Miniaturisierung um jeden Preis

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Mit dem iPhone hat Apple aller Welt bewiesen, dass sich ausgesprochen viel in ein Smartphone integrieren lässt, die Bedienung aber dennoch einfach bleiben kann. Beim iPad wiederum handelt es sich um Apples beeindruckenden Versuch, ausgewachsene Computer aufs Wesentliche zu reduzieren. Wie weit kann eine Miniaturisierung aber gehen, damit sie nicht zum Selbstzweck wird?

Immer größere Bildschirme, immer kleinere Lautsprecher
Die Größe der Fernseher verhält sich umgekehrt proportional zur Größe der Lautsprecher. Angestoßen hat diese Fehlentwicklung vielleicht das MP3-Format, das es erstmals ermöglichte, größere digitale Musikbibliotheken über das Internet auszutauschen und mittels Abspielgeräten wie dem iPod komfortabel zu transportieren. Leider war das hervorstechende Merkmal dieser Musikformate nicht die Qualität, sondern der praktische Nutzen. Ergeben hat sich daraus eine zunehmende Reduzierung der Lautsprechergröße, denn wie der iPod selbst sind auch die zum iPod passenden Lautsprechersysteme überwiegend klein. Stereoanlagen verschwanden aus den Haushalten und wurden durch Kleinstsysteme auf iPod-Basis ersetzt. Das Resultat sind auf diese Geräte hin optimierte Aufnahmen, die auf großen Lautsprechern wie Krach klingen. Insgesamt blieb bei dieser Miniaturisierung die Qualität auf der Strecke.

Immer größere Dateien, immer weniger Platz
Wer Filme sammelt, kann von zahlreichen Qualen berichten. Da wären beispielsweise die rechtlichen Qualen, die es von Anfang an erschweren sollen, Kopien auch legal erworbener Bildträger anzufertigen, die aber beispielsweise in vielen Fällen keine Untertitel zum Mitlesen in der Originalsprache der Originalversion enthalten, so dass man diese andernorts suchen und anpassen muss. Da wären außerdem die Qualen der Recherche, denn viele Filme sind nur in bestimmten Ländern auf Medien erhältlich, deren Abspielen aufgrund von Regionalcodes zu weiteren Problemen führen. Die größte Qual ist aber die Archivierung all dessen, was angesammelt wurde, sei es nur durch Aufzeichnen per EyeTV. Eine einzige auf BBC HD aufgenommene Folge der britischen Wallander-Neuverfilmung frisst schon zehn Gigabyte Festplattenplatz, die Bildqualität ist dafür aber optimal. Sobald diese Formate aus Platzgründen konvertiert werden, verlieren sie an Qualität. Behält man sie jedoch im Originalformat, werden mit der Zeit riesige Festplattengrößen erforderlich, die sich nur selten in Macs finden und extern gesucht werden müssen. Hier steht die Miniaturisierung multimedialen Bedürfnissen entgegen.

Immer mehr Leistungshunger, immer weniger Ressourcen
Die maximalen Hauptspeichergrößen bei allen Macs (8-16 GB) außer dem stationären Pro (64 GB) sind nicht gerade großzügig dimensioniert, so dass die Mehrzahl der Computer des Apple-Sortiments vor allem für Privatpersonen optimiert ist. Schlimmer noch, läuft Snow Leopard als 64-Bit-System, sind Speichergrößen selbst oberhalb zehn Gigabyte schnell zu wenig, müssen doch auch Bibliotheken für 32-Bit-Anwendungen noch zusätzlich geladen werden. Im Grafikbereich wiederum fressen immer hungriger werdende Spiele GPU-Leistung zum Frühstück, die gerade beim Mac selten dem Marktangebot folgt. Aber auch der multimediale Einsatz erfordert für HD-Material schon einen aktuelleren Mac mini, soll die Nutzung noch Spaß machen und nicht von unregelmäßig auftretenden Leistungsmängeln beeinträchtigt werden. Insgesamt hinkt hier der Wunsch nach Kleinheit dem Bedarf an Leistung permanent hinterher, während eine von Apple nicht wirklich von ganzem Herzen unterstützte Lösung wie der Mac Pro weder einer fortwährend leistungshungrigen noch einer auf Miniaturisierung bedachten Zielgruppe jemals gerecht werden kann.

Immer mehr Mobilität, immer weniger Netzanschlüsse
Der Preis der Mobilität lautet Akku – und ein Akku, der hat seinen Dauerhunger nach Energie. Kaum etwas beim iPad oder iPhone ist so nervtötend wie der oftmalige Hinweis, dass jetzt nur noch zwanzig oder zehn Prozent an Reststrom zur Verfügung stehen. Der tägliche Gang zum Ladekabel ist für Apples iDevices kaum zu vermeiden, jedenfalls nicht, wenn man die Geräte auch wirklich nutzt. Auch beim iPad 2 lautete die Vorgabe Miniaturisierung und Leistungssteigerung, nicht aber Verlängerung der Laufzeit. Und dabei sind Apples Ladegeräte längst nicht die einzigen, die einem zunehmend zur Last werden. Steckdosen und Schubladen sind voll von Netzteilen für alle nur erdenklichen elektrischen Gehilfen. Hier führt die Miniaturisierung nur zu einem vermeintlichen Komfortgewinn, da es für das Problem des Strombedarfs bislang keine elegante und universelle Lösung gibt.

Fazit
Auf Apples WWW-Seiten fehlen die Kabel in den Abbildungen auffällig oft. Es gibt sie aber ziemlich zahlreich, denn Apple tut uns nicht ausschließlich einen Gefallen damit, alles fortwährend kleiner werden zu lassen. Immer mehr muss ausgelagert und viel zu oft noch per Kabel miteinander verbunden werden. Auch haben Streaming und Miniaturisierung ihre Grenzen, ganz gleich, was bestimmte Werbungen uns vormachen wollen. Und gute Lautsprecher sind unweigerlich große Lautsprecher, während kleine Lautsprecher, die große nachzuahmen suchen, nicht viel besser sind als kleine Hunde, die wie große bellen wollen. Keine Frage, vermarkten lassen sich große Computer wie der Mac Pro schlechter als kleine Computer wie der Mac mini. Manchmal kommt mit der Größe nicht nur mehr Leistung, sondern auch mehr Komfort, Stabilität, Solidität und Wartungsfreundlichkeit. Die auch von Apple mitgetragene Strategie der Miniaturisierung um jeden Preis ist daher ein fragwürdiger Ansatz.

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