Alle Android Nutzer betroffen: Google verfolgt heimlich Standort-Daten

Simon Stich
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Auch ohne GPS und eingelegte SIM-Karte verfolgt Google alle Nutzer von Android-Geräten. Der Konzern hat das Vorgehen eingeräumt und will es unterlassen. Die Details wirken einfach unheimlich.

Alle Android Nutzer betroffen: Google verfolgt heimlich Standort-Daten
Bildquelle: Shutterstock

Google bestimmt Nutzer-Standort ungefragt

Anfang des Jahres soll Google mit der Verfolgung von Android-Nutzern begonnen haben, wie Recherchen von Quartz jetzt zeigen. Nach außen kommuniziert wurde das Vorgehen natürlich nicht. Es handelt sich wohlgemerkt nicht um ein gewolltes Tracking über GPS, wenn Nutzer zum Beispiel die Navigations-Funktionen von Google Maps nutzen. Auch wenn das GPS-Modul abgeschaltet ist, weiß Google, wo wir uns aufhalten. Selbst ohne eine eingelegte SIM-Karte kann Google den Standort ziemlich genau herausfinden.

Die heimliche Bestimmung des Standorts der Nutzer wird über die Nähe zu Mobilfunkmasten errechnet. Je mehr Mobilfunkmasten sich in der Nähe befinden, desto genauer kann Google sehen, wo sich der Nutzer aufhält. Demnach ist eine nahezu exakte Belegung des Standorts in Großstädten sehr viel einfacher als auf dem Land.

Jede Funkzelle bekommt hierbei eine eigene Identifikationsnummer. Über den bei Android vorinstallierte Hintergrunddienst „Firebase Cloud Messaging“ wird diese an Google-Server gesendet. Wenn sich Nutzer von einer Funkzelle zur nächsten bewegen, entsteht ein Bewegungsprofil.

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Google will Daten nicht gespeichert haben

Google hat den Vorwurf der unbemerkten Standort-Ermittlung mittlerweile eingeräumt: „Seit Januar dieses Jahres haben wir begonnen, die Cell-ID-Codes als weitere Information zu nutzen, um die Performance und Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung zu verbessern”, sagte ein Sprecher.

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In der Datenschutzerklärung von Google heißt es: „Wenn Sie Google-Dienste nutzen, erfassen und verarbeiten wir möglicherweise Informationen über Ihren tatsächlichen Standort.“ Informationen zu WLAN-Zugangspunkten und Mobilfunkmasten werden explizit genannt, die über „andere Sensoren“ ermittelt werden.

Der Konzern weist darauf hin, dass die erhobenen Daten nicht gespeichert wurden. Eine Weitergabe der Daten an Google-Server soll mit einem kommenden Android-Update aber unterbunden werden, heißt es. Wann dieses Update kommt, ist noch unklar.

Warum Google überhaupt den Standort der Nutzer massenhaft überprüft, bleibt schleierhaft. Eine bessere „Geschwindigkeit der Nachrichtenübermittlung“ ist schlicht nicht gegeben, zumal Google nicht als Mobilfunkanbieter fungiert. Den Konzern interessiert der Standort wohl vor allem für Werbezwecke. Auch ohne eingeschaltetes GPS kann so ungefähr erkannt werden, ob sich ein Nutzer zum Beispiel in einem bestimmten Ladengeschäft aufhält.

Quelle: Quartz

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