Comics und Comicverfilmungen - Ein Interview mit einem Experten

Tobias Heidemann
6

Comic-Helden. Einst waren ihre Abenteuer einer erlesenen Fangemeinde vorbehalten – heute präsentiert Hollywood ihre Geschichte einem Millionenpublikum Batman, “Spiderman”, “Thor” & Co sind zum Mega-Event mutiert und dominieren weltweit die Kinocharts. Doch wie steht es eigentlich um die Sprechblasenwelt aus der sie kamen? Was denkt die Comicszene über den Aufstieg der Superhelden? Wir haben jemanden gefragt, der es wissen sollte.Ein Interview mit dem Besitzer des US-Comic-Store Black Dog.

Comics und Comicverfilmungen - Ein Interview mit einem Experten

Man hört ihn immer wieder, diesen blöden Satz. Vielleicht fällt er schon während des Films in der Reihe hinter dir. Ganz sicher aber beim Verlassen des Kinos. Irgendein neunmalkluger Schlaumeier gibt ihn aber immer zum Besten. Garantiert. Er lautet: “Der Comic ist aber vieeeeel besser als der Film”.


Ich hörte diesen Satz in den 90ern zum ersten Mal, als ich gerade nachhaltig verstört aus Rachel Talalays furchtbarer Verfilmung von “Tank Girl” taumelte. Ein comic-belesener Freund verlor sich nach dem Genuss des Films in einer nicht enden wollenden Lobeshymne auf Jamie Hewletts and Alan Martins britische Comicserie und darüber, wie schlecht Hollywoods Adaption doch geworden sei. Einige miserable Comicverfilmungen später – ich glaube es waren “The Phantom”, “Spawn” und “Barb Wire” – hatte ich dann endgültig die Schnauze voll von der ewigen Besserwisserei des besagten Bekannten. Ich wollte es selber besser wissen und betrat die Comicwelt.

Heute hört man mich diesen Satz ständig sagen. Was im Übrigen daran liegt, dass er in den meisten Fällen der Wahrheit entspricht. “From Hell”, “Daredevil”, “Constantine” – wer die gedruckten Originale kennt, leidet mit mir. Einen wesentlichen Beitrag zu meiner klugscheißenden Verwandlung hat der Berliner US-Comic-Store Black Dog beigetragen.


In der Rodenbergstraße 9 finden Comicfans und jene, die es werden wollen, alles, was das Geekherz so begehrt. Hier falle ich regelmäßig ein, um mich von Mitinhaber und Comic-Kenner Patrick Lafos über den aktuellen Stand der Dinge bei Marvel, DC, Dark Horse, Image, Vertigo und wie sie alle heißen informieren zu lassen. Eine Erfahrung, die ich GIGA natürlich nicht vorenthalten möchte.

Herr Lafos, es dürfte nicht wenige Menschen geben, die bei der Berufsbezeichnung “Comicladen-Besitzer” sofort an den vollschlanken Ober-Nerd aus den Simpsons denken – ein besessener Sammler ohne Freunde, der in seiner Freizeit den Herrn der Ringe ins Klingonische übersetzt. Können sie uns vom Gegenteil überzeugen?

Ich werd’s zu mindestens versuchen, obwohl ja der Nerd (oder Geek) inzwischen absolut in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein scheint. Biographisch deutete sich das schon früh an; Commodore 128 zur Kommunion geschenkt bekommen, Herr der Ringe als Teenager bereits dreimal gelesen, Rollenspiele mit den anderen Langhaarigen aus der Klasse gespielt, Bart Simpson Statue aufm Schrank… doch dann kam die Pubertät! Plötzlich wurde nur noch Free Jazz gehört, Kafka und Frisch drängten Kaiser Retos Waffenkammer aus dem Regal und statt Lambrusco gab’s nur noch alten schottischen Whisky. Zum Glück hab ich das nicht lange durchgehalten und heute kann ich mich ohne schlechtes Gewissen mit Popkultur in all ihren Ausprägungen beschäftigen; beruflich sozusagen. Richtig schlank bin ich übrigens wirklich nicht.

Wie kommt man eigentlich dazu, sein Geld mit Comics zu verdienen?

Wenn ich hier das Beispiel sein soll, dann müsst ihr erst mal jahrelang Politik- und Religionswissenschaften studieren. Das ist absolut notwendig.

Woher stammt der Name Black Dog?

Da muss ich mal meine Kollegen fragen. Moment… nee wissen die auch nicht mehr; wird wohl was mit ´nem Hund zu tun haben; oder doch mit Led Zeppelin?

Der Comicleser ist kaum weniger mit Klischees beladen. Bis tief in die 90er sah man Comics in Deutschland zum Beispiel vornehmlich als lustige Bilderbücher für Kinder. Selbst heute hat die Leserschaft noch gegen den Vorwurf des Trivialen zu kämpfen. Wie sieht er denn nun aus, der durchschnittliche Comic-Fan?

Wie ich? Oder wie du? Nein ernsthaft, unsere Kunden kommen aus allen Schichten und Spalten der Gesellschaft; der Männeranteil ist zugegebenermaßen recht hoch und es sind auch (fast) keine Minderjährigen dabei. US-Comics sind eben kein Hobby, das einem einfach so zufällt; Im Normalfall dauert es ein paar Jahre, bis der interessierte Comicleser merkt, dass diese Übersetzungen wirklich nur schlechter Ersatz für die Originale sind; die meisten unserer Kunden haben die 30 also schon hinter sich gelassen.


Können sie sagen, welcher Comic derzeit bei den Fans am beliebtesten ist?

Klar: das ist jetzt auch nicht so überraschend, unsere drei beliebtesten Serien sind FF (das sind die Fantastic Four ohne Johnny Storm, the Human Torch – der ist (im Moment) tot), Detective Comics (die originale Batman Serie) und Amazing Spiderman.

Neue Artikel von GIGA FILM

GIGA Marktplatz