Final Cut Pro X: Apple gibt einzelnen Kunden Geld zurück

Florian Matthey
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Die Enttäuschung vieler professioneller Kunden über Final Cut Pro X scheint Wirkung zu zeigen: Zumindest in einigen Fällen ist Apple der Forderung einzelner Kunden nachgekommen, ihnen den Kaufpreis für die Software zu erstatten. Der Produktdesigner der früheren Apple-Software Shake glaubt derweil, dass Apple der Profi-Markt relativ egal ist.

Geld zurück für “unzulängliche” Software

Verschiedene Quellen berichten über Erstattungen für den Kaufpreis, den Kunden im Mac App Store für Final Cut Pro X* bezahlt haben. Ebenso interessant wie die Erstattung der 239,99 Euro beziehungsweise 299,99 US-Dollar ist das Anschreiben eines Apple-Support-Mitarbeiters, das AppleInsider veröffentlichte: Der für den App Store zuständige Mitarbeiter äußerte sein Verständnis dafür, dass “Final Cut Pro X nicht so gut funktioniert wie die letzte Version” und einige Aspekte fehlten, die Benutzer in der letzten Version schätzten. Er wisse, wie frustrierend es sei, gutes Geld für etwas zu bezahlen, das dann nicht so wie erwartet funktioniert.

Nach der Ankündigung, dass das Geld auf die Kreditkarte des Final-Cut-Kunden zurückgebucht würde, entschuldigt sich der Mitarbeiter ausdrücklich für die “Unzulänglichkeit dieser Version von Final Cut Pro”. Der Kunde könne sich aber sicher sein, dass Apple immer daran arbeite, das Erlebnis im iTunes Store und mit Apple-Produkten zu verbessern. Über weiteres Feedback über das iTunes-Feedback-Formular freue sich Apple immer, auch wenn nicht alle Mitteilungen beantwortet würden.

XML-Importier-Code schlummert bereits in Final Cut Pro X

Eine der vielen Kritikpunkte, die Kunden an Final Cut Pro X äußern, ist die fehlende Möglichkeit, XML-Projekte früherer Versionen von Final Cut Pro zu importieren. Zumindest das könnte sich mit einem Update schon in naher Zukunft ändern: Der Importier-Code scheint bereits in der aktuellen Version vorhanden zu sein, nur hat Apple die Funktion – aus welchen Gründen auch immer – noch nicht aktiviert. Das Feature ist allerdings nur eines von vielen, die Profi-Kunden fehlen: Unter anderem wünschen sie sich noch die Unterstützung von Edit Decision Lists (EDL), Open Media Framework Interchange (OMF), die Möglichkeit, mehrere Bearbeitungs-Sequenzen in einem Projekt zu haben, die Wiedereinführung des Multicam-Bearbeitungs-Tool sowie einiges mehr.

Im Gegensatz zu früheren Versionen baut Final Cut Pro X nicht auf den Vorgängern auf, stattdessen handelt es sich um eine vollkommen neu entwickelte Software. Das könnte ein Grund sein, warum einige Funktionen fehlen, die Apple aber möglicherweise in zukünftigen Updates wieder hinzufügen möchte. Eine ähnliche Strategie verfolgte das Unternehmen vor einigen Jahren mit iMovie ’08, das ebenfalls eine vollständige Neuentwicklung war. Im aktuellen Zustand sehen viele Kritiker aber auch eine andere Parallele zu Apples Verbraucher-App: Final Cut Pro X sei letztendlich nur ein “iMovie Pro”.

Früherer Shake-Produktdesigner: Apple kümmert der Profi-Markt nicht

Dem früheren Shake-Produktdesigner Ron Brinkmann zufolge ist das alles kein Zufall. Apple hatte den Entwickler der Compositing-Software Shake, Nothing Real, im Jahr 2002 übernommen, die Weiterentwicklung der Software dann aber im Jahr 2009 eingestellt. An diese Situation fühlt sich Brinkmann nun erinnert: Auch, wenn die Situationen damals und heute nicht vollständig vergleichbar sind, sieht er nun doch einen Anlass, seine Einschätzung von Apples Gedankengängen in einem Blog-Eintrag mitzuteilen.

Seinerzeit habe Apple die Shake-Mitarbeiter nach und nach anderen Projekten zugeordnet und die Entwicklung der Profi-Software dann komplett eingestellt. Schon damals stellten viele die Frage, ob Apple sich denn nicht auch um den Profi-Markt kümmere. Brinkmanns Antwort: “In einem Wort: Nein. Nicht wirklich. Nicht genug, um sich darauf als Primär-Business zu konzentrieren.” Letztendlich lasse sich das aber auch wirtschaftlich erklären: Für eine High-End-Editing-Software für rund 1000 US-Dollar gebe es vielleicht 10.000 potentielle Kunden, für ein erschwinglicheres Tool mit weniger Funktionen für rund 300 Dollar liege die Zahl viel höher.

Darüber hinaus habe es Apple heute für Prestigezwecke nicht mehr nötig, sagen zu können, dass die Effekte der Filme wie die “Herr der Ringe”-Trilogie auf einem Mac mit Shake entstanden sind. Apple wolle heute nicht mehr vermitteln, dass die absoluten Profis große Hollywood-Blockbuster mit Macs produzieren, sondern dass Benutzer zu Hause schöne Filme mit ihrem Mac erstellen können. Darüber hinaus seien Profi-Kunden ohnehin stressig für ein Unternehmen. Vor der Übernahme durch Apple habe das Shake-Team zu 90 Prozent auf das Feedback der Kunden geachtet. So arbeite Apple aber nunmal nicht.

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