Diese Handy-Firma soll 1,2 Milliarden US-Dollar wert sein – wir haben keine Ahnung, warum

Kaan Gürayer
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1,2 Milliarden US-Dollar ist Essential mittlerweile wert – ohne auch nur ein einziges Smartphone verkauft zu haben. Das Know-How von Android-Vater Andy Rubin in allen Ehren, doch mehr als Verzögerungen und eine fragwürdige PR-Politik hat das junge Unternehmen bislang nicht zu bieten. Entwickelt sich Essential zur Luftnummer? 

Diese Handy-Firma soll 1,2 Milliarden US-Dollar wert sein – wir haben keine Ahnung, warum

Zweimal bereits hat Andy Rubin es geschafft, den Mobilfunkmarkt zu revolutionieren. Bevor Android die Smartphones der Welt im Sturm eroberte, mauserte sich der Sidekick mit seinem bequemen Qwertz-Keyboard und dem charakteristischen Schiebemechanismus zum Lieblings-Handy jedes Chat-Junkies. Folgt mit dem Essential PH-1 jetzt Rubins dritter Streich?

Um diese Frage zu beantworten, müsste das Essential PH-1 irgendwann mal auf den Markt kommen – bloß: Das schicke Modul-Smartphone mit Titan-Rahmen lässt weiter und weiter auf sich warten. Eigentlich hätte das PH-1 Ende Juni an die ersten Vorbesteller ausgeliefert werden sollen. Aus diesem Termin ist bekanntermaßen nichts geworden. Nach Wochen des Schweigens hat Rubin vor kurzem Einladungen zu einem „First Look“-Event am 25. August verschickt, doch noch immer ist unklar, ob es sich um ein reines Presseevent handelt oder das Gerät Ende des Monats tatsächlich seinen Marktstart feiert.

Essential: 1,2 Milliarden US-Dollar wert

Von diesen Startschwierigkeiten lassen sich die Investoren im Silicon Valley aber nicht abschrecken – im Gegenteil. Laut Bloomberg-Kolumnist Tim Culpan soll Foxconns FIH Mobile 3 Millionen US-Dollar gezahlt haben, um sich „ungefähr 0,25 Prozent“ an Essential zu sichern. Bedeutet im Umkehrschluss: Das Startup hinter dem PH-1 wird mit einem Marktwert von 1,2 Milliarden US-Dollar bewertet. Der Geldregen überrascht nicht: Bislang wurde das Unternehmen mit 997 Millionen US-Dollar bewertet und allein im Juni konnte Essential bei einer Finanzierungsrunde 300 Millionen US-Dollar einnehmen.

Dass nun aber die „magische Grenze“ von 1 Milliarde US-Dollar durchbrochen wurde, sollte dennoch zu denken geben.

Moto Z und Echo Dot tun es zur Not auch

Essential wurde im November 2015 gegründet – und bis zum heutigen Tag hat das Startup noch kein einziges Produkt erfolgreich in den Handel gebracht. Im Gegensatz zum Android-Betriebssystem und dem Sidekick hat Essential nach aktuellem Kenntnisstand außerdem nichts revolutionär Neues in petto: Das PH-1 mag ein innovatives Smartphone mit interessanten Features sein und mit dem Essential Home deckt das Unternehmen gleichzeitig den wachsenden Markt der smarten Lautsprecher ab – wirklich bahnbrechend sind beide Geräte aber nicht. Ein Moto Z und Echo Dot dürften es zur Not auch tun.

Vom hoffnungsvollen Startup zur Luftnummer

Ihre Euphorie sollten aber nicht nur die Investoren zügeln – auch Essential selbst wäre gut beraten, sich nicht vom vielen Geld einlullen zu lassen. Andy Rubins neues Baby betritt einen gesättigten Markt mit großen Gegenspielern wie Samsung oder Apple. Sollte das PH-1 in den ersten Testberichten schlecht abschneiden und nicht zu dem Verkaufshit werden, den sich die Geldgeber ausmalen, könnte Essential ganz schnell eine Bruchlandung erleiden und vom hoffnungsvollen Startup zur Luftnummer mutieren.

Weitere Themen: Essential Home, Essential Products

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