Libratone Q Adapt In-Ear im Test: Noise Cancelling in kleinen Ohrstöpseln

Sebastian Trepesch

In-Ear-Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling sind eine Seltenheit – der Libratone Q Adapt gehört zu der Spezies. Warum er gerade dank Lightning-Anschluss auftrumpft, lest ihr hier in unserem Test.

Spätestens beim klassischen Backpacking-Urlaub muss der große Over-Ear-Kopfhörer zu Hause bleiben – selbst wenn das Zusatzgewicht noch verkraftbar wäre, sie nehmen einfach zu viel Platz im Gepäck weg. Auf den Komfort von Geräuschreduzierung muss man auf dem Flug dann verzichten.

Für den Libratone Q Adapt In-Ear ist hingegen in jedem Gepäck Platz: Es handelt sich um einen In-Ear-Kopfhörer mit aktivem Noise Cancelling. Nicht zu verwechseln mit dem Libratone Q Adapt On-Ear (Test), ebenfalls mit Noise Cancelling.

Wer zum Musikhören ein Smartphone oder Musikspieler ohne Lightning-Anschluss nutzt, braucht gar nicht erst weiterlesen: Der Q Adapt In-Ear lässt sich dank Lightning-Stecker nur an iPhones, iPads und iPods mit dem proprietären Apple-Port anschließen. Es muss nicht gleich ein iPhone 7 ohne Kopfhöreranschluss sein, es kann sich genauso um ein iPhone 5s handeln.

Q Adapt In-Ear im Test: Steckerfrage Lightning

Das Lightning-Konzept hat Vor- und Nachteile. Selbsterklärend ist, dass man während des Musikhörens das iPhone nicht an ein Netzteil anschließen kann. Das Gerät sollte vor langen Musiksessions also halbwegs geladen sein.

Dafür bekommt der Kopfhörer vom iPhone ein digitales Signal – qualitativ sind dem D/A-Wandler des Kopfhörers quasi keine Grenzen gesetzt. Zudem kann der Anschluss den Kopfhörer mit Strom versorgen.

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Noise Cancelling des Q Adapt: Ruhe – oder nicht

Genau das nutzt der Q Adapt In-Ear: die Stromversorgung ermöglicht aktive Geräuschunterdrückung, ohne dass ein Akku in den Hörern (bei In-Ear-Kopfhörern meist in einer unpraktischen Steuerbox am Ende des Kabels) integriert ist. Die Laufzeit beträgt am iPhone 6 laut Hersteller 25 Stunden bei Musikwiedergabe, 50 Stunden ohne (also nur Noise Cancelling). In der Praxis, im Normalbetrieb des iPhones, ist der zusätzliche Verbrauch bedingt merkbar.

Wie schon bei dem Q Adapt On-Ear liefert Libratone eine starke Geräuschunterdrückung. Im ICE werden die gleichförmigen Fahrgeräusche sehr gut herausgefiltert – in Verbindung mit von den Hörern verschlossenen Ohrgängen ähnlich wie es der Sony MDR-1000X (Testsieger im Over-Ear-Vergleich) leistet. Auch beim Q Adapt hört man ein leises Rauschen bei eingeschaltetem Noise Cancelling, das während einer Fahrt aber nicht stört. Der Kopfhörer bietet drei Intensitätsstufen – von maximaler Unterdrückung bis hin zum aktiven Durchstellen der Geräusche.

Libratone hat hier sehr gute Arbeit geleistet.

Der Klang des Q Adapt In-Ear im Test

Etwas Nachholbedarf hat der Q Adapt In-Ear im Klang. Keine Frage, der Q Adapt spielt auf hohem Niveau, das hört man ihm an. Hauptverantwortlich sind hierfür 11,9-Millimeter-Treiber. Insgesamt ist der Sound kräftig, laut kann der Kopfhörer auch. Schließen die Ohrpassstücke den Gehörgang ab, sind die Bässe aber etwas überdimensioniert, der Klang in den Tiefen recht dick. Das wirkt sich nicht unbedingt positiv auf die Klarheit aus. Zudem würden ein wenig mehr glitzernde Höhen nicht schaden.

Wer den Klang anpassen möchte, kann dies über die Hersteller-App, die aber unverständlicher Weise ein Nutzerkonto verlangt. Das Noise-Cancelling wirkt sich – abgesehen von dem bereits erwähnten leichten Rauschen – nicht negativ auf den Klang aus.

Hardware & Ohrstöpsel: Was nicht passt, wird passend?

Die Verarbeitung von Hörern (in den iPhone-Farben wählbar), Anschlusskabel und Fernbedienung ist sehr gut – das erwartet man von einem ja auch. Unbefriedigend ist aber die Kabelstrecke zwischen Fernbedienung und Hörer: Berührungsgeräusche fallen – wie bei vielen, aber nicht allen Kabelkopfhörern so extrem – sehr deutlich aus. Gut gelöst: Das Mikrofon für die Headset-Funktion baumelt nicht irgendwo unten an der Fernbedienung, sondern sitzt knapp unter Mundhöhe.

Die Form der Hörer ist ungewöhnlich, die der Ohrpfropfen ebenfalls. In der ersten Charge hat Libratone drei unterschiedliche Größen ausgeliefert, mittlerweile sind es sechs unterschiedliche Passstücke in zwei verschiedenen Formen. (Vorbildlicher Service: Wer die erste Lieferung besitzt, bekommt die zusätzlichen vom Kundendienst des Herstellers kostenlos nachgeliefert.) Damit soll möglichst für jedes Ohr ein passender Aufsatz verfügbar sein. In der Praxis können Wahl des „Ear tip“ sowie das Einsetzen in das Ohr trotzdem noch umständlicher als bei Modellen im klassischen Design sein. Wie wir in der Redaktion die Erfahrung gemacht haben, passt trotz der vielen Aufsätze nicht jedem der Q Adapt, sitzt nicht bequem oder nicht sicher im Ohr – Ausprobieren heißt die Devise.

Libratone Q Adapt In-Ear im Test: Fazit

Für einen In-Ear-Kopfhörer bietet der Q Adapt In-Ear hohe Klangqualität und kräftigen Sound, die warme Abstimmung macht aber vor allem den Bassbereich etwas zu undurchsichtig. Und trotzdem: Das starke Noise Cancelling lässt ihn zum gern eingepackten, sehr kompakten Reisebegleiter werden.

Ob er gut und und lange bequem sitzt, das muss jedes Ohr für sich selbst entscheiden – er ist eigenwillig. Neben den Kabelgeräuschen ein Grund, ihn nicht zum Joggen verwenden zu können.

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Kopfhörer-Guide im Video

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Einzelwertung für den Q Adapt In-Ear:

  • Klang: 80 Prozent
  • Tragekomfort & Nebengeräusche: 45 Prozent
  • Hardware & Funktionen: 90 Prozent

Gesamt: 74 Prozent
Der Klang bildet 50 Prozent der Gesamtnote

Zum Thema:

bewertete "
Libratone Q Adapt In-Ear
" mit
74 von 100 Punkten
(08. Februar 2017)