WLAN und Bluetooth mit iOS 11: Was von der Aufregung zu halten ist

Florian Matthey
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Eine Neuerung des iOS 11 sorgt für viel Aufregung: Wer im Kontrollzentrum Bluetooth und WLAN ausschaltet, deaktiviert die Drahtlosfunktionen nicht wirklich. Manche sehen schon einen Angriff auf die Privatsphäre – dabei gibt es für das Feature gute Gründe.

WLAN und Bluetooth mit iOS 11: Was von der Aufregung zu halten ist

iOS 11: Kontrollzentrum-Änderung sorgt für „Aufschrei“

Ein unscheinbares Apple-Support-Dokument erhitzt die Gemüter: Apple informiert seine Kundschaft über eine mit iOS 11 eingeführte Änderung. Wer im Kontrollzentrum des neuen Betriebssystems WLAN oder Bluetooth deaktiviert, sorgt dafür, dass Verbindungen zu WLAN-Netzwerken und Bluetooth-Zubehör beendet werden. Neu ist allerdings, dass die WLAN- und Bluetooth-Funktionen selbst aktiv bleiben.

Das heißt: Um WLAN und Bluetooth wirklich auszuschalten, muss der Benutzer zunächst die Systemeinstellungen aufrufen. Wer die beiden Funkstandards dort deaktiviert, schaltet die Funktion des iPhone oder iPad wirklich aus, sodass dem Gerät kein Datenaustausch mehr möglich ist.

Der Grund, warum sich viele an dieser Neuerung stören, ist der Verdacht, dass das Gerät weiterhin unbemerkt Daten mit Geräten in seiner Umgebung austauschen kann. Will Apple verhindern, dass Benutzer die Funktionen ihres iPhone tatsächlich ausschalten, um Zugriffe auf ihre Daten zu ermöglichen? Dass Menschen in Zeiten nach dem NSA-/PRISM-Abhörskandal solche Gedanken kommen, ist verständlich. In diesem Fall ist es aber nicht wirklich begründet.

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Apple ist bekannt für hohes Datenschutzniveau

Denn: Es gibt viele Punkte, wo Kritik an Apple angebracht ist, aber nicht in Sachen Datenschutz. Das Unternehmen hängt den Schutz der Daten seiner Kunden so hoch, dass es sich Ärger mit der Werbebranche ins Haus holt und – anders als die Konkurrenz – Kompromisse beim Funktionsumfang eines so wichtigen Produkts wie Siri eingeht. Auch betreibt kaum ein anderer Hersteller so viel Aufwand beim sicheren Abspeichern des Fingerabdrucks oder – neuerdings – des Gesichts des Benutzers. Man beachte auch die Vehemenz, mit der Apple sich weigerte, das iPhone 5c eines Terroristen für das FBI zu entschlüsseln – zum Wohle des Datenschutzes aller Benutzer.

Änderung soll Benutzung anderer Features erleichtern

Der Grund für die Neuerung im iOS 11 ist ein anderer: Apple möchte den Kunden die Benutzung anderer Features erleichtern. Wie das Unternehmen selbst im Support-Dokument verrät, ist es nach der „Deaktivierung“ von WLAN und Bluetooth über das Kontrollzentrum weiterhin möglich, die Funktionen AirDrop, AirPlay, Integrationsfunktionen wie „Handoff“ und „Instant Hotspot“ sowie über WLAN präzisierte GPS-Ortungsdienste zu verwenden.

Außerdem kappt ein komplettes Abschalten von WLAN und Bluetooth auch die Verbindungen zum Apple Pencil und zur Apple Watch. Apple will Kunden also die Möglichkeit bieten, Verbindungen zu WLAN- und Bluetooth-Netzen zu kappen, weiterhin aber iPhone- und iPad-Zubehör zu verwenden. In Zukunft dürfte ohnehin noch mehr solches Zubehör dazu kommen – man denke an die Gerüchte um eine Apple-AR-Brille. Mehr über die neuen AR-Funktionen des iOS 11 und weitere Features erfahrt ihr in unserem Video:

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Fünf Top-Features in iOS 11

Möglicherweise hätte Apple für noch mehr Transparenz sorgen können: Beispielsweise könnte das Betriebssystem selbst den Benutzer mit einer einmalig eingeblendeten Meldung darüber informieren, wie er WLAN und Bluetooth wirklich komplett ausschaltet. Immerhin lesen die wenigsten Kunden regelmäßig Apple-Support-Dokumente. Der „Aufschrei“, der aktuell auch durch Nicht-IT-Medien geht, ist aber wohl übertrieben.

Quelle: Apple

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