„Jahre hinter Amazon Echo“: Die Aufholjagd von Apples HomePod

Holger Eilhard
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Seit langer Zeit dominieren Amazon und Google den Markt der smarten Lautsprecher. Mit dem HomePod will Apple hier nun mitmischen, muss aber aufgrund des internen Hin und Her weiterhin tatenlos zusehen.

„Jahre hinter Amazon Echo“: Die Aufholjagd von Apples HomePod

Apples HomePod begann als Hobby-Projekt

Unter dem Titel „Warum Apples HomePod drei Jahre hinter Amazons Echo liegt“ dokumentiert Bloomberg die Historie des HomePod, Apples intelligenten Lautsprecher, der dank Siri-Integration auch Amazon Echo und Google Home Konkurrenz machen will. Laut Bloomberg arbeiteten einige Apple-Mitarbeiter im Jahr 2014 bereits für rund zwei Jahre an einem Hobby-Projekt, das nun als HomePod bekannt ist, als sie vom Amazon Echo inklusive Alexa überrascht wurden.

Zwei weitere Jahre später war der Echo in der Lage, das Smarthome zu steuern und Pizzas zu bestellen. Währenddessen wurde Apples eigenes Projekt mehrere Male aufs Abstellgleis geschoben und reanimiert. Apples Manager waren sich nicht klar, wie ein derartiges Gerät in das eigene Angebot passen könnte.

Der nun als HomePod bekannte Siri-Lautsprecher durchlief während dieser Zeit diverse Stationen. Zu einem Zeitpunkt soll er einen Meter hoch gewesen sein. Ein anderer Prototyp beinhaltete dutzende einzelner Lautsprecher. Zeitweise überlegte man, den HomePod in vielen verschiedenen Farben anzubieten; schlussendlich entschied man sich für eine schwarze und weiße Variante. Auch der Verkauf als Produkt von Beats wurde diskutiert.

Hier ein paar Features von Amazon Echo, das mittlerweile in der zweiten Generation angeboten wird:

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Amazon Echo 2. Generation in Aktion: Das kann der intelligente Lautsprecher

HomePod: Primär ein Lautsprecher, Siri ist zweitrangig

Die ursprüngliche Idee entstammt einer Gruppe von Audio-Ingenieuren, die am Mac arbeiteten und einen Lautsprecher entwickeln wollten, der besser klingt als die Angebote von Bose, JBL oder Harman Kardon. Zwei Jahre nach dem Start der Entwicklung bekam das Hobby-Projekt einen offiziellen Codenamen: B238. Das Projekt ist Teil von Apples Zubehörabteilung unter der Leitung von Gary Geaves, der unter anderem Leiter der Entwicklungsabteilung bei Bowers & Wilkins war.

Apples HomePod-Team testete die verschiedenen Varianten des Lautsprechers in eigens entwickelten Umgebungen, die verschiedene Situationen simulieren sollen. Für diese Tests baute man zum Beispiel ein reguläres Wohnzimmer und Studio-Apartment. Im Jahr 2016 testeten Apples Mitarbeiter, die nicht direkt an der Entwicklung des HomePod beteiligt waren, in ihren Wohnungen. Danach folgten Tests bei Apples Retail-Mitarbeitern, um weitere Meinungen einzuholen.

Alternativen zu Apples HomePod: Hey Siri, wer soll dein Herzblatt sein?

Während Apple noch im Geheimen diese Tests durchführte, wurde unter anderem Amazons Alexa immer mächtiger. Der HomePod hingegen ist weiterhin primär ein Lautsprecher, Siri spielt nur eine Nebenrolle. Apples Lautsprecher ist nur ein von vier oder fünf anderen Bereichen, an dem die Siri-Ingenieure arbeiten.

Fehlende Features sind (k)ein Problem

Während der Echo ein eigenständiges und unabhängiges Gerät ist, stellt der HomePod eher eine Erweiterung vom iPhone dar. Wird eine Anfrage gestellt, wird diese nicht direkt ins Internet geschickt, sondern zunächst an ein iPhone weitergeleitet. Entwickler können keine direkten HomePod-Apps programmieren, sondern sind auf Erweiterungen von existierenden iOS-Apps angewiesen. Gleichzeitig ist die Art der erlaubten Anwendungen für den HomePod eingeschränkt.

Inwiefern dies ein Problem für normale Anwender sein wird, bleibt bis zur Vorstellung im kommenden Jahr offen. Der HomePod kann ab Werk zum Beispiel HomeKit-Geräte steuern, Timer starten und kann – dank Apple Music – Musik aus dem Internet streamen. Für die meisten Anwender dürfte die fehlende Möglichkeit zum Ordern einer Pizza per Sprachbefehl daher kein Grund gegen den HomePod sein – die wichtigsten Anwendungsfälle versteht auch der HomePod.

Apples große Pläne und ein verschobener Verkaufsstart

Laut Bloomberg hat Apple seinen Lieferanten gesagt, dass man im kommenden Jahr vier Millionen Geräte ausliefern will. Zum Vergleich: Nach Analystenangaben soll Amazon seit 2015 insgesamt rund 15 Millionen smarte Lautsprecher verkauft haben.

Ursprünglich sollte Apples HomePod noch im Dezember in den USA, Großbritannien und Australien angeboten werden. Den Verkaufsstart hatte Apple Ende vergangener Woche jedoch kurzfristig auf Anfang 2018 verschoben.

Quelle: Bloomberg

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