Ex-Apple-Produktmanager zu Final Cut Pro X: Keine Ahnung, was sie sich dabei gedacht haben

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Final Cut Pro X lässt die Anwender auf die Barrikaden gehen, wie es Apple lange nicht erlebt hat. Grund: Die neue Version der Videoschnittsoftware ist zwar für Amateure sehr gut zu bedienen, aber für die bisherigen, professionellen Nutzer wird die Software unbrauchbar. macnews.de hat sich mit dem früheren Produktmanager für Deutschland von Final Cut Pro, Andreas Zerr, unterhalten, warum das Programm in TV-Stationen keinen Einsatz mehr finden wird und wie Apples Schadensbegrenzung aussehen könnte.

Andreas Zerr war 2002 für die Einführung von Final Cut in Deutschland und Österreich als Produktmanager bei Apple verantwortlich. Zum Thema Videoschnitt mit Final Cut hat er Fachbücher* und Videotutorials veröffentlicht.

macnews.de: Hast Du für Deinen Videoschnitt schon auf Adobe Premiere oder Avid Media Composer umgesattelt?

Andreas Zerr: Nein, ich nutze immer noch Final Cut und werde in naher Zukunft auch dabei bleiben.

Das erste Öffnen des neuen Final Cut Pro X – bereitete es eine gute, oder eine böse Überraschung?

Ich finde das Interface und die intuitive Benutzerführung sehr schön, es spricht mich an. Der kleine Zauberstab hat mich von vornherein skeptisch gemacht, von Automatismen halte ich nicht so viel.
Eine böse Überraschung war das Anlegen des ersten Projektes durchaus. Die Datenhandhabung ist sehr restriktiv: Wo speichert man ab, wo werden die gerenderten Dateien abgelegt und so weiter, das lässt sich nicht so einfach festlegen. Die Handhabung von mehreren Projekten, gerade für mehrere Kunden, wird dadurch erschwert. Bei Final Cut Pro 7 konnte alles individuell abgespeichert werden.
Und das zweite Videofenster vermisse ich. Aber – man gewöhnt sich an alles.

Final Cut Pro X ist eine Videosoftware für Profis, sagt Apple. Stimmt das?

Nein. Der Begriff „Profi“ ist weit gefächert, man kann auf viele Arten mit der Videoproduktion sein Geld verdienen. Für Musikvideos, Event-, Image- und Kurzfilme, also grob gesagt alles unter 10 Minuten, ist Final Cut Pro X eine gute Software. Aber für Kino- und Fernsehproduktionen ist sie nur eingeschränkt zu gebrauchen, schon allein wegen der fehlenden Import- und Exportfunktionen.
Zudem kann die Software nicht in einen bestehenden Produktionsprozess integriert werden: Alte Projekte lassen sich nicht einbinden, vernetzte Workflows funktionieren

fast gar nicht. Auch die Aufzeichnung und Ausgabe auf Band, wie zur Zeit noch beim deutschen Fernsehen üblich, wird nicht mehr unterstützt.
Mit Final Cut Pro 7 war das alles möglich. Selbst große Fernsehsender in Deutschland mit über 40 festen Cuttern verwenden die Software in komplett vernetzten Umgebungen.

Apple hat Nachbesserungen angekündigt. Reichen die, um Final Cut Pro X fit für große Produktionen zu machen?

Ich habe keine Ahnung, in wieweit das Programm erweiterbar ist, ich bin kein Entwickler. Vorstellen kann ich mir jedoch nicht, dass es mit Updates so einfach nachgerüstet werden kann.
Was als Zusatzfunktion integriert wird, zum Beispiel Multicam, wird sicher folgen. Aber ich glaube nicht, dass Apple wieder Video-Bänder unterstützten wird, warum sollten sie das tun?

Ist das neue Schnittkonzept von Apple trotzdem die Zukunft?

Dazu habe ich noch zu wenig Erfahrung, das Programm ist ja erst seit einer Woche auf dem Markt. Es ist sehr innovativ und vor allem einfach zu erlernen. Sehr dynamisch.
Andererseits braucht ein Profi-Cutter diese Dynamik nicht zwangsläufig. Für den Nachrichtenschnitt muss man schnell arbeiten können, da reichen fünf bis sechs Shortcuts für einen aktuellen, meist harten Schnitt aus.
Die von Apple integrierten Funktionen dienen eher dem kreativen Arbeiten. Das wird im redaktionellen Fernseh-Bereich so nicht gemacht.

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