Android „L”-Release: Nächste OS-Version vorgestellt, als Developer-Version in Kürze verfügbar [Google I/O 2014]

Frank Ritter
34

Während der Keynote auf der aktuell stattfindenden Entwicklerkonferenz Google I/O 2014 wurde die neueste Version des mobilen Betriebssystems soeben vorgestellt. Android stellt im noch nicht näher benannten „L“-Release einen deutlichen Umbruch, insbesondere in puncto Design, dar. Laut Google handle es sich um das bislang größte Android-Update bisher. Eine erste Preview-Version für Entwickler wird in wenigen Stunden herunterzuladen sein.

Android „L”-Release: Nächste OS-Version vorgestellt, als Developer-Version in Kürze verfügbar [Google I/O 2014]

Material Design im „L“-Release

google-io-2014-material-design

Android-Design Guru Matias Duarte hat auf der Bühne der Google I/O-Keynote die neue Design-Vision von Android vorgestellt. Kern des Material Design ist, dass die Benutzeroberfläche von Android und dessen Elemente Tiefe bekommen. Mithilfe neuer APIs kann sämtlichen Elementen in Apps ein Z-Achsen-, also Tiefenwert zugewiesen werden. Das System animiert die Elemente entsprechend und stellt sie beispielsweise mit passenden Schatten dar. Grafiken und Elemente können nun auch von einer in eine andere Activity per Animation übernommen werden, zahlreiche neue Animationen sollen dem UI ebenfalls mehr Tiefe geben – so gibt es etwa neue „Ripple“-Effekte beim Tap auf Buttons. Des Weiteren wurden die Software-Buttons neu gestaltet. Der Dialer ist bereits an die neue Designsprache angepasst, weitere Apps sollen in den kommenden Monaten bis zum offiziellen Release folgen.

google-io-material-design-dialer

Auf uns wirkt das neue Design, das so auch in Googles Webdiensten zum Einsatz kommen wird, vergleichsweise verspielt – es wird abzuwarten sein, wie gut es bei eingefleischten Android-Fans ankommt. Hier eine Video-Demonstration:

Android 5.0: Die neuen Features im Überblick GIGA Bilderstrecke Android 5.0: Die neuen Features im Überblick

Weitere Features im Android „L“-Release

google-io-benachrichtigungen

Die neue Android-Version wird sein neues Design auch in die Benachrichtigungen bringen. Der „Information Overload“ durch zu viele Benachrichtigungen wird Einhalt geboten, indem das System automatisch registriert, welche Apps am häufigsten geöffnet werden und deren Benachrichtigungen entsprechend gruppiert.

google-io-benachrichtigungen-2

Das „L“-Release führt ein neues Multitasking-System ein. Zentrale Neuerung ist, dass diese nicht mehr App-basiert ist, sondern auch einzelne Activities aus Apps auswählbar macht. Das bedeutet, dass man beispielsweise nicht mehr nur Chrome als App auswählen kann, sondern stattdessen einzelne Tabs, die aktuell in der Chrome-App aktiv sind. Andere Apps können dieses Konzept mithilfe eines neuen APIs aufgreifen. Auch die Darstellung ist neu: Künftig wird der Multitasking-Bildschirm in Form von überlappenden Karten dargestellt.

Android ermöglicht im „L“-Release außerdem einfache Nutzer-Authentifizierung per Wearable. Wer beispielsweise eine Android Wear-Smartwatch am Arm trägt, kann festlegen, dass er kein Entsperrmuster mehr eingeben muss. Nur wenn die Uhr nicht in der Nähe registriert wird, wird die Eingabe eines Entsperrmusters erforderlich.

google-io-app-suchergebnisse

App Indexing ist mit dem „L“-Release ebenfalls für alle Apps verfügbar. Das bedeutet, das Ergebnisse aus der Google-Suche künftig direkt in Apps geöffnet werden können, sofern diese installiert sind. Desweiteren kann die lokale Suche künftig Inhalte anzeigen, die vormals in anderen Apps aufgerufen wurden.

Mehr Performance dank ART

google-io-art-performance

Das „L“-Release von Android wird ART als Standard-Runtime verwenden. Diese wurde weiter verfeinert und optimiert, sodass in diversen Benchmarks die doppelte Leistung erzielt werden kann. Die Speichereffizienz wurde weiter erhöht, ein neuer Garbage Collector verringert zudem Stocken und Ruckeln.

google-io-2014-64-bit

Dazu kann Android nun nativ die Vorteile von 64-Bit-CPUs nutzen und ist dabei sowohl mit ARM-, als auch Intel- und MIPS-Prozessoren nativ kompatibel.

Project Volta: Neue Akku-Statistiken und Stromspar-Modi

google-io-project-volta-splash-screen

Künftig wird es deutlich einfacher, herauszufinden, welche Apps oder Funktionen des Smartphones den Akku überproportional belasten. Unter dem Codenamen Project Volta hat das Android-Team einen neuen Akku-Profiler gebaut und gestaltet, der entsprechende Informationen besser visualisiert.

google-io-project-volta-battery-history

Ein neuer Akkuspar-Modus, der unter anderem Hintergrunddaten einschränken und den CPU-Takt verringern kann, soll 90 Minuten mehr Smartphone-Laufzeit an einem typischen Tag herausholen können. Dieser soll sowohl automatisch auch als manuell aktiviert werden können.

google-io-project-volta-battery-saver

Dank eines neuen Job Scheduler-APIs können Entwickler außerdem festlegen, dass Hintergrund-Aufgaben weniger wichtig sind und dass diese beispielsweise nur angestoßen werden, wenn ausreichen Akkukapazität vorhanden ist oder das Smartphone gerade geladen wird. Auf diese Weise sollen auch Apps stromsparender werden.

Berufliche und private Daten gleichzeitig auf einem Gerät

Dank der Hilfe von Samsung werden Teile von Knox nun Bestandteil von Stock-Android. Das bedeutet, dass persönliche und beruflich relevante Daten künftig auf einem Gerät getrennt voneinander koexistieren können.

Neues Games-API: Android Extension Pack

google-io-android-expansion-pack

Mit dem neuen Android Expansion Pack können Spiele-Entwickler auf neue Grafikfunktionen auf DX11-Niveau zugreifen, beispielsweise Tesselation, Geometry und Compute Shaders. Bislang ist unklar, ob es sich um ein neues Grafik-API handelt oder OpenGL ES an der Stelle nur mit einer Google-eigenen Lösung erweitert wird.

Neue Google Play Services

Die sich selbst aktualisierenden Google Play Services wurden ebenfalls angesprochen. Diese werden in Kürze die Möglichkeit erhalten, Sicherheits-Patches einzuspielen, ohne dass OTA-Updates notwendig wären. Auf diese Weise dürften künftig auch ältere Geräte, die nicht mehr von ihren Herstellern aktualisiert werden, vor gravierenden Lücken wie die kürzlich entdeckten Heartbleed-Lücken geschützt sein. Außerdem sollen die Play Services besser vor Malware schützen. Schließlich wird auch ein so genannter Kill Switch integriert. Carrier Billing, also die Bezahlung von Apps und anderen Google Play-Inhalten per Telefonrechnung kann künftig auch auf Geräten ohne SIM-Karte genutzt werden, solange sie auf denselben Google-Account registriert sind.

Und viel mehr

Einige Neuerungen wurden zwar kurz genannt, aber nicht weiter ausgeführt, unter anderem Support für Bluetooth 4.1, ein neues Tastatur-Layout und überarbeitete Quick Toggles. Diese werden wir in weiterführenden Artikeln beleuchten.

Download der Developer-Version

Bislang ist noch kein Datum für das endgültige Release bekannt, auch trägt das „L“-Release noch keinen der typischen Süßspeisen-Codenamen. Immerhin können Entwickler in Kürze eine Developer Preview herunterladen. Der Download soll als Factory Image für diverse Nexus-Geräte in wenigen Stunden zur Verfügung stehen. Wir melden, sobald das der Fall ist.

Weitere Themen: Google

Neue Artikel von GIGA ANDROID

GIGA Marktplatz
}); });