Neuer iPod touch: Apple knausert beim Budget-Modell (Kommentar)

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Ohne viel Aufsehen präsentierte Apple am heutigen Tag einen „neuen“ iPod touch – wir berichteten. Dieses abgespeckte Modell ist ein hervorragendes Beispiel für die Kalkulationskünste Apples und wahrscheinlich auch das letzte Aufbegehren der Produktlinie.

Neuer iPod touch: Apple knausert beim Budget-Modell (Kommentar)

Man nehme einen aktuellen iPod touch der fünften Generation, entferne die rückwärtige Kamera (iSight), gebe diesem Modell nur 16 GB mit auf dem Weg und beschränke sich auf eine einzige Farbvariante – heraus kommt das Budget-Modell der Produktlinie. Bei genauerer Betrachtung jedoch ist der neue, preisgünstige iPod touch nicht wirklich ein Sonderangebot. Apple veranschlagt hierfür einen Preis von 239 Euro. Die weitaus besser ausgestatteten größeren Brüder schlagen mit 319 Euro (32 GB) und 419 Euro (64 GB) zu Buche. Scheinbar gilt für das Einstiegsmodell nicht die goldene 100-Euro-Abstandsregel.

Apples Gründe für die Preisgestaltung des iPod touch

Traditionsgemäß erhält man bei Apple die jeweils nächstgrößeren Modelle von iPod touch, iPhone und iPad für einen „bescheidenen“ Aufpreis von 100 Euro. Nicht so beim iPod touch. Das neue Modell kann weniger und besitzt einen Preisabstand von nur 80 Euro – offensichtlich kein allzu gutes Geschäft für den Kunden. Tatsächlich sprechen zwei Gründe für Apples neuerliches Kalkulations- und Ausstattungsschema.

1. Das Einstiegsmodell innerhalb einer Produktlinie bei Apple ist immer jenes mit der geringsten Marge für den Hersteller – es wird knapp kalkuliert. Dieser iPod touch bestimmt das Preisschema der nächsthöheren Modelle. Unproblematisch ist dies, wenn alle Varianten zur selben Zeit den Markt betreten. Nicht so beim aktuellen iPod touch der fünften Generation. Hier gab es zunächst nur die Modelle mit 32 GB und 64 GB. So betrachtet könnte Apple, dem Preisschema geschuldet, für diese Varianten theoretisch höhere Preise verlangen. Tut es aus nachvollziehbaren Gründen (mangelnde Erfolgsaussicht) aber nicht.

2. Der iPod touch der fünften Generation hatte und hat bisher ein Preisproblem. Wirklich günstig war der Media-Player zu Preisen ab 319 Euro nicht wirklich. Der Preisabstand zu iPhone 4 und iPhone 4S ist eigentlich zu gering. Ferner gesellte sich mit dem iPad mini noch ein weiterer, indirekter Gegenspieler hinzu. Ein vollausgestattetes Einstiegsmodell inklusive Rückkamera und Farbwahl würde die Absatzchancen der größeren Modelle schmerzlich beeinträchtigen. Aus betriebswirtschaftlichen Gründen muss deshalb das neue Budget-Modell auch bei der Ausstattung zurückstecken.

iPod touch: Auf dem Sterbebett

Diese neuerliche Vorgehensweise bei der Produktpositionierung unterstreicht erneut die brisante Situation des iPod touch. Ursprünglich war dieser die preisgünstigste Möglichkeit, ein iOS-Gerät zu besitzen. Ein iPhone war wesentlich teurer, auch und nicht zuletzt bezogen auf die Folgekosten. Heutzutage gilt diese Feststellung nicht mehr. Das iPhone ist ein Massenprodukt, wird in unterschiedlichen Preislagen angeboten und ist kein Luxusgegenstand mehr. Dies zeigt sich auch bei den Absatzzahlen. Im ersten Quartal 2013 errang der iPod touch nur noch acht Prozent Anteil an den verkauften iOS-Geräten – ein durchschlagender Erfolg schaut anders aus.

Langfristig dürfte sich der iPod touch damit überleben. Spätestens mit der Einführung eines potentiellen Billig-iPhones werden die Absatzchancen eine kritische Größe erreichen. Gut möglich, dass Apple dann den iPod touch aus dem Programm nimmt. Irgendwie schade, aber letztlich nur konsequent.

Bildquelle: Apple und economy class von shutterstock.

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