Jabra Elite Sport im Test: Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer fürs Zirkeltraining

Stefan Bubeck

„Die technisch fortschrittlichsten, wirklich kabellosen Sport Earbuds“ – so die Beschreibung auf der Packung der Jabra Elite Sport. Im Test zeigen sie auf beeindruckende Weise, was heutzutage technisch möglich ist – aber auch, dass hier mal wieder der Akku die Grenzen setzt.

Jabra Elite Sport im Test: Bluetooth-In-Ear-Kopfhörer fürs Zirkeltraining

Die Marke Jabra hat im Mainstream vermutlich nicht den Bekanntsheitsgrad ihrer Marktbegleiter – beim Begriff „Kopfhörer“ denken die meisten Kunden eher an Beats, Sennheiser, Sony oder Bose. Ganz anders sieht es im Business-Bereich aus: Hier steht der Name Jabra längst für qualitativ hochwertige Headsets, die auch anspruchsvollen „Kampftagen“ im Büro standhalten. Der Elite Sport ist nicht der erste Sportkopfhörer des in Kopenhagen (Dänemark) ansässigen Unternehmens, aber der erste in dieser komplett kabellosen Bauweise. Schafft es der Headset-Spezialist, sein Know-How zusammen mit Hifi-Qualitäten auf kleinsten Raum zu packen?

Jabra Elite Sport im Test: Tragekomfort

Die ebenso komplett kabellosen Apple Airpods mussten im Vorfeld ihrer Vorstellung einiges an Kritik für ihr Design über sich ergehen lassen. Wie der Kollege Sebastian Trepesch dann im Test festgestellt hat, fallen die kabellosen Earbuds doch nicht so leicht aus den Ohren heraus, wie so manch einer befürchtet hat. Sein Fazit: „Die AirPods sitzen gut, sind leicht und wenig spürbar. Da hat Apple gute Arbeit geleistet.“ Jabra hat sich preislich mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 249 Euro noch oberhalb der bereits hochpreisigen Airpods platziert. Da ist eine der ersten Fragen natürlich, ob die Hightech-Stöpsel auch perfekt sitzen.

 

424
Jabra Elite Sport: So findet man den besten Sitz (Englisch)

Die Antwort lautet: Ja, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt. In der Verpackung befinden sich neben dem Lade- und Transport-Case nämlich auch drei Silikon-Passstücke, drei Memory-Schaum-Seals und drei sogenannte „Ear-Wings“ – es gibt also vielfältige Kombinationsmöglichkeiten, um die ideale Passform zu ermitteln. Der Autor war mit den mittleren Memory-Schaum-Stöpseln und den Earwings ohne Seitenlasche zufrieden. Die Jabra Elite Sport saßen absolut sicher und drückten nach einem Tag Eingewöhnung auch nicht. Allerdings ist es kaum auszuschließen, dass es nicht doch einzelne Menschen gibt, bei denen diese Art kabelloser Kopfhörer einfach nicht drin bleiben will. Für alle anderen gilt: Jabra hat sehr gute Arbeit geleistet, die In-Ears lassen sich durchaus einige Stunden tragen.

Mit je 6,5 Gramm Gewicht sind die In-Ears nicht sonderlich schwer, schon gar nicht im Anbetracht der verbauten Technik. Durch ihr vergleichsweise geringeres Gehäusevolumen lassen sie den Mitbewerber Bose Soundsport Wireless ganz schön klobig aussehen: Die Bose-Stöpsel ragen deutlich hervor, da halten sich die Elite Sport sehr zurück. Schaut in die Bildergalerie – dann könnt ihr selbst ein Urteil fällen. Die Bilder zum Soundport Wireless findet ihr hier: Bose Soundsport Wireless im Test: Klangvoller Trainingspartner

Bildergalerie Jabra Elite Sport Kopfhörer

Was in Sachen Tragekomfort etwas mehr Gewöhnung einfordert, ist die sehr starke klangliche Isolation der Elite Sport. Die ohrabschließende Bauweise sorgt dafür, dass man kaum noch Außengeräusche wahrnimmt, vor allem in Kombination mit den Memory-Schaum-Seals. Wo bei anderen In-Ears die Kabelgeräusche nerven können, bekommt man hier aufgrund der Abschirmung stattdessen Schrittgeräusche und sogar den eigenen Pulsschlag zu hören – zum Glück nimmt man das beim Training und laufender Musik nicht mehr wahr.

Schnelle Abhilfe schafft der Hear-Through-Modus, der auf Knopfdruck den Umgebungsschall von den Mikrophonen zum Hörer durchstellt – was allerdings bei weitem nicht so natürlich klingt, wie tatsächlich freie Ohren zu haben.

Jabra Elite Sport im Test: Funktionen

Beim Funktionsumfang spielt Jabra die Trumpfkarte aus, denn der Elite Sport entpuppt sich als umfangreich ausgerüsteter Trainingspartner. Der integrierte Pulsmesser zeigte im Vergleich mit einem medizinischen Blutdruckmessgerät von Beurer keine nennenswerte Abweichung, wir deuten das als gutes Zeichen im Sinne der Präzision.

Jabra Sport Life
Entwickler:
Preis: Free

Jabra Sport Life
Entwickler: Jabra by GN Netcom
Preis: Free

Wer sich für den Jabra Elite Sport interessiert, sollte dringend einen ausführlichen Blick auf die dazugehörige Fitness-App „Jabra Sport Life“ werfen. Wie bei vielen Gadgets gilt auch hier: Die Software ist entscheidend. In diesem Fall ein klarer Pluspunkt für den Elite Sport, denn Jabra Sport Life bietet einen großen Funktionsumfang an. Planung, Durchführung, Überwachung und Auswertung – die App ist ein vollwertiger Begleiter. Ob Laufen oder Crosstraining, wir waren im Test zufrieden – da könnte sogar so manches Fitnessarmband überflüssig werden. Da der Elite Sport wasserdicht (bis 1 Meter) und schweißresistent ist, ist auch Joggen bei Regenwetter oder Hitze kein Problem.

Nur ein einziges Mal wollte der integrierte 3-Achsen-Beschleunigungssensor einfach nicht die Kniebeugen und Liegestütze mitzählen, trotz korrekter Ausführung und Neustart des Trainings. Erneutes Bluetooth-Pairing der Kopfhörer mit dem Smartphone brachte Abhilfe, wir konnten den Fehler im Testzeitraum dann nicht mehr nachstellen.

77
Anleitung für Jabra Sport Life (Englisch)

Mit gut ertastbaren Druckknöpfen auf beiden Ohrstücken lassen sich Anrufe, Musik und Sport-Tracking steuern. Was uns nicht so ganz gefallen hat, ist der feste Druckpunkt der Buttons – so drückt man sich die Pfropfen unfreiwillig tiefer ins Ohr, was zuweilen etwas unangenehm ist. Ein leichtes Antippen oder sogar Touch-Funktionen wie beim Samsung Gear Icon X, das wäre uns hier lieber gewesen.

Der integrierte Akku bietet laut Jabra bis zu 3 Stunden Dauerwiedergabe – wir können diesen Wert bestätigen. Das kompakte Ladecase bietet Energie für zwei weitere Aufladungen. So kommt man unterwegs auf bis zu 9 Stunden Wiedergabe, allerdings mit zwei Ladepausen. Ein kompletter Marathon ist also eher nicht drin, der Elite Sport zielt demnach auf das Training im Fitnessstudio oder die abendliche Joggingrunde ab.

Jabra Elite Sport im Test: Klang

Der Elite Sport hat einen weitestgehend ordentlichen Sound, mit druckvollem Bass und angenehmen Höhen. Leider fehlt es an Klarheit, der Vegleich mit dem günstigen kabelgebundenen In-Ear Noontec Rio S (Test) zeigt, dass dieser eine transparentere Darbietung abliefert. Auch der Bose Soundsport Wireless kann sich klar absetzen, er besitzt den weiteren, spielfreudigeren Sound.

Für audiophile Feinschmecker ist der Jabra nicht geeignet, aber das muss er vielleicht auch gar nicht sein – während dem Training achtet man auf die Sprachanweisungen der Jabra Sport Life App und quält sich durch das „Fat-Burner-Programm“, statt kritisch-konzentriert einer Violine zu lauschen.

An der Klangqualität bei Anrufen können wir nichts beanstanden, beide Gesprächspartner verstehen sich deutlich und ohne Schwierigkeiten. Hier spielt das Unternehmen Jabra offenbar seine Expertise im Business-Headset-Bereich aus.

Wir meinen: Für einen komplett kabellosen Kopfhörer klingt der Elite Sport beachtlich, aber mit einem kabelgebundenen In-Ear derselben Preisklasse sollte er sich auf keinen Fall messen, da wird er den Kürzeren ziehen. Wir werden wohl noch einige Produktgenerationen abwarten müssen, bis komplett kabellose und kompakte Earbuds hier ein höheres Niveau erreichen.

Fazit: Starker Auftritt mit Ausdauerschwäche

Der Feature- und Funktionsumfang des Elite Sport ist enorm: Absolut kabellos, leicht, kompakt, wasserdicht, integrierter Herzfrequenzmesser, Bewegungszähler – da können die meisten Mitbewerber nicht mithalten. Die Verarbeitung des Kopfhörers und des dazugehörigen Lade-Case ist erstklassig. Als ob das nicht schon gut genug wäre, stellt Jabra dem Elite Sport mit „Sport Life“ auch noch eine Fitness-App an die Seite, die kaum Wünsche offen lässt.

Trotzdem möchten wir den Elite Sport nicht pauschal empfehlen. Zum einen ist da die Soundqualität beim Musik hören, die anspruchsvolle Ohren nicht rundum überzeugen kann. Zum anderen schränkt die Akkulaufzeit von drei Stunden pro Ladung den Einsatzbereich etwas ein – da wäre etwas mehr Ausdauer schön gewesen. In diesem Bereich ist Apple mit den AirPods derzeit führend (rund 5 Stunden), allerdings sind diese längst nicht so umfangreich ausgestattet.

Eine High-Tech-Fusion aus Kopfhörer und Fitness-Armband, ganz ohne Kabel: Wer genau darauf gewartet hat und mit den genannten Schwächen leben kann, bekommt mit dem Jabra Elite Sport eine gute Lösung geliefert.

jabra-elite-sport-kopfhoerer-testsiegel-wertung-badge

Einzelwertung für den Jabra Elite Sport:

  • Klang: 70 Prozent
  • Tragekomfort: 75 Prozent
  • Hardware, Design & Funktionen: 90 Prozent
  • Akku: 65 Prozent

Gesamt: 73 Prozent (der Klang bildet 50 Prozent der Gesamtnote)

Vorteile

  • beeindruckende Funktionsvielfalt und gute Verarbeitung
  • tolle passende Fitness-App

Nachteile

  • Klang etwas zu matt
  • Akkulaufzeit schränkt Ausdauersportler ein

bewertete "
Jabra Elite Sport
" mit
73 von 100 Punkten
(23. Februar 2017)

Neue Artikel von GIGA TECH