Apple-Patente im Rundumschlag: Widgets, Verzerrungskorrektur, Bewegungssteuerung

Flavio Trillo

Mit zwei Patentanträgen und einem durch das US-Patent- und Markenamt (USPTO) bestätigten Patent zeigt Apple einmal mehr, wo die Reise hingeht: Menü-Navigation mit Schüttelbewegungen und automatische Korrektur perspektivisch verzerrter Fotos. Dabei geht aus dem gewährten Patent auf die Multitouch-Bedienoberfläche des iPhone mehr hervor, als auf den ersten Blick erkennbar. 

Anfänglich gab es große Aufregung über das Patent mit der Nummer 7966578. Einige befürchteten, Apple könne die gesamte Smartphone-Industrie verklagen, da dem Unternehmen jetzt das Multitouch-Interface gehöre. Doch bei genauem Hinsehen stellt sich heraus, dass es sich einerseits nur um einen ganz bestimmten Aspekt der Bedienung beschäftigt.

Versteckte Widgets

Allein das selektive Navigieren einzelner Bestandteile einer Webseite, wie etwa das hineinzoomen mit zwei Fingern in einen Kartenabschnitt, der via Google Maps in eine Seite eingebettet wurde, ist durch das Patent geschützt. Außerdem ist die Beschreibung so detailliert, dass es der Konkurrenz nicht gerade schwer fallen wird, “drum herum zu entwickeln”, wie Nilay Patel für thisismynext.com erklärt.

Die geschützten Merkmale und Funktionen müssen schließlich immer kumulativ imitiert werden. Nur wenn alle Bedingungen, die in der Beschreibung

genannt sind, erfüllt wurden, kann Apple gegen die Nachahmer wirksam vorgehen. Doch abgesehen von dem Rummel um das angebliche “iPhone-Patent” zeigt sich noch etwas interessantes in den Dokumenten des USPTO.

Viele waren überrascht, dass Apple zur Vorstellung von iOS 5 zwar ein neues Benachrichtigungskonzept mit Widgets präsentierte, für letztere aber lediglich Aktien und die Wettervorhersage zur Verfügung stehen. Einige Illustrationen aus dem Patent zeigen nun aber, dass es durchaus Hoffnung auf benutzerdefinierte Widgets gibt.

Neben Taschenrechner-Widget, Wecker-Widget, Wörterbuch-Widget und mehr ist auch ein vom Benutzer erstelltes Widget in den Zeichnungen aufgeführt. Bis zum Herbst, wenn iOS 5 offiziell und für alle veröffentlicht wird, könnte Apple also noch einiges an dem Benachrichtigungszentrum nachbessern.

Unverzerrte Fotografie

Ein weiterer Patentantrag ist vor allem für all jene interessant, die gern mit der iPhone-Kamera hantieren. Mithilfe diverser Sensoren, wie etwa dem Gyroskop, dem GPS-Modul und dem Bewegungsmesser, soll das Gerät die relative Position der Linse zum Motiv feststellen. Aus diesen Informationen könnte eine mögliche perspektivische Verzerrung nachträglich ausgeglichen werden.

Außerdem könnten iPhone, iPad und iPod touch eine Verzerrung aufgrund einer Bewegung der Kamera während der Aufnahme registrieren und später aus dem Bild herausrechnen. Zu diesen Zwecken sollen zusätzliche EXIF-Felder angelegt werden um die nötigen Informationen mit der Bilddatei dauerhaft zu verknüpfen.

Shake-to-navigate

Zu guter Letzt veröffentlichte das USPTO einen Patentantrag aus Cupertino, der sich dem Problem der Steuerung von mobilen Mediaplayern widmet. Auf dem Rad, beim Joggen oder während anderer Tätigkeiten, die “visuellen Fokus” erfordern, lässt sich ein iPod bislang nur bedingt steuern. Dank der Funktion “Shake-to-Shuffle” ist es bereits möglich, einen zufällig gewählten Titel weiter zu springen.

Dank einer neuen bewegungsgesteuerten Menüführung könnte aber schon bald die komplette Navigation ohne Hinsehen erfolgen. Hierzu soll einerseits

die Richtung, in die das Gerät bewegt wird, bestimmen, ob die Wiedergabe einen Titel vor oder zurück springt. Ein Kippen des iPod nach links oder rechts könnte den selben Effekt haben.

Darüber hinaus denkt man in Cupertino aber auch über dreidimensionale Audio-Menüs nach. Dem Anwender werden über seine Stereo-Kopfhörer Menüeinträge oder Auswahloptionen dargestellt, als befänden sie sich vor ihm, mitten im dreidimensionalen Raum. Mithilfe entsprechend gerichteter Bewegung des iPod oder iPhone können diese dann angesteuert werden.

Als Alternative zur bisweilen etwas mühsamen Sprachsteuerung wäre die Bewegungsnavigation sicher nützlich. Vorsicht ist allerdings beim Joggen geboten. Die ohnehin rasche Bewegung von Läufer und iPod könnte zu wilden Sprüngen durch die Mediathek führen – das ist nicht gut für den Atemrhythmus und bringt am Ende nur Seitenstiche.

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