Der ICQ Chat: einfach erklärt

Marco Kratzenberg

Der ICQ-Chat zählt, zumindest bei sehr jungen Menschen, zu einer der beliebtesten Anwendungen weltweit. Das liegt unter anderem daran, wie einfach das Programm zu benutzen ist. Direkt nach dem ICQ Download besorgt man sich eine ICQ-Nummer und schon kann es losgehen! Doch wie funktioniert das eigentlich? Was kostet es? Und welche Gefahren lauern beim ICQ Chat? Das alles wollen wir an dieser Stelle mal etwas beleichten.

Der ICQ Chat: einfach erklärt

ICQ Chat – die Geschichte

ICQ ist ein gutes Beispiel für eine sehr erfolgreiche Eigeninitiative junger Menschen. Vier israelische Studenten gründeten 1996 die Firma Mirabilis und ihr einziges Produkt war der allererste Internet Messaging Dienst mit dem Namen ICQ. ICQ hört sich an wie “I seek you”, was “Ich suche Dich” bedeutet. Und genau diese Fähigkeit war – lange vor Facebook und Co – eines der größten Highlights dieses Programms. Man konnte in der globalen Suchfunktion Freunde und Bekannte finden, wenn diese sich mit ihrem Namen oder ihrer Emailadresse angemeldet hatten, um dann sofort einen ICQ Chat mit Ihnen zu starten.

Ursprünglich sollte dieses Projekt den vier jungen Männern einen Job verschaffen, da sie alle arbeitslos waren. Was sie da eigentlich geschaffen hatten, wurde ihnen schnell klar und die Lorbeeren dafür strichen sie schon zwei Jahre später ein. Im Jahr 1998 kaufte der amerikanische Onlinekonzern AOL den ICQ Chat für einen Betrag von 407 Millionen(!) Dollar.

Für AOL war der Kauf allerdings kein Erfolgsmodell. Man hatte sich wohl eine große Kundenbindung und gute Werbeeinnahmen versprochen. AOL Time Warner gab 2005 sogar bekannt, dass man ein Patent für Instant Messaging bekommen hätte. Doch bereits im Jahr 2010 stieß AOL den ICQ Chat bereits wieder ab – mit Verlust. Der neue Eigner musste nur noch 187,5 Millionen Dollar dafür zahlen.

Der neue russische Besitzer, der mittlerweile in Mail.ru umbenannt wurde, ist eine russische Investmentgruppe, die zu den größten im russischen bzw. osteuropäischen Markt gehört. Neben dem ICQ Chat betreibt die Firma das größte russische Mailportal und ist mit einem beträchtlichen Investment u.a. auch an Twitter beteiligt, hat Anteile am Spielehersteller Zynga und seine Finger auch in Groupon.

ICQ Chat – der Zugang

Im Wesentlichen gibt es drei verschiedene Arten, am ICQ Chat teilzunehmen. Es geht z.B. ganz ohne zusätzliche Software, indem man eine entsprechende Webseite zum ICQ online Chat im Browser aufruft. Das ist u.a. dann praktisch, wenn man auf einem PC keine Programme installieren darf oder sich z.B. im Ausland befindet und mittels ICQ Chat Kontakt zu seinen Freunden halten will.

Die meisten werden den ICQ Chat allerdings mit Sicherheit über das ICQ-Programm durchführen. Den ICQ Download gibt es für Windows, Linux und den Mac. Die letzte Mac-Version stammt allerdings aus dem Jahr 2002 und wurde seitdem nicht mehr aktualisiert.

Und schließlich gibt es noch verschiedene Anwendungen bzw. Apps für die verschiedenen Smartphones und Pocket-PCs. Der ICQ Chat steht also auf Android genauso zur Verfügung, wie etwa auf dem iPhone oder iPad.

Die Gefahren des ICQ Chat

Der ICQ Chat ist als Software speziell auf den Computern von Jugendlichen sehr häufig zu finden. Neben dem bloßen Chat nutzen sie besonders gern auch die Möglichkeit, sich gegenseitig Fotos oder Musikstücke zuzusenden. Gerade letzteres stellt in der Regel eine Verletzung des Urheberrechts dar und sollte von den Eltern kritisch betrachtet werden.

Doch viel größere Gefahren gehen von Viren aus, die über den ICQ Chat den Rechner erreichen. Immer wieder werden Viren und Trojaner entdeckt, die speziell auf den Chat Dienst zugeschnitten sind. Angebliche Fotos werden verteilt, hinter denen sich in Wirklichkeit ausführbare Programme verbergen. Da aber dummerweise die Standardeinstellung unter Windows immer noch so ist, dass bekannte Dateiendungen ausgeblendet werden, merkt niemand, wenn die angebliche Bilddatei tatsächlich ein Bildschirmschoner ist, der Schnüffelsoftware enthält.

Die Tricks der Virenprogrammierer sind da sehr raffiniert und durch das unsichere Ausführungskonzept von ICQ werden sie noch unterstützt. Sobald der Wurm angekommen ist und ausgeführt wurde, übernimmt er die Kontrolle. Er versendet sich unbemerkt selbsttätig an alle Kontakte der Messenger-Liste und da die Nachricht ja scheinbar von einem Freund stammt, wird sie auch geöffnet – und der Kreis geht weiter.

Generell sollte man seinen Kindern – aber auch sich selbst – einimpfen, nicht jede Kontaktanfrage sofort zu bestätigen. Es haben sich ganze Gaunerökonomien gebildet, die automatisch mit Störprogrammen ICQ-Nummern abklappen, um jeden Teilnehmer des ICQ Chat anzuschreiben und ihnen auf diesem Weg Viren unterzujubeln. Diese sollen dann im Hintergrund Bankdaten und andere Kreditdaten ausschnüffeln, mit denen die Gangster ihr Geld machen.

Eine Gefahr ganz anderer Art sind Pädophile, welche die Anonymität des ICQ Chat nutzen, um sich an Kinder heranzumachen. Oft genug verbreiten die Kinder auf allem möglichen Webseiten, wie etwa SchülerVZ, ihre ICQ Nummer und diese Kriminellen erschleichen sich dann das Vertrauen der Kinder. Sie geben sich als Gleichaltrige aus, tauschen Fotos aus und in einigen Fällen kam es sogar schon zu Treffen und sogar zu sexuellen Übergriffen.

Das ist natürlich nicht dem ICQ Chat anzulasten. Aber Eltern sollten schon aufpassen, was die Kinder sich da eigentlich installieren. Und es kann nicht schaden, die ganzen Sicherheitseinstellungen mal mit dem Kind zusammen durchzugehen und außerdem den Kindern einzuschärfen, worauf sie achten sollen und was verboten ist.

Dann aber bietet der ICQ Chat eine wundervolle, kostenlose Möglichkeit, mit seinen Freunden auf der ganzen Welt in Verbindung zu bleiben. Egal ob im Browser, in der ICQ Software oder auf einem Handy.

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