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Film-Look mittels DSLR

Philipp Gaul

Wenig Zeit, schmales Budget und hohe Qualität. Innerhalb einer Woche soll ein TV-Werbespot in HD inklusive Idee und Umsetzung entstehen. Wir zeigen an einem Beispiel, was zu beachten ist.

Es war lange Zeit nur eine nette Spielerei, dass man mit Fotokameras auch Videofilme drehen konnte, und lediglich eine Bonusfunktion kleiner Consumer-Modelle – doch mit der Canon 5D Mark II und ihrer kleinen Schwester, der Canon 7D, rückt für Videoproduzenten gerade diese Filmfunktion in den Vordergrund. Die neue Technik macht Videofilme mit professionellem Filmlook bezahlbar. In unserem Beispiel geschieht dies im Zusammenspiel mit iMac und Final Cut Studio in beeindruckender Qualität. Beim Workflow der jungen Technik gilt es aber einiges zu beachten.

Das Projekt

Am Anfang des Projekts steht immer die Story. Man entscheidet sich zusammen mit dem Kunden für ein Testimonial, also eine Interview-Situation, die wesentlich hochwertiger, aber nicht weniger authentisch sein soll. Zu Wort kommt ein zur Zielgruppe passender prominenter Musiker, der das Produkt aus vollem Herzen lobt. Diese Spot-Idee ist realistisch in Anbetracht der Tatsache, dass nur noch sechs Tage Zeit bis zur Abgabe des kompletten Sen⁠de­bandes bleiben. Nun teilt sich das Team zwei wesentliche Aufgabenbereiche: Die kreative Seite des Drehs mit Text, Casting des Darstellers, Drehortsuche und Storyboard wird unter der Leitung des Regisseurs gestartet. Der technische Part wie Kamera- und Lichttechnik obliegt der Verantwortung des Kameramanns. Dazu gehört auch die Entscheidung, welche Kamera zum Einsatz kommen soll. Sowohl die Canon 5D Mark II als auch die günstigere Canon 7D kommen für den Dreh infrage. Aufgrund des vergleichsweise geringen Anschaffungspreises der Kameras zwischen 1600 Euro (Body Canon 7D) und 2499 Euro (Body Canon 5D) sind diese auch für den semiprofessionellen Anwender und sogar für ambitionierte Amateure sehr interessant. Equipment-Ver­leiher vermieten die Geräte zu sehr günstigen Konditionen. Für die Postproduktion bietet es sich an, auf Apple-Lösungen zurückzugreifen. In unserem Beispiel erfolgt der Workflow mit Final Cut Studio auf einem neuen iMac 27 Zoll.

Über die Hardware

Zwei Komponenten bilden das Herzstück dieser Produktion: ein iMac der neuesten Generation und die (Foto-)Kameras Canon EOS 5D Mark II sowie die kleinere Canon 7D als Alternative. Der iMac 27 Zoll muss im Härtetest und unter Zeitdruck beweisen, ob sich der Desktop-Computer inzwischen in der Praxis als
anspruchsvolle Video- und Grafikmaschine bewährt oder ob Profis immer noch auf den Mac Pro zurück- und damit noch einmal deutlich tiefer in die Tasche greifen müssen.
Selbst der iMac 2,8 GHz Quad-Core Intel Core i7 mit 8 GByte Arbeitsspeicher kostet schließlich nur knapp über 2000 Euro. Er ist für reines Video-Editing ohne 3D-Effekte rein von den technischen Leistungsdaten überaus großzügig dimensioniert und auch der Bildschirm macht ein Zwei-Monitor-System entbehrlich.

Die Kameras

Die Canon 5D Mark II liefert wie auch die günstigere Canon 7D HD-Auflösung von 1920 x 1080 (Halbbildern). Das Endformat ist bei den meisten Sendern zwar immer noch PAL-Standard-Auflösung (576 x 480 Pixel), die hohe Auflösung bringt aber Vorteile in der Postproduktion mit sich. So lassen sich im Nachhinein problemlos Bildausschnitte vergrößern. Fehlt an einer Stelle eine Nahaufnahme, so löst sich das Problem in der Regel durch Vergrößern von Aufnahmen, ohne dass man im TV einen Qualitätsverlust sieht. Für die Verarbeitung der Bilder hält die 5D zwei Herausforderungen parat. Erstens zeichnet sie momentan nur in 30 fps auf. Europas Fernsehformat ist aber weitgehend der PAL-Standard mit 25 fps, also 25 Bildern pro Sekunde. Sollen die Bilder fernsehtauglich sein, muss eine Konvertierung vorgenommen werden. Das ist kompliziert und eigentlich ein Workaround, der von europäischen Kunden entwickelt wurde. Die „kleine“ Canon 7D zeichnet auch in 25 fps auf. Das ist ein großer Vorteil und für den „Semi-Profi“ ­allein schon Grund genug, zu dieser günstigeren Kamera zu greifen. Dafür ist die Bildqualität etwas schlechter als bei der 5D.

Schärfentiefe

Der wichtigste Anreiz, auf einer digitalen Spiegelreflexkamera zu drehen, ist die Eigenschaft, Videobilder mit einer extrem geringen Schärfentiefe zu ermöglichen. Schärfentiefe ist die Tiefe, also die messbare Länge des scharfen Bereichs innerhalb eines Bildes. Dieser kann unendlich viele Meter (Landschaftsaufnahmen) bis zu wenige Millimeter (Porträts) betragen. Generell gilt, dass gerade professionelle Videofilmer die große Schärfe ihrer Bilder bedauern, da diese „Videoästhetik“ weniger hochwertig wirkt. Bisher hat man sich mit allerlei Tricks beholfen – es gibt aufsetzbare Vorsätze, Software und Filter –, aber das sind nur schwache Kompromisse. Digitale Spiegelreflexkameras haben die nötige Ausstattung an Bord, um auf einen Schlag die improvisierten Systeme abzulösen.
Bei einer ersten Besprechung beschließen Regisseur und Kameramann daher, bei jeder Aufnahme möglichst mit offener Blende zu drehen, um die geringste Schärfentiefe zu erreichen und den größten Vorzug der Kamera voll auszunutzen. Der britische Kameramann Philipp Bloom hat auf seiner Website Videos von der Canon 5D und 7D veröffentlicht, die gerade die Lowlight-Fähigkeiten der Kameras und das Spiel mit der geringen Schärfe eindrucksvoll demonstrieren (www.philipbloom.co.uk).

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