Es war einmal … so könnte die Geschichte von Blade Runner anfangen, zumindest in der ursprünglichen Kinofassung. Seit dem Directors Cut passt das Ende besser zu der düsteren “Detektivgeschichte”, die sich zum Klassiker des Science Fiction-Films mauserte. Regisseur Sir Ridley Scott schuf um die Widersacher Harrison Ford und Rutger Hauer eine grandiose Vision von Los Angeles im Jahr 2019.

Orient trifft Okzident in einem verfallenen Schmelztiegel, die visuelle Ästhetik, die zwischen 40er Jahren und „irgendwann in der Zukunft“ liegt, setzte Maßstäbe.

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Welche Maßstäbe das auch sind, wissen Mac-Fans – direkt nach Blade Runner drehte Scott den Einführungs-Werbespot für den Macintosh, 1984, der bei der Ausstrahlung beim Super Bowl 1983 wie ein bunter Hammer in die graue Computerwelt einschlug. Dem Thema bleibt der Regisseur treu, nach dem Orwell-Thema arbeitet Scott zur Zeit an einer Verfilmung des Huxley-Romanes „Schöne neue Welt“.

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Eigentlich muss man über zweieinhalb Filme sprechen: Ridley Scott drehte 1979 mit der Science-Fiction/Horror-Mischung Alien ebenfalls einen Klassiker, der an den Kinokassen überaus erfolgreich war. Drei Jahre später folgte Blade Runner, der an diesen Erfolg nicht anschließen konnte. Woran das genau liegt, kann man heute nur mutmaßen. Ridley Scott hat vielleicht eine eigene Erklärung dazu, denn Voice Over und ein angehängtes Ende, in dem Filmmaterial aus dem Kubrick-Klassiker Shining Verwendung fand, waren seine Zugeständnisse an die Wünsche der Produzenten – im Directors Cut, der 1992 in die Kinos kam, fehlen Voice Over und Ende. Aber da war der melancholisch-düstere Streifen mit der kongenialen Musik von Vangelis schon zum Kultfilm avanciert. Im Jahr 2007 hat Warner Brothers dann den Final Cut veröffentlicht, im Gegensatz zum hastig erstellten Directors Cut dieses mal auch in Zusammenarbeit mit Ridley Scott.

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Blade Runner basiert auf dem Roman von Philip K. Dick „Träumen Androiden von elektrischen Schafen?“, ein Drehbuch von William Burroughs fand keine Verwendung – lediglich den Titel übernahm Scott. Die Androiden heißen im Film Replikanten, die in den neuesten Entwicklungen kaum mehr von Menschen zu unterscheiden sind. Einer schafft es doch, der Blade Runner Rick Deckard, dargestellt von Harrison Ford. Sein Job ist es, entflohene Replikanten ausfindig zu machen und zu beseitigen.

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Um die künstliche Herkunft herauszufinden, wendet Deckard ein Testverfahren an, in dem er besonders Augenmerk auf die Reaktion der Iris legt. Er lernt eines der neuesten Modelle kennen, Rachael, der man künstliche Erinnerungen programmiert hat: Erlebnisse in der Kindheit, Bilder von Regentropfen, die an der Fensterscheibe herabrinnen. Sie weiß nicht, dass sie ein „künstlicher Mensch” ist. Deckard erhält den Auftrag, einige auf die Erde geflohene Replikanten aus der Nexus-6-Serie „in den Ruhestand zu schicken”. Unter Leitung von Roy Batty, (Rutger Hauer) versuchen sie, die künstlich beschränkte Lebenserwartung von vier Jahren zu überwinden.

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Während man auf DVD die Auswahl hat, ist man bei iTunes auf Gedeih und Verderb dem Final Cut „ausgeliefert”. Grund genug, die Unterschiede kurz zu beleuchten. Der Final Cut soll nun die endgültige Fassung des Filmes sein, sie basiert auf dem Directors Cut und enthält damit zum Beispiel die Einhorn-Sequenz, die am Schluss eine große Rolle spielt. Einige eher überflüssige Einstellungen sind hinzu gekommen, die den Film etwas verlangsamen. Tatsächlich “Neues” sieht man hingegen kaum – was zu begrüßen ist, eine kurze Einstellung mit zwei asiatischen Tänzerinnen hätte auch weiterhin fehlen dürfen und wirkt wie der verzweifelte Versuch, irgendwo noch Material reinzupressen.

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Eine Gewaltszene hat Scott ausgeweitet, die schon in der ersten Fassung ungemütlich war – nun passt sie besser in einen Splatterfilm als in Blade Runner. Das Bild hat das Studio überarbeitet, es glänzt und steht einer aktuellen Produktion nicht nach – von fortgeschrittenem Alter keine Spur, dafür wirkt das Bild vielleicht etwas zu glatt.

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Licht und Schatten auch bei der Tonspur, Directors- und Final Cut hat man neu synchronisiert:-Trotz teilweise gleicher Sprecher wirkt die erste Synchronfassung eindrucksvoller und dynamischer. Zumindest in der deutsch Fassung sind auch die Voice Over hörbar, während Harrison Ford sie im Original angeblich ziemlich lustlos eingesprochen haben soll.

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Was derzeit einige Fans am meisten zu wünschen scheinen, wäre eine Art Remix, in der man sich für das Happy- oder Bad-End enstcheiden kann. Für heutige Sehgewohnheiten mag der Film doch einige Längen haben; ein reiner Action-Film war Blade Runner aber noch nie, sein Thema, die Fragen nach Identität, Wert und Achtung des Lebens sowie die Frage nach der Erinnerung stehen im Mittelpunkt.

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Apple bietet Blade Runner: Final Cut lediglich als Kauf-Film für 7,99 Euro an. Als Sprachen sind Deutsch und Englisch verfügbar, der Download für die fast zwei Stunden Spielzeit ist 2,11 Gigabyte groß. Noch mehr Material findet man zum Beispiel als Video-Podcast zur UK-DVD und auch die Filmmusik von Vangelis liegt inzwischen als eine Art Final Cut vor, die erste CD enthält den Original-Soundtrack von 1994 – bei iTunes auf drei Stücke gestutzt.

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