Peer-to-Peer: Was ist das? Definition, Infos zu Software und Arten

Christin Richter

Der Begriff Peer to Peer ist wohl jedem schon einmal begegnet, vor allem im Zusammenhang mit Filesharing-Plattformen. Was Peer to Peer (P2P) genau bedeutet, erklären wir in diesem Artikel.

Viele wissen vermutlich, das Peer to Peer irgendetwas mit einem Netzwerk zu tun hat und haben es im Zusammenhang mit Film- und Musikdownloads gehört. Wir liefern euch nachfolgend Informationen zu den sogenannten P2P-Downloads anhand von Beispielen und erklären, was es mit den Peer-to-Peer-Netzen auf sich hat.

Zur Veranschaulichung zeigt euch das folgende Produktvideo von Resilio Sync (BitTorrent Sync) die Vorteile von Peer-to-Peer-Daten-Synchronisation.

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Introduction To BitTorrent Sync

Was ist Peer-to-Peer?

Zunächst möchten wir euch mit einer einfachen Peer-to-Peer-Definition weiterhelfen: Der Begriff peer bedeutet im Englischen “Ebenbürtiger” oder “Kollege”. Er stellt auf eine Gleichwertigkeit von Partnern ab. Übertragen auf den IT-Bereich handelt es sich um Kommunikation zwischen gleichberechtigten Computern. Dabei kann es sich um zwei oder auch sehr viele Rechner handeln. Alle Computer können sowohl Informationen abrufen als auch beisteuern. Auf einen zentralen Server wird dabei verzichtet, vielmehr werden die Informationen dezentral über das Netzwerk verteilt gespeichert.

Peer-to-Peer-Beispiele: Software und Netzwerke im Überblick

Peer-to-Peer-Computing kommt bei einer Reihe von Webanwendungen zum Einsatz. Hier werden beispielhaft fünf wichtige Anwendungsfelder vorgestellt.

  1. Filesharing: Das nicht zuletzt wegen der Diskussionen um Urheberrechtsverletzungen wohl bekannteste Beispiel für Peer-to-Peer-Computing sind Filesharing-Plattformen, die oft zum Austausch von Musik und Video-Dateien genutzt werden. Zu der bekanntesten Peer-to-Peer-Software gehören Bittorrent, eMule, KaZaA, LimeWire oder auch uTorrent. Auf diesen Dateitauschbörsen werden Daten ohne zentralen Server direkt untereinander kopiert. Über diesen P2P-Client kann man auf das Verzeichnis teilnehmender Rechner zugreifen und von diesen Dateien herunterladen. Manche Filesharing-Systeme sind keine reinen Peer-to-Peer-Netzwerke, da sie einen zentralen Verzeichnisserver involvieren. Dies macht das System benutzerfreundlicher, aber auch weniger anonym. Private P2P-Netzwerke können zum Beispiel mit Gigatribe eingerichtet werden.
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    Giga BitTorrent Video Overview

    Aber Vorsicht: Je nachdem, welche Videos, Musik oder Programme geteilt werden, können Nutzer von Peer-to-Peer-Clients schnell in die Illegalität abrutschen. Werden Dateien geteilt, die urheberrechtlich geschützt und mit einem Kopierschutz versehen sind, besteht nicht nur die Gefahr durch kriminelle Handlungen, sondern ihr könnt euch auch unbemerkt Spyware auf euren Rechner laden.
  2. Instant Messaging: Auch große Instant Messenger und VoIP-Dienste setzen auf Peer-to-Peer. Das wohl bekannteste Beispiel ist hier Skype. Informationen über momentan bei Skype angemeldete Nutzer werden nicht zentral über einen Server verwaltet, sondern über Supernodes, Knotenpunkte im aus Skype-Nutzern bestehenden Peer-to-Peer-Netzwerk.
  3. Collaboration/Groupware: Die erweiterte Variante von Instant Messaging und VoIP sind Kollaborationsplattformen. Diese arbeiten ebenfalls oft nach dem Peer-to-Peer-Prinzip. Auch Plattformen für Webinare wie Adobe Connect funktionieren auf diese Weise.
  4. Distributed Computing: Wenn es darum geht, komplexe Rechenoperationen durchzuführen, wird sich in der Regel nicht eines Servers bedient. Stattdessen wird die Operation in Teilaufgaben zerlegt, deren Berechnung auf Endsysteme eines Netzwerks verlagert wird, die gerade nicht ausgelastet sind. Anwendungsfelder findet man beispielsweise in der wissenschaftlichen Forschung bei der Auswertung großer Datenmengen.
  5. E-Mail-Verschlüsselung: Nicht im strengen Sinn dazu zu zählen sind Peer-to-Peer-Verschlüsselungen. Hier werden zwei Rechner gleichwertig miteinander verbunden und zum Beispiel der E-Mailverkehr über Programme wie PGP oder sicheres Filesharing über Sendoid.
  6. Peer-to-peer-lending: Das englische Wort lending steht für Ausleihe beziehungsweise Kreditgewährung. Peer-to-Peer-lending meint, dass Kredite zwischen Privatpersonen oder Unternehmen online vermittelt werden. Da die Abwicklung vollständig im Internet erfolgt, entstehen weniger Unkosten als beim traditionellen Weg über Finanzinstitute. Beim sogenannten Crowdlending werden mehrere Geldbeträge zu einem Kredit zusammengefasst und dem von ihnen ausgewählten Kreditgeber übermittelt. Weitere Formen der Peer-to-Peer-loans (Darlehen) sind beispielsweise Studentendarlehen und Kleinkredite.

Peer-to-Peer vs. Client-Server-Technologie

Im Gegensatz zum Peer-to-Peer-Konzept steht das Client-Server-System. Hier werden Aufgaben im Netzwerk von einem Client (Dienstnutzer) angefordert und ein Server (Dienstleister) in Form eines Programmes verrichtet diese. Der Server bietet somit dem Client seinen Service an. Zu den Aufgaben, die als Dienste bezeichnet werden, gehören beispielsweise der Mail-Versand oder auch der Internetzugriff. Dabei kann ein Computer im Netzwerk Server und Client zugleich sein.

Fazit: Peer-to-Peer-Technologie

Peer-to-Peer-Netzwerke haben viele Vorteile, aber auch Nachteile. Sie sind sehr unempfindlich gegen Zensur und technische Störungen, da vor allem bei großen Netzwerken der Ausfall eines angeschlossenen Endsystems kompensiert werden kann, wenn Daten redundant gespeichert sind. Dies kann natürlich auch als Nachteil verstanden werden, wenn illegale Inhalte auf diese Weise verbreitet werden. Zusammen mit Daten-Verschlüsselung und Anonymität der Nutzer ist eine Verfolgung in P2P-Netzwerken schwer möglich. Ein weiterer Vorteil der Netzwerke: Dem einzelnen Anwender steht durch Zugriff auf das Netzwerk eine enorme Rechen- und Speicherleistung zur Verfügung. Schattenseite: Die Verwaltung von Daten in teilnehmenden Rechnern kann relativ viel Aufwand erfordern. Trotz aller Problematik: in  Zeiten von Big Data und globaler Kommunikation sind Peer-to-Peer-Anwendungen aus der Online-Welt nicht mehr wegzudenken.

Weitere Themen: uTorrent, Gigatribe, BitTorrent Sync, BitTorrent

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