iOS 6 äh, jou, – is ok.

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Ab Herbst wird iOS 6 unsere iPhones und iPads prägen. Am Montag hat Apple das Betriebssystem auf der WWDC vorgestellt. Und freuen wir uns auf das Update? „Hm, jou, warum nicht. Is ok.“ Überschäumende Freude klingt anders.

iOS 6 äh, jou, – is ok.

Die Hardware, die muss gut sein. Mein iPhone 4S ist gut. Alles weitere erledigt das Betriebssystem, es ist für den Großteil des Könnens verantwortlich. Eine neue Software kann aus einem Gerät ein fast neues Produkt machen.

200-Funktionen-Déjà-vu

Vor iOS 6 müssen wir uns nicht fürchten: Wir werden unser iPhone wiedererkennen. Anders ausgedrückt: Die Änderungen sind verhalten, die Neuheiten übersichtlich.

200 neue Funktionen bringt das neue iOS – diesen Spruch habe ich schon mal gehört.

Genau, bei der Präsentation von iOS 5.

Das waren Benachrichtigungszentrale, kabellose Synchronisation, iCloud, Kamera im Sperrbildschirm. Ein Duzend weiterer Neuheiten war interessant, den Rest musste man mit der Lupe suchen. Die Neuheiten waren nicht weltbewegend, aber wichtig.

Wird es mit iOS 6 genauso sein?

Die Vorstellung am Montag rechtfertigt auf den ersten Blick lediglich eine verhaltene Vorfreude.

iOS ist alt-bewährt

Haben wir uns zu sehr gewünscht, dass Apple iOS neu erfindet? Das Betriebssystem ist in den Grundbestandteilen uralt. Mit dem ersten iPhone haben wahrscheinlich die wenigsten vorhergesehen, dass das Telefon so ein beliebtes Arbeitstool, so eine verbreitete Spieleplattform, so eine Medienmaschine, so ein leistungsfähiger Kraftprotz wird.

Gut, Ordner und Benachrichtigungszentrale bringen etwas Struktur in das angewachsene App-Chaos. Im Prinzip stammt iOS aber aus einer anderen Zeit und hat sich nicht wesentlich geändert.

Zu gut zum besser werden.

Und warum nicht? Weil es von Anfang an sehr gut war. Und wegweisend. Klar, dass man da weniger Ehrgeiz entwickelt, voranzukommen. Google musste mit Android erst aufholen.

Und schwups – hat Android in manchen Teilen iOS überholt.

Mit iOS 5 begann dann Apple, sich verstärkt Funktionen der grünen Konkurrenz abzuschauen. Ein Stichwort: Benachrichtigungscenter. Mit iOS 6 nimmt das seine Fortsetzung. Stichwort Sharing-Möglichkeiten, also die Integration von Facebook. „Die beiden Betriebssysteme Android und iOS gleichen sich in den Funktionen immer mehr an“, so sieht es auch mein Kollege Jens von GIGA \\ Android.

Neue Funktionen = neue Apps

Bei iOS 5 waren einige der neuen Funktionen eigentlich nur mitgelieferte Apps, die teilweise nicht mal neu waren. Zeitungskiosk, iMessage, Fotobearbeitung – alles schon dank anderen iOS-Entwicklern dagewesen. Allerdings hat Apple meist eine Besonderheit hinzugefügt, die die eigene Anwendung rechtfertigt.

Ähnlich bei iOS 6. Zum Beispiel gibt es so etwas wie Passbook schon – siehe die App .

Die bislang vorgestellten Highlights des Betriebssystems lassen sich an zwei Händen abzählen. Was brauchen wir davon?

  • Facebook-Integration: Ich brauche die Facebook-App, aber ich will das Netzwerk „unter Kontrolle“ halten. Integration im Betriebssytem? Nein, danke.
  • Siri: Wir haben bei uns in Europa noch nicht mal den Funktionsumfang, wie ihn die Amerikaner aktuell nutzen können. An ein intelligenteres deutsches Siri glaube ich erst, wenn ich es in den Händen halte.
  • Passbook
    ist nützlich, ersetzt im Prinzip aber nur andere Apps.
  • Maps: Klar will sich Apple von Google lösen. Ich hätte aber problemlos weiter auf Googles Karten setzen können. Die Navigation ist aber ein toller Bonus – zumindest für den, der noch kein Navi hat.
  • Shared Photo Streams: Ich habe genügend Freunde und Bekannte, die keinen iCloud-Zugang haben. Meine Fotos muss ich also weiterhin über andere Kanäle verteilen.
  • FaceTime über das Mobilfunknetz: Ich nutze Skype…
  • Mail und Safari: Ich begrüße jeden Schritt, die Browser und Mailprogramm „erwachsener“ werden lassen.
  • Telefonbutton: Nette Idee, das Ablehnen eines Anrufs sofort per SMS zu entschuldigen.
  • (Hier unsere Vorstellung von iOS 6)

Die Neuerungen sind nett und bringen iOS wieder einen Schritt nach vorne. Aber eben auch nicht mehr.

„Wenn man immer nur einzelne Sachen ändert, bleibt das große Ganze immer irgendwie gleich“, sagt Bob Mansfield, Hardware-Ingenieur bei Apple. „Aber wenn man bereit ist, alles neu zu machen, öffnet sich eine völlig neue Designwelt.“

Die wollte Apple mit iOS 6 also nicht öffnen.

Das hat uns noch gefehlt...

Akute Schwachstellen hat iOS nicht. Trotzdem fehlt uns etwas:

  • Wo bleibt das modernere Design?
  • Wo bleibt die Live-Ansicht, wie sie uns Microsoft für Windows Mobile schmackhaft macht?
  • Wo bleiben die Telefon-Profile, die jedes Uralt-Handy hat? Zum Beispiel: Im „Büro“ ist der Vibrationsalarm an, zu Hause der Klingelton, im Konzert spart das ausgeschaltete WiFi Strom. Und jetzt das Ganze bitte noch automatisch dank Lokalisation.
  • Wo bleibt Siri in allen Apps?
  • Wo bleibt ein vernünftiges Mailprogramm, auch für den intensiven Einsatz?
  • Wo bleibt die Verwaltung für mehrere Benutzer, vor allem auf dem iPad?

Und so weiter, und so fort.

Die Zeit für ein neues OS ist noch nicht gekommen

Sehe ich das MacBook Pro der „nächsten Generation“, mit Retina Display, denke ich mir: Yeah, Apple kann es noch. So tolle Technik, so solide, so schön und platzsparend verpackt. Da waren Ingenieure, Designer und Usability-Spezialisten erster Klasse am Werk.

iOS 6 wird dagegen nicht der große Wurf.

Vielleicht können wir sogar froh darüber sein. Denn: „Wenn Du etwas wirklich Neues entwickeln willst,“ sagt Apple-Designer Jony Ive, „fang bei Null an.“ Das hieße also: Ein komplett neues Betriebssystem.

Fazit: Bleiben wir lieber noch bei dem gereiften und vertrauten iOS, dem besten mobilen Betriebssystem. Mit der neuen Version wird es nicht schlechter, sondern noch ein kleines Stückchen besser.

Freuen wir uns also darauf. Zuviel erwarten dürfen wir allerdings nicht.

Bildmontage oben: Sven / Originalbild (Hund) Quelle: Flickr, Autor joshme17, veröffentlicht unter CC BY 2.0.

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