iOS 6 und Facebook: Böses Datenleck oder praktische Komfortfunktion?

von

Dank der tiefen Integration von Facebook in iOS 6 können Kontaktdaten aus dem Smartphone automatisch mit Facebooks eigenem Datenfundus abgeglichen werden. Dabei holt sich das iPhone fehlende Informationen, wie Fotos oder E-Mail-Adressen, aus den Facebook-Konten. Was wie Komfortfunktion aussieht, könnte auch Datenleck sein.

iOS 6 und Facebook: Böses Datenleck oder praktische Komfortfunktion?

Auf den ersten Blick mutet es etwas merkwürdig an, dass ein einfacher Abgleich scheinbar Privates zutage fördert, wie Fotos und E-Mail-Adressen. Ohne dass das Gegenüber das mitbekommt oder speziell einwilligen müsste. Doch wie sich herausstellt, haben alle Personen, bei denen der Kontakt-Abgleich neue Informationen hervorbrachte, in ihren Privatsphäreeinstellungen bei Facebook genau das erlaubt.

Dort findet sich nämlich unter dem Eintrag „Funktionsweise von Verbindungen“ die Einstellung, wer einen anhand von E-Mail-Adresse oder Telefonnummer finden kann. „Finden“ heißt in diesem Zusammenhang nämlich auch, dass iOS 6 sich, bewaffnet mit der Telefonnummer, auf die Facebook-Suche begeben und auf alle weiteren freigegebenen Daten zugreifen kann. So kommt es, dass plötzlich mehrere Kontakte mit Bildern, E-Mail-Adressen und Facebook-Verknüpfungen ausgestattet sind.

Das Szenario, das man bei dieser Funktion eigentlich im Auge hatte, war wohl folgendes: Man erhält von einer Person eine Telefonnummer — weiß natürlich, wer diese Person ist und wie sie aussieht — und holt sich über „Alle Kontakte aktualisieren“ ein paar Details aus dem Facebook-Konto der Person.

Leider kann man sich problemlos auch Situationen denken, in denen das nicht gewünscht ist. Nicht zuletzt kann man einfach wild irgendwelche Telefonnummern in einem neuen Kontakt anlegen, und darauf hoffen, irgendwann die dazugehörigen Daten von einem Facebook-Konto zu bekommen.

Ich selbst habe die Funktion heute erstmalig genutzt und prompt wurden 34 Kontakte mit neuen Informationen bestückt. Mit einigen davon bin ich nicht bei Facebook verbandelt, es werden also auch Daten von potentiell „wildfremden“ Personen herausgesucht. Sicherlich war sich davon nicht jeder einzelne über diese Vorgänge bewusst.

Welch abstruse Blüten dieses System tragen kann, zeigt sich am Beispiel des Kollegen Holger Eilhard. Er weilte, wie wir wissen, einige Zeit in San Francisco

und hat sich dort natürlich auch eine Mobilfunknummer besorgt. Diese gehörte früher offenbar jemand anderes, und diese Person hatte sie mit ihrem Facebook-Konto verknüpft.

Das Resultat: Als ich heute meine Kontakte „aktualisierte“, erschien in Holgers Kontakteintrag auf meinem iPhone plötzlich das Antlitz eben dieser Nummern-Vorgängerin. Ich überlege mir noch, ob ich es austausche.

Die Moral von der Geschicht' (für Kenner: “tl;dr”): Wenn ihr nicht wollt, dass Eure Daten von Facebook an Geräte mit iOS 6 weitergegeben werden, stellt die entsprechenden Einstellungen in dem sozialen Netzwerk so um, dass nur Freunde darauf zugreifen können. Das ist die Option mit der geringsten „Reichweite“.

Und seid gnädiger als ich es bin — erspart Euren Kontakten, ob Freund oder nicht, die Weitergabe ihrer Telefonnummern und E-Mail-Adressen an Facebook. Vielleicht sind sie damit nicht einverstanden.

iPhone-Display kaputt? Akku zu schnell leer? Kein Problem: Display oder Akku selbst tauschen mit den Komplettsets zur iPhone-Display-Reparatur oder dem iPhone-Akku-Wechsel von GIGA & Fixxoo!

iPhone

Weitere Themen: goto fail – CVE-2014-1266: Die SSL-Schwachstelle in OS X und iOS, Facebook


Kommentare zu diesem Artikel

Neue Artikel von GIGA APPLE

Anzeige
GIGA Marktplatz