschallen, kommen sie schnell an ihre Grenzen. Unser Redakteur Stefan ist vom Klang beider Lautsprecher eher enttäuscht.

Ergebnis: Keine Punkte, weiterhin 2:2

Sprachassistenz: Google ist intelligenter, Alexa ist menschlicher

Einer der Gründe, sich überhaupt für einen smarten Lautsprecher zu entscheiden, sind die integrierten Sprachassistenten. Google nennt sie Google Assistant – Amazon hilft mit Alexa. Google Home kann googlen und Wikipedia nutzen – jedenfalls manchmal. Über Google Assistant werden alltägliche Wissensfragen beantwortet. Dazu wird meistens die Wikipedia-Datenbank verwendet. Bei komplexeren Fragen gibt der Lautsprecher den ersten Eintrag der Google-Suche wieder.

Bei der Frage „Was hilft bei Mückenstichen“, liest Google Home den ersten Eintrag vor, der dazu rät, eine Zwiebel auf den Stich zu legen. Leider funktioniert die Google-Suche aber (noch) nicht bei jeder Anfrage. Auf die Frage „Was hilft bei Kopfschmerzen“ weiß Google beispielsweise keine Antwort.

Der Konkurrentin Alexa muss man mithilfe kleiner Erweiterungen, sogenannter Skills, auf die Sprünge helfen. Erst dann kann auch sie die Wikipedia-Seite durchsuchen, dafür klingt ihre Stimme aber deutlicher menschlicher als die von Google. Bei Wissensfragen liegt Google Home dennoch klar vorne. Außerdem kann der Assistant Sprachbefehle verbinden und in ersten Ansätzen den Kontext einer Konversation verstehen. Das schaffen weder Alexa noch Siri.

Sieg für Google Home 3:2

Entertainment: Skills bringen den Unterschied

Amazon hat für seine Echo-Geräte einen eigenen „App-Store“ entwickelt. Über sogenannte Skills lassen sich Funktionen, die Amazon nicht direkt unterstützt, nachträglich installieren. Es gibt Skills, die das TV-Programm vorlesen, Tiergeräusche imitieren, ein Taxi rufen und beim Kochen helfen. Viele ÖPNV-Anbieter sind vertreten und für einen erholsamen Schlaf lässt sich sanftes Meeresrauschen abspielen. Pünktlich zum Start von Google Home gibt es den Echo günstiger. Den aktuellen Bestpreis für Amazon Echo erfahrt ihr hier:

Google bietet noch keine Erweiterungen für den Home an. Grundsätzlich soll es zwar auch möglich sein die Funktionen zu erweitern, aber bisher sind im Vergleich zu Alexa noch keine verfügbar. Allerdings punktet der Home durch die vielen Google-Dienste wie YouTube, Google-Suche, Google Maps und Play Music. Erstaunlich einfach funktioniert auch die Steuerung von Google-Geräten wie dem Chromecast und die Weiterleitung von YouTube-Videos auf den smarten Fernseher. Doch das offene System von Amazon bietet mehr Freiraum und Individualität.

Ergebnis: Punkt für den Echo. Er verkürzt auf 3:3

Smart Home: Die Entscheidung

Matchball. Diese Kategorie entscheidet, wer gewinnt. Die Anzahl der unterstützen Smart-Home-Anbieter wirkt bei Google auf den ersten Blick riesig. Insgesamt 39 Dienste stehen zur Auswahl. Doch bei genauem Hinsehen fällt auf: Viele sind nur aus der US-Version übernommen und gar nicht in Deutschland verfügbar. Momentan ist beispielsweise die beliebte Osram-Lightify-App, die Konkurrenz zu Philips Hue, nur mit einem US-Account nutzbar. Allerdings wird das wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit sein, bis Google die Dienste umstellt.

Amazon kommt der Zeitvorsprung in dieser Kategorie zugute: Für alle beliebten Smart-Home-Systeme gibt es einen Skill. Die Steuerung funktioniert ohne Probleme und auch die Sprachbefehle sind variabler als bei Google Home. Einen Fauxpas leistet sich Home dann doch noch: Es lassen sich über das Lichtsystem von Philips Hue bisher keine voreingestellten Szenen per Sprache auswählen. Zwar sind die kleinen Schwächen von Google Home eher Kinderkrankheiten, aber das Unternehmen hatte eigentlich genug Zeit, die Anbindung an deutsche Systeme zu integrieren.

Endergebnis: 4:3 für Amazon Echo

Fazit

Google bringt eine spannende Alternative zu den Echo-Geräten auf den Markt. Die Funktionen sind zu Beginn allerdings noch eingeschränkt. Beide Sprachassistenten leisten sich bei klassischen Anfragen wie der Musiksteuerung, Alltagswissen, Wetterberichten und Nachrichten keine Schwächen. Google punktet mit der Anbindung an weitere Google-Dienste und Kontextabfragen. Amazon ist der ideale Shoppingbegleiter, lässt sich mit Erweiterungen individuell anpassen und schafft mit dem kleinen Echo-Dot einen günstigen Einstieg in die Welt der smarten Lautsprecher anzubieten.

Weitere Themen: Amazon Echo, Google

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