Glyphs: Buchstaben bauen

Katharina Sckommodau
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Eine Schrift funktioniert dann, wenn sie ein ausgewogenes Schriftbild zeigt und dabei gut lesbar ist. Bei der Entwicklung eigener Schriften hilft das Programm Glyphs.

Die eigene Hausschrift gestalten? Dafür gibt es das Programm Glyphs*. Grundsätzlich sollte der Anwender einen guten Blick für die Ästhetik der Buchstaben mitbringen. Das Kreieren der Lettern funktioniert mit Glyphs zwar mehr oder weniger rein optisch, Kenntnisse von Fachbegriffen wie Serife, Kehlung oder Versalhöhe sind jedoch hilfreich.

Beim Programmstart zeigt das Bearbeitungsfenster zunächst Stellvertreter aller Buchstaben in eigenen Feldern. Links befindet sich eine in die Oberfläche integrierte Palette, über die einzelne Gruppen gewählt werden, etwa Ziffern, Symbole oder Sprachen. Eine weitere schwebende Palette liefert Einstellungen zum Zeichnen der Buchstabenformen.

Buchstaben erstellen

Per Doppelklick auf ein Zeichen öffnet sich die Arbeitsfläche in einem extra Register. Die Werkzeuge zum Zeichnen der Schrift oberhalb der Arbeitsfläche sind nun aktiv. Zur Verfügung stehen ein Auswahlwerkzeug, Zeichen- und Formwerkzeuge sowie weitere Werkzeuge zum Rotieren, Abmessen, Verschieben und zum Zoomen. Ebenfalls ein Textwerkzeug ist hier angesiedelt. Wer bereits Buchstabenformen in Illustrator entwickelt hat, kann diese in Glyphs importieren und dort weiter bearbeiten.

Buchstaben bearbeiten

Steht die Grundform der Glyphe, wird deren Aussehen verfeinert. Die einzelnen Optionen dazu stehen auf der schwebenden Palette bereit: So gibt es die Dimensionen, die die wichtigsten Maße einer Glyphe speichert und für die weiteren Buchstaben zur Verfügung stellt. “Fit Curve” hilft dabei, saubere und einheitliche Kurven zu zeichnen. Ebenen dienen dazu, Variationen der Glyphen zu erstellen und der unterste Bereich der Palette ermöglicht exakte Transformationen.

Weitere Funktionen sorgen dafür, einzelne Bestandteile einer Glyphe zusammenzusetzen, Überlappungen zu entfernen oder die Ecken gleichmäßig abzurunden. Beim Gestalten lassen sich mehrere Ankerpunkte und deren Steuerlinien zugleich bearbeiten, um beispielsweise eine einheitliche Stärke der Buchstaben zu gewährleisten.

Schriftzeichen für andere Sprachen ergänzt das Programm automatisch. Profis finden eine offene Programm-Architektur vor. So ist es möglich eigene Werkzeuge, Filter oder Paletten per Python oder Cocoa zu entwickeln und zu integrieren.

Export

Die Schriftsätze können im OpenType Schriftformat gespeichert werden. Glyphs verwendet zum Kompilieren das Adobe Font Development Kit für OpenType. Handelt es sich um eine Schrift mit verschiedenen Schnitten auf Ebenen, werden diese ebenfalls exportiert. Auch der Export von Schriften aus Fotos ist möglich. Zugrunde liegen RGB-Bitmaps mit Alpha-Kanal. Solche Schriften werden dann als .phf exportiert.

Fazit

Die Bedienung des Programms zeigt sich recht intuitiv, auch Anfänger kommen schnell zu einem Ergebnis. Die vielen Funktionen helfen gut beim Erzeugen eines einheitlichen Schriftbildes. Grundsätzlich ist es jedoch sehr zeitaufwändig, einen kompletten Zeichensatz mit allen Glyphen zu entwickeln.

Glyphs ist im App Store* für 239,99 Euro zu haben.
Voraussetzung: Mac OS X 10.6.6 oder neuer

Vorteile
+ Übersichtliche Oberfläche
+ viele Funktionen die beim Erstellen von Schriften helfen

Nachteile
- keine deutsche Hilfe

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