Hol Dir jetzt die neue kino.de App     Deutschland geht ins kino.de

Blaue Scheibenwelt

Michael Hiebel

Das Authoring einer Blu-ray ist in Final Cut Pro 7 jetzt zwar machbar, doch die Gestaltungsmöglich-keiten sind stark eingeschränkt. Adobe Encore bietet hier wesentlich mehr kreativen Freiraum.

Zur Erstellung von Blu-ray Discs bietet Final Cut nur fertige Menüs, professionelles Authoring ist damit nicht machbar. Das funktioniert hervorragend in Adobe Encore. Es gibt jedoch verschiedene Möglichkeiten, Videos aus Final Cut in Adobe Encore mit aufwendigen Menügestaltungen auf Blu-ray zu brennen.

Apple Final Cut Studio

Eine einfache, funktionstüchtige Blu-ray Disc ist im neuen Final Cut Pro gleich erzeugt. Im Befehl Senden findet sich ein Exportmenü zum Erstellen der blauen Scheibe. Das erfordert keine Vorkenntnisse, es geht schnell und schnörkellos. Zu den Gestaltungsmöglichkeiten gehören jedoch gerade mal fünf vorgefertigte Hintergründe. Die Templates lassen sich zwar durch eigene Fotos modifizieren, die Textanordnung ist jedoch festgelegt. Kapitelmarker aus Final Cut Pro werden übernommen und im Kapitelmenü des Blu-ray-Fensters aufgeführt.
Umfassendere Brennmöglichkeiten finden sich im Final-Cut-Studio-Paket leider nicht. DVD Studio Pro lässt sich nach wie vor nur für das Erstellen von DVDs einsetzen. Das macht es zwar gut, doch für das professionelle Authoring einer Blu-ray hilft nur das Wildern in fremden Gefilden, um Werkzeuge für aufwendige Menügestaltungen zu finden.
Adobe Encore CS4 Adobe bietet in seiner Creative Suite 4 mit dem Authoring-Programm Encore eine Möglichkeit, um hohe Ansprüche zu erfüllen. In Zusammenarbeit mit Photoshop lassen sich Me⁠nü­tafeln frei gestalten, After Effects bringt Leben in statische Menüs. Ein Bundle vorgefertigter Templates mit Tafeln für Untermenüs und Tasten verhilft schnell zu ansprechenden Menüs für die wichtigsten Themenbereiche. Nachträgliches Bearbeiten der Menüs kann in Encore selbst oder in anderen Programm der CS4 vorgenommen werden. Editieren des Videos, Standbilder, Diashows, in Encore „Bildschirmpräsentationen“ genannt, Programmierung von Playlisten, Untertitel, Kopierschutz und Export in Formate für die Massenduplikation sind ebenfalls interessante Features.

Datenübergabe per Quicktime

Um Videos aus Final Cut in Encore einzubinden, gibt es mehrere Ansätze. Der erste: Man exportiert den Film aus Final Cut Pro als QuickTime-Movie und importiert ihn in Encore als Asset. Das ist in Encore der Oberbegriff für ­alle Mediendaten. Encore kann alle QuickTime-Formate verstehen, die der QuickTime-Player abspielt. Wenn Final Cut Studio und Adobe CS4 auf demselben Rechner installiert sind, ­erfolgt der Clip-Import unproblematisch, da die Codecs von beiden Programmpaketen in QuickTime vorhanden sind. Das Transcodieren in ein für Blu-ray geeignetes Format findet jetzt in Encore statt. Videostreams, die nicht Blu-ray-tauglich sind, werden in Encore umgerechnet. Im Expertenmodus lassen sich Details des Encoders einstellen.

Video in Premiere Pro einlesen

Weiter lässt sich das aus Final Cut Pro exportierte Video in Premiere Pro einlesen. Dort lässt sich der Clip bearbeiten, mit Kapitelmarken versehen und per Adobes Dynamic Link in Encore importieren. Dynamic Link sorgt für eine reibungslose Vernetzung zwischen allen CS4-Programmen. Damit lässt sich die ursprüngliche Filmdatei aus Premiere Pro in Encore öffnen und bearbeiten, ohne dass das Video aus Premiere gerendert werden muss. Allerdings darf die Position der Mediendaten auf der Festplatte nicht verändert werden, da sonst die Links nicht mehr funktionieren. Es ist sinnvoll, in einem Hauptordner mehrere Unterordner für die einzelnen CS4-Programme festzulegen und jedem Programm in den Voreinstellungen den jeweiligen Unterordner als Arbeitsordner zuzuweisen. Damit werden Verlinkungsprobleme verhindert. Ein Backup entsteht durch Kopieren des Hauptordners.

Export über Apples Compressor

Die Datenübergabe von Final Cut zu Encore funktioniert auch durch Export per Apples Compressor, und zwar in ein Format, das Encore direkt verarbeiten kann, ohne es umcodieren zu müssen. Hier kommen zwei unterschiedliche Dateiformate für Bild und Ton zum Einsatz. Für das Video ist das Exportformat ein sogenannter MPEG-2 Elementary Stream, der nur das Bild ohne die Toninformationen enthält. Die Audioinformationen werden in einem AC-3-Format exportiert. Dazu müssen in Apples Compressor zwei Voreinstellungen modifiziert werden (siehe nebenstehenden Kasten).

Gestaltung in Encore

Für eine individuelle Menügestaltung lassen sich die im Bibliotheksfenster verfügbaren Templates bereits mit Encore-Bordmitteln einfach modifizieren, skalieren und positionieren. Menütafeln kann man auch in Photoshop exportieren, bearbeiten oder neu erstellen. Encore verwendet das Photoshop-Format für Menüs und Buttons, die als Ebenenset in Photoshop vorbereitet werden können. Aufgrund von Präfixen in den Ebenen werden Schaltflächen, Videoanimationen und Ähnliches definiert. Über das Menü Farbpaletten lassen sich in Encore die Farben der Schaltflächen verändern. Auch Blu-ray-Pop-up-Menüs sind möglich, das sind Menüs mit einem Schalter auf dem Video. Für Animationen bietet sich After Effects an.
Viele Funktionen lassen sich in Encore mehrfach erreichen, was eine individuelle Bedienung ermöglicht. Drag and Drop ist fast vollständig integriert: Menübuttons werden etwa aus der Bibliothek auf das Menü gezogen und können sofort verlinkt werden.
Zusatzfunktionen wie Untertitel, das Anzeigen und Bearbeiten von XMP-Mediadaten, die Ausgabe als Blu-ray Disc, DVD und als herunterladbares Flash-Video eröffnen eine zusätz­liche Designvielfalt, die durchaus auch Profis zufriedenstellen dürfte.

Michael Hiebel/sck

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz