Logic Studio

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Apple hat seinen Haus-und-Hof-Audio-Sequencer Logic Pro in eine umfangreiche Production-Suite für Studio, Bühne und Postproduction verwandelt

Angesichts des Preises für die in Logic Studio umgetaufte Software-Suite denkt man zuerst, dass man es nur mit dem Update für Logic Pro zu tun hat. Kostete das ehemalige Logic Pro 7 noch etwa 1000 Euro, bekommt man nun für weniger als die Hälfte Logic Pro 8 inklusive der neuen Live-Anwendung MainStage, dem Postproduction-Programm Soundtrack Pro 2 sowie einer üppigen Sample-Library. Etablierte Sequencer-Hersteller müssen sich warm anziehen, denn Apple untermauert damit seine Vormachtstellung im kreativen Audiobereich am Mac.

Logic Pro 8

Den obligatorischen XSKey-Kopierschutz-Dongle sucht man im opulenten Pro-grammpaket diesmal vergeblich. Apple hat zur Freude aller Anwender mit mehreren Rechnern darauf verzichtet und arbeitet nur noch mit einer Seriennummer. Als Logic-Studio-Anwender ist man zum Gebrauch an einem mobilen und einem stationären Rechner berechtigt.
Installiert man das gesamte Paket einschließlich der üppigen Sound-Sammlungen von Logic und Soundtrack Pro 2 von den acht DVDs, ist bei maximal 47 GByte Geduld vonnöten: Mehr als eineinhalb Stunden dauert es, bis ein erster Blick auf das neue Gesicht der Hauptanwendung Logic Pro 8 möglich ist. Wählt man lediglich die einzelnen Installer der Programme selbst aus, hat man die 7 GByte in etwas über einer Viertelstunde auf der eigenen Systemfestplatte.

One-Window Logics Next-Generation-Interface präsentiert sich in seiner achten Auflage als ­Ein-Fenster-Applikation im grau-silbernen Look. ­Alle essenziellen Funktionen sind nur einen Klick entfernt. Sicherlich ist dies eine Frage der Arbeitsphilosophie. Nach kurzer Eingewöhnungsphase genießt man es allerdings, dass sich Mixer, Sample-Editor oder das Piano-Roll-Window horizontal unter der zentralen Arrangement-Anzeige andocken. Funktionen wie das Bouncen von Spuren kann man per einfachen Knopfdruck in die Symbolleiste abrufen. Letztere ist vom User individuell gestaltbar, damit spart man für viele Funktionen den Weg über verschachtelte Untermenüs, die oft die Vorgängerversion bestimmt haben.
Die -Taste erlaubt ein schnelles Wechseln zwischen den wichtigen Arbeitsfeldern wie Arrangement, Sample-Editor, Mixer und Medienbereich. Die Trennlinie zwischen Arrangementanzeige und Editoren ist frei skalierbar. Wie in gewöhnlichen Apple-Anwendungen ist der Media-Browser rechts angelegt. Über kleine Karteireiter lassen sich dort Samples, Apple-Loops oder eines der 2400 Plug-in- und Kanal-Presets von der Festplatte aufspüren. Ein Spotlight-basiertes Suchfeld hilft im Dickicht der aktualisieren 18000 Apple-Loops, verloren geglaubte Samples zu bergen. Praktisch ist auch der projektbezogene Bin-Ordner. In dieser Rubrik versammeln sich beispielsweise alle verwendeten Audio­dateien. Für .Mac-User gibt es ein Bonbon: Abgelegte Presets oder Key-Commands exportiert man auf Wunsch einfach auf den eigenen Account. Bei einem Freelance-Job in einem fremden Studio kann man sie sich dann via Internetverbindung auf den dortigen Arbeitsrechner zurückholen, um in gewohnter Manier zu produzieren.
Links befindet sich der Informationsbereich der Kanäle, der nun jeweils zwei Channel-Strips mit ihren Track-Parametern sichtbar macht: den aktiven Instrumentenkanal und einen Master- oder Aux-Channel, der aktuell beschickt wird. Ein sehr durchdachtes Anzeigeverfahren, mit dem man schnell Änderungen einer Instrumentenspur an den Master angleicht, ohne dafür gleich den Hauptmixer aufzurufen. Mit der zentralen Mix-Konsole hat man wie gewohnt sämtliche Signale im Visier. In der Ansicht Arrangier­fenster sind sämtliche Kanäle plus Master-Spuren zu sehen. Wählt man die Einzelansicht, erhält man nur die vom Signalfluss betroffenen Informationen des selektierten Channels. Das obligatorische Transportfeld ist fest an der Unterseite verankert. Neben typischen Transport-, Takt- und Quantisierungsfeldern ist hier eine praktische Anzeige für die CPU- und Festplatten-Auslas­tung dazugekommen.
Insgesamt erhöht die intelligente Arbeitsaufteilung nicht nur im Studio den Workflow, sie kommt auch Laptop-Musikern entgegen, die auf beengtem Bildschirm an musikalischen Skizzen feilen. Einzelne Teile wie die Mixer-Übersicht können trotzdem abgekapselt werden, damit sie auf dem Zweitmonitor Platz finden.

Starthilfe Geht es an ein neues Projekt, erleichtern brauchbare Templates den Start in typische aufnahme- und musikstilorientierte Sessions. ­Zusätzlich findet man in diesem Pool Audio-Editor-Standards wie Stereo-Mastering. Sollen neue Spuren erzeugt werden, genügt ein Klick auf ein Plus-Symbol, und es entstehen mehrere MIDI- respektive Audiospuren. Braucht man Aux- oder Gruppen-Channels für Effekte, wird der Sendekanal angewählt – schon reihen sich die Kanäle in die Mixer-Übersicht ein. Auf ähnliche Weise erweitert man problemlos mehrkanalfähige Ausgänge von virtuellen Instrumenten. Lässt man Samples aus dem Medien-Browser ins Arrangement fallen, sorgt Logic automatisch für die richtige Spurerweiterung. Es ist also kein umständliches Hantieren am Environment mehr nötig, wie es noch in der Vorgängerversion der Fall war.

Überholspur Auch bei den Recording-Aufgaben sind Optimierungen an der Tagesordnung. Die Funktion Multi-Take Recording ermöglicht es, mehrere Takes hintereinander für einen genau markierten Aufnahmebereich aufzunehmen. Das Material wird automatisch in einem gesonderten Take-Ordner verwaltet. Hier kann es durchgehört und einfach in der Masterspur arrangiert werden.
Ein elegantes Feature zum Editieren von Audio-Files ist die neue Funktion Quick Swipe Comping. Lästiges Schieben, Schneiden und Stü­ckeln an mehreren Audiospuren gehört damit der Vergangenheit an. Aus untereinander angeordneten Song-Parts aus dem Take-Ordner kann man die besten Teile einer Session markieren. Logic übernimmt diese selektierten Einzelteile und stellt sie automatisch in einer Masterspur inklusive Crossfades zusammen.
Freunde von akkuraten Schlagzeugspuren wird dagegen die Snap-to-transient Selection beim Audio-Editing begeistern. Transienten von ungenauen Drumloops bringt man damit den rich­tigen Takt bei und setzt sie auf die Zählzeit des ­benutzten Taktrasters.
In puncto Timestretching liegt Logic Pro 8 mit etablierten Sequencern gleichauf: Loops und Samples zieht man ohne Tonhöhenveränderung im Arrange-Window in die gewünschte Länge. Man muss dazu nicht mehr den Umweg über die gesonderte Time-&-Pitch-Machine einschlagen. Geht es ans genaue Editieren von Audiomaterial, ist nun bereits im Arrange-Window ein hochauflösendes, Sample-genaues Bearbeiten möglich. Der eingebaute Sample-Editor ist somit fast überflüssig. Automationen gehen auch in der achten Auflage gewohnt elegant vonstatten. Es genügt ein Klick in die Symbolleiste, und alle Automa­tionskurven werden hinter den Spuren sichtbar.

Anschlussfreudig Logic Pro 8 kann natürlich Projekte der kleinen Apple-Brüder GarageBand und Logic Express übernehmen. Weiterhin gibt es eine AU-Plug-in-Schnittstelle für Dritthersteller und ReWire, um die Programme Propeller-head Reason und Ableton Live zu integrieren.
Unsere externen AU-Instrumente von etablierten Firmen wie Native Instruments oder Arturia ließen sich ohne Probleme einbinden. Auch sonst lief das Programm mit fremden Plug-ins sehr stabil.

Instrumente Auf dem Sektor der programm­eigenen Instrumente und Plug-ins hat sich nur wenig getan. Das Repertoire profitiert vor allem beim Funktionsumfang und bei den Presets vom Update. Die virtuelle Drum-Machine Ultrabeat kann mit 1000 neuen Sounds aufwarten und besitzt jetzt eine interne Pattern-Programmierung und eine Step-Automation für jeden Schritt. Auch der Sound-Content des bekannten EXS-Samplers wurde deutlich aufgefüllt. Von Streichern über Pop-Pianos bis zu Beats wird man hier mit ­einem guten Standardset ausgerüstet, was jede ex­terne Hardware-Workstation überflüssig macht.
Gerade als Sound-Neuling ist man bei den vielen Logic-Instrumenten von der analogen Synthesizer-Emulation ES2 über das Physical-Modelling-Instrument Sculpture bis hin zum E-Piano EVP 88 mit Werkzeugen aller Art prächtig ausgestattet. Zur umfangreichen Effektauswahl ist das neue Plug-in Delay Designer hinzugekommen. 26 verschiedene Taps ermöglichen klassische Anwendungen, aber auch komplexe Delay-Aktionen, die ähnlich wie Soundeffekte wirken.

Surround Im Bereich Mehrkanalproduktion wurde Logic deutlich erweitert. Es stehen aufnahmefertige Surround-Audio-Tracks zur Verfügung und es ist möglich, vom Recording-Vorgang bis zum Mix komplexe Soundprojekte bis zum 7.1-Format anzugehen. Das Programm unterstützt Mehrkanaldateien, kann flexible Surround-Busse erzeugen und besitzt außerdem komfortable Mehrkanal-Panning-Fenster und -Anzeigen. Viele der enthaltenen Plug-ins sind True-Surround-fähig, allen voran Space Designer und Delay Designer. Ebenso gibt es nützliche Tools wie einen Surround-Kompressor oder mehrkanalige Instrumente wie die Synthesizer Sculpture und ES2. Mit dem beigefügten Software-Tool Compressor 3 ist es möglich, die eigenen Werke in den Dolby-Digital-Standard AC-3 umzukonvertieren. Außerdem kann man unkomprimierte Surround-Stems zur Kontrolle direkt aus Logic auf DVD-Audio brennen.

Wundertüte Als Zugabe zur Programm-Suite gibt es ein Sammelsurium an nützlichen Audioanwendungen, darunter das zum Lieferumfang von Final Cut Studio gehörende Programm Soundtrack Pro 2, das wir bereits in MACup 08/
2007 getestet haben. Weiterhin erhält man Wave-Burner zum Erstellen von mit Red-Book kompatiblen CDs und das oben erwähnte Programm Compressor 3. Wer eigene Impulse-Antworten für den Faltungshall Space Designer erzeugen möchte, findet dafür das Impulse Response Uti­lity vor. Außerdem gibt es im Programmpaket ein Werkzeug, um Apple Loops zu erzeugen. Mit MainStage ist dagegen eine mit Spannung erwartete Live-Applikation dazugekommen.

MainStage

In den letzten Jahren hat der Laptop als vollwertiges Musikinstrument die Konzertbühnen erobert. Er dient zum Einspielen von Backing-Tracks, als Sample-Lieferant für Drummer, als Effektgerät oder Sound-Workstation für den Band-Keyboarder. Apple hat mit MainStage für diese Zwecke eine komplett neue Live-Anwendung eingeführt. Die flexiblen Möglichkeiten von Logic lassen sich hier über eine einfache, sehr anschauliche Grafikoberfläche für
eine bevorstehende Live-Performance anpassen.
Wie in Logic Pro 8 spielt sich auch in Main-Stage alles in einem Fenster ab. Vorgefertigte so genannte Concert-Vorlagen bieten typische Bühnenszenarien als Template an. Man findet zusammengestellte Keyboard-Vorlagen mit aufgefüllten Samplern und Instrumenten für verschiedene Musikstile vor. Außerdem gibt es Gitarren-Setups mit bereits angelegten Audioeingängen, die man mit MIDI-steuerbaren Effektketten belegen kann, sowie Settings für Vocal-Effekte oder Schlagzeugspuren. Über eine übersichtliche Anzeige im 3D-Outfit mit großen Knöpfen, Reglern und Drumpads hat man auf der Bühne direkten Zugriff auf die Logic-internen Anwendungen.

Bühne frei Neben den bereits fertigen Zuordnungen über die mitgelieferten Templates kann man sich im Layout-Modus eine eigene Ober­fläche aus Instrumenten, Channel-Settings und Effekten zusammenstellen: Meter, Regler, Fader, Drumpads oder Pedale positioniert man für den Schnellzugriff individuell auf der MainStage-Oberfläche. Diese Elemente kann man wiederum sehr einfach MIDI-Controllern zuweisen, damit man beim Konzert wenig mit der Maus hantieren muss. Für aktuelle MIDI-Controller-Modelle liefert MainStage bereits fertige Anpassungen mit.
Beim Auftritt steuert man dann die Kanäle, ­Instrumente und Effekte entweder aus dem Performance-Mode oder wählt den anschaulichen Vollbildmodus an, der die kompletten Info-Fenster ausblendet und nur die gewünschten Steuerungsfunktionen im Blickfeld präsentiert.
Das Handling mit der Live-Software klappt respektabel, allerdings sollte man einen aktuellen Intel-Mac mit mindestens 2 GByte Arbeits-speicher benutzen, sonst kann es zu längeren Ladezeiten bei Preset-Anwahl und Einstellungen kommen, die ein flüssiges Bedienen auf der Konzertbühne erschweren.

Fazit

Auch wenn Logic Pro 8 insgesamt nur kleine Verbesserungen erfahren hat, sind sie besonders in Bezug auf den Arbeitsfluss bei der täglichen Arbeit Gold wert. Vom schnellen Erzeugen und Routen von Spuren bis hin zu den zahlreichen Optimierungen beim Editieren und den gezielten Erweiterungen der Instrumente gewinnt man viel Zeit. Positiv sind uns zusätzlich die neuen Surround-Features aufgefallen. Manche konventionelle Stereoanwender werden wohl damit den ersten Schritt in die Mehrkanalwelt wagen.
Mit MainStage hat Apple eine Lücke gefüllt, die Live-Musikern das Leben erleichtern wird, auch wenn sich die Applikation in erster Linie an klassische Bandprojekte richtet und weniger Loop-basierte Elektronik-Produktionen vorsieht, für die wahrscheinlich das Programm Ableton Live immer noch vorzuziehen ist. Trotzdem wird wohl wegen MainStage in Zukunft oft ein MacBook Pro den Platz neben dem Keyboarder zieren. Bedenkt man, dass zu diesen beiden
Anwendungen Soundtrack Pro 2 und ein aktualisierter Sample-Fundus geliefert werden, können wir einer Software mit einem derartigen Funktionsumfang zum Preis von unter 500 Euro ohne Bedenken die Platin-Schallplatte verleihen.
Neulinge erhalten durch das tolle Komplettpaket an hochwertigen internen Instrumenten, Loops und Samples ein fulminantes Starter-Bundle. Gestandene Profis freuen sich dagegen über den noch strafferen Workflow und den Zeitgewinn für ihre kreativen Musikmomente.

jb

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