Mac Pro 2012: Benötigt ihn Apple noch?

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Es ist still geworden um das prozessorgewaltige Schlachtschiff von Apple. Der letzte Stapellauf des Mac Pro erfolgte einst am 27. Juli 2010 – 652 Tage sind seitdem vergangen, ein neuer Laufzeitrekord in der jüngsten Apple-Geschichte. Professionelle Anwender fragen sich daher beunruhigt: Quo vadis Apple?

Mac Pro 2012: Benötigt ihn Apple noch?

Liebe Kinder, lasst euch sagen: Apple war ehemals eine reine Computerfirma, stolz trug man diese Bestimmung im Namen des Unternehmens. Doch Apple Computer ist Geschichte, seit 2007 firmiert man im Zeichen der Vereinfachung und Produktausrichtung allein unter Apple Inc. Heutzutage bestimmen iPhone und iPad die jährlichen Quartalszahlen, Verkaufsrekorde werden unentwegt gebrochen und der Mac verliert an Bedeutung im Portfolio-Mix – trotz leichten Wachstums. Schaut man genauer hin, dann sind es vor allem die Desktop-Rechner, die für Apple und die Anwender an Attraktivität verlieren. Die MacBooks hingegen erfreuen sich am gewachsenen Zuspruch.

Freilich veröffentlicht Apple keine konkreten Zahlen zu den Modellreihen, es liegt jedoch auf der Hand, dass der teuerste und nunmehr älteste Rechner im Angebot den unrühmlich letzten Platz für sich beanspruchen dürfte.

Der Mac Pro wirkt in seiner Aufmachung wie ein Dinosaurier: Groß, mächtig und in erster Linie sehr kostenintensiv. Dabei jedoch offen und flexibel für allerlei Erweiterungen wie kein anderer Mac. Festplatten lassen sich so im Handumdrehen hinzufügen, desgleichen der Arbeitsspeicher, Grafik- und Schnittstellenkarten. Er ist wahrlich der letzte, verbliebene „PC“ klassischer Ausführung im Mac-Universum und vielleicht auch deshalb dem baldigen Untergang geweiht.

Geschichtskunde: Mac Pro und Co

Die Ursprünge des Mac Pro gehen zurück bis ins Jahr 1987. Damals wurde der Macintosh II der Weltöffentlichkeit vorgestellt. Er war der erste, modular aufgebaute Mac – Erweiterungssteckplätze (NuBus), SCSI-Festplatten und der Anschluss von mehr als nur einem Monitor kamen einer Revolution gleich. Ein mächtiges Werkzeug für professionelle Anwender im realen Gegenwert eines gut ausgestatteten Kleinwagens. In erster Linie die aufkeimende DTP-Industrie (Desktop-Publishing) war entzückt und griff zu.

Dem folgte eine gleichnamige Serie und mit den Quadra-Modellen ab 1991 auch die erste Entsprechung im Tower-Gehäuse. Mit der Umstellung auf den PowerPC im Jahr 1994 durften sich die modularen Rechner erstmals Power Mac nennen. Der letzte von ihnen (Power Mac G5) führte 2003 dass noch heute aktuelle Design des Mac Pro ein, der wiederum erstmals 2006 im Zuge des Wechsels auf die Intel-Architektur vorgestellt wurde.

Betrachtet man die Laufzeitzyklen der letzten Jahre, fällt auf, dass Apple sich mit der Aktualisierung des einstigen Flaggschiffs immer mehr Zeit lässt. Bis 2008 erfolgten Updates noch regelmäßig und im Jahresturnus. Danach erhöhten sich die Laufzeiten signifikant und stetig – der „aktuelle“ Mac Pro hat schon annähernd zwei Jahre auf dem Buckel. Apple unternimmt auch derzeit keine Anstalten, die auf ein baldiges Update hinweisen. Zwar gibt es immer wieder mal Berichte über potentielle Prozessoroptionen (Intel Xeon E5) und Grafikkarten, einen neuen Mac Pro blieb uns Apple allerdings bis heute schuldig.

Unabhängig davon, stellt sich mittlerweile die Frage: Benötigt Apple 2012 noch einen Mac Pro im Portfolio?

Contra: Vergiss den Mac Pro...

Hand auf Herz: Für die meisten Anwendungen bedarf es in diesen Tagen keines Mac Pro. Die Leistung der Dual- und Quad-Core-Prozessoren von MacBook Pro und iMac genügen den Programmen vollständig. DTP, Bildbearbeitung und was sonst noch anfällt gelingt auch mit den wesentlich preiswerteren Rechnermodellen. Allein bei Video- und 3D-Arbeiten mag man – sofern auch alle Prozessoren und Kerne genutzt werden können – die geballte Rechenkraft eines Mac Pro herbeisehnen.

Bliebe noch der modulare Ansatz als Existenzberechtigung übrig, sprich die Erweiterbarkeit und die Freiheit bei der Wahl des Displays. Gegenargument: Mit Thunderbolt verbaut Apple eine Schnittstelle in den aktuellen Macs (mit Ausnahme des Mac Pro), deren Potential noch nicht mal annähernd ausgereizt ist. Letztlich empfiehlt sich Thunderbolt nicht nur für schnelle, externe Festplatten und RAID-Systeme, sondern mittlerweile auch für PCI-Express-Cards, die bisher nur im Mac Pro Verwendung fanden – hier zu nennen die Modelle von Sonnet oder die Magma ExpressBox 3T. Weitere Lösungen wie zum Beispiel externe Grafikkarten werden sicherlich zukünftig folgen.

Zwar müssen solche Adapterlösungen zunächst wieder separat erworben werden, dagegen ist dieser Ansatz noch weitaus modularer als der Mac Pro selbst, bei dem die integrierte Erweiterungsfähigkeit immer zwangsweise und teuer miterworben werden muss.

Sollte Apple des Weiteren tatsächlich diesen Sommer einen iMac mit einem blendfreien Display vorstellen, dürften auch die letzten Kritiker verstummen und den Mac Pro kaum noch eine Träne nachweinen.

Der Wegfall des Mac Pro passt so betrachtet ins Konzept, denn vom professionellen Markt hat sich Apple nach Ansicht vieler Anwender längst verabschiedet. Zuletzt bewies der Hersteller dies mit der viel kritisierten Umstellung von Final Cut Pro auf Final Cut Pro X, bei der zunächst viele Features wie Multicam-Schnitt und Co nicht übernommen worden und erst später per Update wieder Einzug hielten.

Doch kann Apple es sich tatsächlich leisten, seine bisher treuesten Kunden aus vergangene Tagen so im Regen stehen zu lassen?

Pro: Vergiss mein nicht...

Zugegeben: Der Mac Pro ist kein Produkt für die Masse, das Wachstumspotential in Anbetracht der annehmbaren Leistungsfähigkeit preiswerterer Systeme zu vernachlässigen und das Hauptgeschäft macht der kalifornische Hersteller mittlerweile mit den iGadgets. Für Apple als Firma ist ein solcher Rechner wie der Mac Pro somit nicht mehr wirklich überlebensnotwendig. Die langjährigen Nutzer der ersten Stunde sehen dies freilich anders und fühlen sich im aktuellen Status quo verloren.

Für sie ist der Mac Pro noch immer ein leistungsfähiges Werkzeug und eben keine reine Spielerei. Wer mehrere tausend Euro für ein solches Monstrum ausgibt, kann dies nur tun, wenn das Geld gut angelegt ist und sich die Investition durch Mehreinnahmen rentiert. Auch wenn zuletzt diese spezielle Anwendergruppe wirtschaftlich für den Mac-Hersteller an Bedeutung verliert, kann es sich Apple eben nicht leisten, die Speerspitze der Nutzerschaft im bunten iKinderland zurückzulassen.

Sie sind das Sahnehäubchen auf dem schmackhaften Apfelkuchen, das Aushängeschild für die ursprüngliche Idee Apples – die wahren Apple Masters. Für diese Schar der Kreativen ist der streng modulare Ansatz des Mac Pro entscheidend, gleichfalls das Quäntchen mehr an Leistung. Gleich ob es sich um 3D-Designer, Hollywood-Cutter oder Meister der Audiospuren handelt.

Fazit

Die Frage ist nicht, ob Apple den Mac Pro in 2012 noch benötigt, sondern vielmehr, ob der Hersteller es sich leisten kann, ihn nicht mehr anzubieten oder zu aktualisieren. Neue Ansätze für eine Neuinterpretation sind dennoch wünschenswert, denn nicht der Rechner steht im Mittelpunkt, sondern der – professionelle – Anwender.

Leistung muss sich wieder lohnen: Think different.

Bilderquellen: Apple; Isamu Sanada

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