Amazon: Mit Bitcoin bezahlen – geht das?

Marco Kratzenberg

Im Oktober 2017 kamen erste Gerüchte auf, dass Amazon Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren könnte. Wir haben recherchiert, was an den Behauptungen dran ist und wie sich das auf die zukünftige Bezahlung eurer Bestellungen auswirken könnte.

Als Amazon-Kunde weiß man: Der Onlinehändler akzeptiert zur Bezahlung hauptsächlich den Bankeinzug und Kreditkarten. Außerdem können  online oder an Supermarktkassen gekauft und zur Zahlung genutzt werden. Ansonsten unterstützt das Handelshaus nicht einmal den weit verbreiteten Standard PayPal. Doch jetzt tauchen immer wieder Meldungen auf, Amazon könne Bitcoin oder Ethereum zur Zahlung der Waren annehmen. Was spricht dafür oder dagegen? 

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Was spricht gegen eine Amazon-Bezahlung mit Bitcoin?

Es gibt logische Gründe, aus denen Amazon Bitcoin bislang nicht zum Bezahlen zugelassen hat. Es sind dieselben Gründe, aus denen auch viele andere Händler Bitcoin nicht akzeptieren und aus denen die Bundesbank kürzlich noch verlauten ließ: „Bitcoin ist keine Währung“. Von vielen wird Bitcoin in erster Linie zur Spekulation genutzt und wer die über längere Zeit verfolgt hat, stellt überrascht fest, wie schnell sie auf und ab rasen. Das macht es Händlern schwer, die Preise der Waren vernünftig zu kalkulieren. Man kann nicht einen 1000-Euro-Fernseher zu einem Bitcoin-Kurs anbieten, der sich im Laufe des Tages halbieren oder verdoppeln kann.

Für das Bezahlen bei Amazon mit Bitcoin gab es zunächst zwei Denkansätze: Zum einen könnte Bitcoin in der Shop-Oberfläche als Zahlungsmittel integriert werden, um aber nur von Drittanbietern akzeptiert zu werden. Damit würde Amazon das Bitcoin-Risiko umgehen und bei den angeschlossenen Händlern belassen. Hier ist allerdings noch die Frage, in welcher „Währung“ Amazon die Gebühren abrechnen würde.

Andererseits könnte Amazon selbst Bitcoin oder Ethereum zur Bezahlung zulassen und dementsprechend die Preise der Waren in Echtzeit am aktuellen Wert orientieren. Aber selbst da bleibt das Risiko beachtlich, denn Kursprünge finden hier teilweise innerhalb von wenigen Augenblicken statt. Man kann auch nicht davon ausgehen, dass sich eine „Mischkalkulation“ aus Kursverlusten und –Gewinnen lohnt.

Davon abgesehen sind Preise, die sich innerhalb von Sekunden ändern, für die Kunden nicht nachvollziehbar. Der Ruf von Amazon als Quelle für günstige Einkäufe ist bei solchen Preissprüngen nicht mehr vergleichbar.

Das Video erklärt euch, wie ihr Waren – auch bei Amazon – bereits in Bitcoin bezahlen könnt:

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Was ist dran am Amazon-Bitcoin-Gerücht?

Amazon und Bitcoin werden in naher Zukunft sicher kein Team. Trotz internationaler Gerüchte, dass sich eBay und Amazon für die Kunstwährung interessieren, hat es dazu nach wie vor keine eindeutige Aussage gegeben. Zwar besitzt Amazon die Domain „amazonbitcoin.com“ bereits seit März 2013, aber vermutlich eher aus dem Grund, Domainhändler auszubremsen.

Der Vizepräsident von Amazon Pay, Patrick Gauthier, hat dem Sender CNBC gegenüber die Aussage gemacht, dass Amazon nicht plant, Bitcoin zu akzeptieren. Die Nachfrage sei zu gering. Trotzdem würde man solche  Domains weiter registrieren, um Amazons Markennamen zu schützen.

Zwar gab es kurzzeitig sogar die Vermutung, dass angebliche Überlegungen von Amazon zu Bitcoin den Kurs der Kryptowährung hochgetrieben hätten, aber bestätigen konnte das niemand. Und nachdem Amazon zuletzt kein echtes Interesse am Bitcoin zeigte, ist der Kurs trotzdem noch weiter gestiegen.

Durchaus denkbar wäre allerdings, dass Amazon den Bitcoin als Zahlungsmittel für Gutscheine akzeptieren könnte. Diese würden dann in der jeweiligen Landeswährung ausgestellt und somit wäre auf der Handelsplattform eine ganz normale Bezahlung möglich. In dem Fall würden sich Amazon und der Kunde das Bitcoin-Risiko teilen.

Langfristig, behaupten zumindest „Finanzexperten“ spricht nichts dagegen, dass Amazon Bitcoin akzeptiert. Das wäre dann ein wichtiger Schritt in Richtung der Marktakzeptanz des „Kunstgeldes“ und könnte auch für eine Stabilisierung des Wechselkurses sorgen. Aber bis dahin müsst ihr weiter eure Amazon-Bestellungen in hart verdienten Euro bezahlen.

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