iPhone-5-Event: Held der Stunde ist der iPod touch

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Alle Welt spricht vom neuen iPhone 5 – wir auch. Dennoch, für mich persönlich war der eigentliche Star des Apple-Events am Mittwoch nicht das neue Smartphone, sondern dessen Cousin der iPod touch der 5. Generation. Der PMP (Portable Multimedia Player) gewinnt im Innovationsrennen deutlicher hinzu als sein großer Vetter und erschließt ganz nebenbei weitere Zielgruppen.

iPhone-5-Event: Held der Stunde ist der iPod touch

iPhone 5: Überraschung bleibt aus

Ernüchterung: Dass das neue iPhone 5 exakt den zuvor gestreuten Gerüchten entsprach und für den informierten Hardcore-User deshalb keine echten Überraschungen mehr bot, mag auf den ersten Blick enttäuschend sein. Allein dürfte dies dem anstehenden Erfolg nicht im Wege stehen, denn der Massenmarkt interessiert sich herzlich wenig für die Diskrepanz von Erwartungshaltung und Verwirklichung. Das iPhone 5 bietet letztlich unterm Strich eine anständige Produktaktualisierung, wenngleich die große Revolution ausbleibt.

Eine solche ist für Apple und die Kunden auch nicht unbedingt notwendig, genügt doch eine durchdachte Evolution des bestehenden Produktes. Im Vordergrund steht der tatsächliche und praktikable Nutzen der einzelnen Funktionen – keine Schwemme von Features, deren Nutzen noch in den Sternen steht (zum Beispiel NFC).

Auch mit dem iPhone 5 wird der Anwender weiterhin denselben Aufgaben nachgehen wie mit dem iPhone 4S und dessen Vorgängern. Nur tut er dies eleganter und komfortabler. Für Otto Normal dürfte dieses Markenversprechen genügen, um bei der anstehenden Vertragsverlängerung zuzuschlagen.

iPod touch 5. Generation: Sprung nach vorn

Der iPod touch musste in 2011 eine Ehrenrunde drehen und bekam kein Update spendiert. Umso größer und teils überraschender fallen jetzt die Neurungen der fünften Generation aus: 4-Zoll-Display, Bluetooth 4.0, 5-Megapixel-iSight, HD-Frontkamera und ein A5-Prozessor. Kurzum: Ein iPhone 5 light ohne Telefon- und GPS-Funktionalität. Dabei wird diese rationale Feststellung der eigentlichen Bedeutung des iPod touch nicht annähernd gerecht.

Schon seine Vorgänger übernahmen die Rolle der Einstiegsdroge für den App Store. Alternative Portable Multimedia Player ohne App-Anbindung spielen seit diesem Coup im Markt kaum noch eine Rolle – mission accomplished.

Die vierte Generation vermarktete Apple bewusst und erfolgreich als mobile Spielkonsole. Der iPod touch konkurrierte infolgedessen mit den bisherigen Platzhirschen Nintendo DS und Sony PSP. Diese mögen zwar für Hardore-Gamer noch immer relevant erscheinen, den eigentlichen wirtschaftlichen Erfolg und das für das Wachstum notwendige nachhaltigere Konzept verbucht derweil allein Apple – mission accomplished.

Im Visier: Digitale Kompaktkameras

Mit der fünften Generation zielt Apple erneut auf ein weiteres Marktfeld: Digitale Kompaktkameras. Selbige gibt es zu Hauf und der Markt ist mehr als gesättigt. Für Bestandskunden gibt es immer weniger Gründe, sich für ein neues Kameramodell zu entscheiden – die „alte“ IXUS tut es auch, neue Funktionen werden nicht benötigt. Ambitionierte Fotografen greifen zwischenzeitlich lieber gleich eine Stufe höher zur Spiegelreflex- oder Systemkamera.

Dem Großteil dieser „Normalanwender“ dürfte die Leistung der neuen iSight des iPod touch genügen. Diese bietet mit fünf Megapixeln eine hinreichend große Auflösung, sie beherrscht HDR, Gesichtserkennung und Full-HD-Video. Getreu dem Motto – „Die beste Kamera ist die, die man immer dabei hat.“ – werden nicht weniger Anwender lieber zum neuen iPod touch greifen und die bisherige Digitalkamera in den verdienten Vorruhestand schicken.

Denn im Gegensatz zur Digicam kann ein iPod touch weitaus mehr – ist Spielkonsole, mobile Surfstation und kann dank Apps beliebig in der Funktionalität erweitert werden.

Ein Trend – letztlich getragen vom gesamten Smartphone-Markt – , den auch die traditionellen Kamerahersteller mittlerweile erkennen. So präsentierte Nikon mit der Coolpix S800c und Samsung mit der Galaxy Camera, Kompaktkameras mit Android. Man zäumt das Pferd von der anderen Seite auf, versucht bessere Optik mit der Flexibilität eines offenen Betriebssystems zu kombinieren.

Erfolgsaussichten: Apple im Vorteil

Meiner Meinung positioniert sich Apple mit dem neuen iPod touch dennoch zukünftig besser im Markt. Der hauchdünne und in zahlreichen Farben erhältliche touch entspricht eher dem Gedanken des digitalen Lifestyle, als denn eine knubbelige Kompaktkamera – aufgebohrt mit Android. Findige Extras wie die Halteschlaufe „Loop“ komplettieren Apples Anspruch, den Markt der digitalen Kompaktkameras umzukrempeln. Ich muss kein Prophet sein um folgendes Szenario zu erahnen: Zukünftig gerät ein ehemaliges Lifestyle-Produkt wie die IXUS von Canon zum reinen Nischenprodukt, äquivalent zur Negativ-Entwicklung der mobilen Spielkonsolen.

Schlusswort

Unzweifelhaft genießt das neue iPhone 5 derzeit die Aufmerksamkeit der Weltengemeinde, dabei ist es der neue iPod touch der still und leise ein weiteres Marktfeld für sich und Apple erobert. Dass er dabei im Schatten des iPhone steht muss uns nicht weiter stören. Understatement war schon immer die herausragende Tugend des kleinen Verwandten – ein sympathischer Wesenszug, wie ich finde. Mission accomplished.

Bildquelle Titel: Flickr, Autor aka Kath (Basis), Sven (Abwandlung); veröffentlicht jeweils unter CC BY 2.0. Produktbilder: Apple

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