Fu*k Apple: Autokorrektur bevormundet Nutzer

Sven Kaulfuss
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Unsere Leser mögen die plakative Überschrift verzeihen. Dennoch ist diese angebracht und passt wie die Faust aufs Auge. Der Grund: Apples Autokorrektur in iOS zeigt sich im Übermaße politisch korrekt – nicht nur bei eindeutigen Schimpfwörtern.

Fu*k Apple: Autokorrektur bevormundet Nutzer

Apples Autokorrektur war und ist stets für einen Lacher gut. Wörter werden nicht selten auf absurde Weise berichtigt, was im Falle einer flink geschriebenen Nachricht oftmals für Skepsis und Verwirrung beim Adressaten sorgt. Recht wortkarg hingegen zeigt sich der digitale Lektor bei einer Auswahl bestimmter Formulierungen. Beunruhigend: Betroffen sind nicht nur eindeutige Schimpfwörter.

Verbotene Worte: Realitätsentzug

Analysiert hat dies Michael Keller von The Daily Beast. Eine Reihe von Ausdrücken ignoriert Apples Autokorrektur. Ergo: Selbst bei minimalsten Tippfehlern, wird die richtige Schreibweise nicht angezeigt, Alternativen oftmals auch nicht angeboten. Kurz gesagt: Apple kennt diese Wörter nicht. Einige Beispiele: abortion (Abtreibung), rape (Vergewaltigung), ammo (Munition), bullet (Gewehrkugel), murder (Mord), virginity (Jungfräulichkeit), homoerotic (homoerotisch), marijuana (Marihuana), suicide (Selbstmord) und abduct (Entführung).

Allen gleich ist eine gewisse Brisanz im Wortsinn. Nichtsdestoweniger handelt es sich um gebräuchliche Formulierungen des Alltages. Diese werden dem User nun vorenthalten. Kurios: Freuen dürfen sich über diese politisch korrekte Spracherziehung ausschließlich englischsprachige iPhone- und iPad-Anwender. Deutschsprachige Apple-Nutzer sind hiervon nicht betroffen. Sowohl die oben erwähnten deutschen Entsprechungen, als auch zum Teil eindeutige Schimpfwörter sind dem „Schandmaul“ iOS bekannt – entscheidend ist also die Systemsprache von iOS. Ebenso erwähnenswert: Ältere iOS-Versionen (iOS 3.1.3) zeigen sich von der neuerlichen Sprachschule unbeeindruckt und enthalten auch „brisantes“ Wortgut.

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Kommentar: Apple-Neusprech

Ist ja nicht so wichtig. Viel Lärm um nichts. So oder so ähnlich dürften wohl viele Anwender auf diese Tatsachen reagieren – zu kurz gedacht. Apple, oder vielmehr die leicht schizophrene, amerikanische Gesellschaft, unternimmt den subtilen Versuch die eigene Sprache zu entwerten. Ein Neusprech frei nach Orwell steht am Ende dieses Vorhabens. Vielleicht sollte man sich dem entziehen, die Autokorrektur komplett abschalten, gute Bücher mit freien Worten lesen und auf die Scheinheiligkeit der PC (Political correctness) einen dicken Haufen setzen – Amen!

Quelle: The Daily Beast via TUAW.
Bildquelle: Man is showing fuck off with the middle finger von shutterstock

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