„Apple zwingt uns, im Web von 2010 zu leben“: Wird Safari zum neuen Internet Explorer?

Ansgar Warner
48

Mehr als „wohlwollendes Desinteresse“ hat Apple nicht für Safari übrig, meinen viele Web-Entwickler. Wichtige Trends würden verpasst oder nur halbherzig unterstützt. Apples Verhalten wird sogar mit dem von Microsoft in den 1990er Jahren verglichen.

„Apple zwingt uns, im Web von 2010 zu leben“: Wird Safari zum neuen Internet Explorer?

Ist das Apple von heute das Microsoft von gestern? Ja, meinen viele Web-Entwickler, und denken dabei vor allem an Apples Standard-Browser Safari. Auf Ars Technica machte Mobile-Web-Experte Nolan Lawson seinem Ärger in einem Meinungsartikel Luft (noch ausführlicher auf seinem eigenen Blog): „Ich denke, es gibt da eine Grundstimmung unter Web-Entwicklern, derzufolge Safari anderen Browsern hinterherhinkt. Besucht man aber Konferenzen wie EdgeConf, merkt man erst, wie weit der Abstand bereits ist.“

Wichtige Web-Trends wurden verpasst

Viele neue Schnittstellen, mit denen sich Apps und Funktionen in den Browser einbinden ließen, würde Apple erst gar nicht unterstützen, und selbst wenn es geschehe, sei das Unternehmen nur mit halbem Herzen dabei. Trends wie Offline-Speicher, Push-Benachrichtigungen oder installierbare Web-Apps habe Apple deswegen verschlafen, Fortschritte habe es lediglich bei der Performance gegeben: „Apples Web-Strategie kann man selbst mit größter Sympathie nur als ‚wohlwollende Vernachlässigung' beschreiben.“

„Porno-Modus“ auf dem Smartphone: Surfe sicher und sauber im Web

Was ist Apples Browser-Strategie?

Wie Nolan rätseln viele darüber, warum Apple sich so verhält und etwa nur sehr selten eigene Vertreter auf Web-Konferenzen schickt, den Safari-Blog auf Sparflamme gestellt hat und zwischen den jährlichen WWDC-Events keine Informationen über die zukünftigen Safari-Versionen herausgibt. Geht es darum, auf iPhone oder iPad das Geschäftsmodell des App Stores nicht durch vielseitige Browser-Apps zu gefährden? Wollen die iOS-Entwickler unbedingt ihr eigenes Süppchen kochen?

„Dreistigkeit von Microsoft“

Mittlerweile zeige Apple dem eigenen Browser gegenüber eine „Dreistigkeit, die sogar noch über die von Microsoft in den 1990er Jahren hinausgeht“, findet Nolan. Zugleich hofft er, dass Apple irgendwann doch noch auf die Kritik der Entwickler-Community reagiert. Ansonsten müsse man sich nämlich daran gewöhnen, „im Web von 2010 zu leben, mit einem Safari, das an die Stelle des Internet Explorers getreten ist“.

Weitere Themen: Internet Explorer 11, Safari, Apple