Silkypix 3.0
Nachdem Apple mit Aperture die RAW-Converter hoffähig gemacht hat, rücken auch andere Hersteller auf den deutschen Markt nach – nicht alle können dabei auf dem Mac überzeugen.
Silkypix Developer Studio 3.0 tritt als RAW-Importer an und verspricht dem engagierten Digitalfotografen, die kreative Freiheit zurückzubringen, die das Nasslabor versprach. Nur: Das Nasslabor ist ein Teil des fotografischen Arbeitsprozesses, zu dem sich viele Lichtbildner nicht zurücksehnen. In den meisten Studios mit internem Labor ist es schon längst in der Ecke gelandet und der digitalen Weiterverarbeitung gewichen. Wo früher noch mühsam die Entwicklertemperatur gehalten wurde, stehen jetzt Macs und großformatige Tintenstrahldrucker.
Für alle, denen die Funktionen aus Adobes Camera RAW und Lightroom oder Apples Aperture nicht genügen, lohnt sich ein Blick in das Feature-Set von Silkypix. Das Programm des japanischen Herstellers Ichikawa Soft Laboratory war zuerst nur in Nippon erhältlich, manche Fotografen handelten es als Insider-Tipp und benutzten es mit japanischer Bedienoberfläche! Das inzwischen auch in Deutsch erhältliche Interface ist in dezentem Grau gehalten, die Paletten schweben mit halber Deckkraft über dem Hintergrund. Wenn man mit dem Cursor über sie rollt, dunkeln sie ab. Diese Teiltransparenz kann aber zu Verwirrungen führen: Wenn man die Paletten übereinander schiebt, erkennt man nicht mehr, welche welche ist. Apples Interface Guidelines kamen hier offensichtlich nicht zum Tragen. Silkypix bietet Paletten für Farbe, Weißabgleich, Objektivkorrektur, Gradationskurve, Farbe, Lichter und Exif-Daten und eine für Drehung und das Korrigieren gestürzter Linien. Diese lassen sich von einer kleinen Leiste am linken unteren Bildschirmrand aus verwalten.
Das Programm ist sehr am Windows-Look-and-Feel orientiert; es gibt nur wenige Tastaturbefehle, und die Zoomfunktion gehorcht nicht auf und .
Stürzende Linien
Die Korrektur stürzender Linien funktioniert sehr gut, als Reminiszenz an die Dunkelkammer – dort nannte sich das Korrektur nach Scheimpflug, und man musste bei stark abgeblendetem Vergrößerungsgerät die Fotopapierbühne mit einem untergelegten Bücherstapel schräg stellen, um die Schräge der Aufnahme auszugleichen. Mit einem eingeblendeten Gitterraster lässt sich die weitwinkelbedingte Verzerrung des Gebäudes anhand von vertikaler und horizontaler Perspektive sowie Winkel ausgleichen. Hiermit gelingen schnelle und überzeugende Ergebnisse.
Chromatische Aberration
Ebenfalls nützlich ist die Möglichkeit, die chromatische Aberration zu reduzieren, ein Problem, das immer häufiger auftritt. Bei der chromatische Aberration (vom griechischen chroma, Farbe, und dem lateinischen ab-errare, abweichen) handelt es sich um Abweichungen der drei Grundfarben auf der Bildebene. Durch die Auflösung der aktuellen DSLR-Chips werden Bildfehler in Objektiven sichtbar, die ein Kodachrome-Film niemals hätte abbilden können. Aus diesem Grund hat zum Beispiel Nikon in den beiden neuen im November 2007 erscheinenden Gehäusen D3 und D300 eine Korrektur für chromatische Aberration (CA) eingebaut. Auch Lightroom verfügt über eine Korrekturmöglichkeit dieser optischen Störung. CA tritt meist als blauer oder roter Farbsaum am Rand von Flächen auf, bei Gegenlichtaufnahmen häufig am Dach eines Gebäudes entlang. Silkypix hat keine Probleme bei der Entfernung von normaler CA.
Außerdem kann das Programm Probleme beheben, die manche älteren Objektive mit sich bringen: Verzeichnungen und Vignettierungen. Ist die Bildbearbeitung abgeschlossen, lässt sich unter „Entwicklen“. Im Menü findet sich diese Speicherfunktion gleich zweimal, unter Datei und weiter rechts noch einmal unter Entwicklung. Dort lässt sich die Export-Dateigröße einstellen. Als Formate stehen JPEG und TIFF zur Verfügung. Interessanterweise bietet das Programm hier das Unscharfmaskieren an.
Fazit
Silkypix Developer Studio kommt mit der vor-liegenden Dreierversion etwas spät auf den deutschen Markt für RAW-Konverter und Bildbearbeitung. Das mit knapp 140 Euro recht günstige Programm – im Vergleich dazu: Apples Aperture kostet 250 Euro und Adobes Photoshop Lightroom 180 Euro – unterstützt alle aktuellen
Kameramodelle der führenden Hersteller und Adobes DNG-Format und ist damit eine interessante Alternative für Digitalfotografen. Das echte alte Dunkelkammerfeeling bringt es aber nicht zurück – gut so. Thorsten Wulff/ok



