iBooks Author: eBooks dürfen nur im iBookstore verkauft werden

von

Am 19. Januar stellte Apple ein neues Programm für eBook-Autoren vor, welches die Veröffentlichung digitaler Werke kinderleicht macht. iBooks Author ist kostenlos im Mac App Store erhältlich. Das ist erfreulich, doch gibt es eine etwas versteckte Spielregel. Apple verlangt, dass alle Werke über den iBookstore verkauft werden.

iBooks Author: eBooks dürfen nur im iBookstore verkauft werden

Der „Lizenzvertrag“, den man sowohl auf der Übersichtsseite des Programms im Mac App Store, als auch innerhalb des Tools selbst unter „Über iBooks Author“ findet, ist unmissverständlich. Dort heißt es unter anderem:

B. Verteilung Ihres Werks.

Als Bedingung dieser Lizenz und unter der Voraussetzung, dass Sie deren Bestimmungen einhalten, darf Ihr Werk wie folgt verteilt werden:
(i) wenn Ihr Werk kostenlos (ohne eine Gebühr) bereitgestellt wird, haben Sie das Recht, das Werk mit jeglichen verfügbaren Mitteln zu verteilen;
(ii) wenn Ihr Werk gegen eine Gebühr (einschließlich als Teil eines Produkts oder Diensts auf Abonnementbasis) verteilt wird, dürfen Sie das Werk nur durch Apple verteilen, wobei diese Verteilung den folgenden Einschränkungen und Bestimmungen unterliegt: (a) Sie sind verpflichtet, einen separaten, schriftlichen Vertrag mit Apple (oder einem Partner oder Tochterunternehmen von Apple) zu schließen, bevor eine kommerzielle Verteilung Ihres Werks erfolgen darf; und (b) Apple hat das Recht, Ihr Werk aus jeglichem Grund und nach eigenem Ermessen nicht zur Verteilung auszuwählen.

(Anm. d. Red.: Hervorhebung stammt von uns)

Alle eBooks also, die mithilfe von * erstellt werden, dürfen ohne Einschränkungen kostenfrei verteilt werden. Über welche Kanäle, ist Apple egal – sei es die eigene Webseite, einen anderen eBook-Store oder via Spam-Mail an alle, deren Nachname mit K beginnt.

Anders sieht es aber bei Werken aus, die „gegen eine Gebühr verteilt“ werden. Für diesen Fall behält Apple sich vor, die Verteilung über den eigenen iBookstore zu verlangen. Diese Einschränkung wird nicht mit technischen Mitteln durchgesetzt. Das heißt, das Exportformat von iBooks Author (.ibooks) ist nicht durch irgendwelche besonderen Sicherheitsmechanismen geschützt.

So sind John Gruber und die bekannte Entwicklerin Erica Sadun der Meinung, die exportierte .ibooks-Datei bestehe ganz einfach aus HTML5-Code und könne ohne weiteres in das übliche ePub-Format umgewandelt werden.

Der Hersteller verlässt sich also allein auf die Gültigkeit seines „Lizenzverrtages“. Auch Apple weiß, dass den kaum jemand liest. Daher prangt der Hinweis auf den oben zitierten Passus auch zusätzlich noch etwas prominenter in der Programm-Beschreibung des Mac App Store – allerdings nur in englischer Sprache: „Bücher dürfen nur durch den iBookstore verkauft werden; dies unterliegt weiteren Bedingungen.“

Viele Kommentatoren halten diese Regelung gelinde gesagt für äußerst problematisch. So ist Dan Wineman der Ansicht, dass es sich bei den Lizenzbedingungen für iBooks Author um eine unzulässige Erweiterung des Vertragsverhältnisses zwischen ihm und Apple handelt.

Ed Bott vergleicht den Passus mit einer fiktiven Regelung in Microsofts Präsentations-Software Powerpoint, die dem Hersteller 30 Prozent aller Umsätze zuspricht, die durch bezahlte Vorträge erwirtschaftet werden.

Doch gibt es (mindestens) einen entscheidenden Unterschied, den dieser Vergleich nicht berücksichtigt: Apples iBooks Author ist kostenlos. Zudem ist das Programm nicht die einzige Möglichkeit, eBooks im iBookstore zu verkaufen. Schließlich ist laut Apple lediglich Voraussetzung, dass Werke im ePub-Format bereitgestellt werden.

Beliebige andere Editoren, wie Adobe InDesign, QuarkXPress und nicht zuletzt auch Apples *, produzieren ebenso valide ePub-Dateien. Diese akzeptiert Apple genau wie solche, die mit iBooks Author erstellt wurden.

Was bleibt, ist ein übler Nachgeschmack. Das Gefühl eines „untergejubelten“ Lizenzvertrages, in dem der geneigte Leser Regeln findet, die er so nicht unbedingt erwartet hätte. Apples Motivation ist nicht schwer zu erraten: Wenn der Hersteller schon ein so intuitives und einfaches Tool zur Erstellung fantastischer, interaktiver eBooks zur Verfügung stellt, will er bitte schön auch an den Umsätzen beteiligt werden, die mit den Erzeugnissen dieses Werkzeugs erzielt werden.

Schließlich lauert die direkte Konkurrenz in diesem Bereich hinter keinen anderen Türen als denen von Amazon und Google – zwei Wettbewerber, die Apple bereits an diversen anderen Fronten gegenüberstehen. Nicht zuletzt im Tablet-, beziehungsweise Smartphone-Markt tritt Apple gegen ebendiese Konzerne an.

Weitere Themen: eBooks, Apple


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA APPLE

Anzeige
GIGA Marktplatz