iOS 7: Warum wir eine neue iPhone-Bedienoberfläche bekommen (und warum das gut ist)

Das neue Betriebssystem von iPhone und iPad, das wohl unter dem Begriff iOS 7 laufen wird, soll auf der WWDC vorgestellt werden. Eine der wichtigsten Neuerungen dürfte das Design sein. Abschied vom Skeuomorphismus? Ja, bitte!

iOS 7: Warum wir eine neue iPhone-Bedienoberfläche bekommen (und warum das gut ist)

“Die Benutzeroberfläche des iPhones ist jetzt fünf Jahre alt”, bemerkte BlackBerry-Chef Thorsten Heins in einem Interview. Ein Marktteilnehmer, der keine Innovationen erschaffe, könne schnell ersetzt werden.

Mit Blick auf den Erfolg von BlackBerry kann man behaupten: Der CEO spricht aus Erfahrung. Und mit seinem Blick auf Apple hat Heins nicht unrecht: Apple muss sein iPhone-Betriebssystem entstauben und attraktiver als die Konkurrenz erscheinen. (Das Icon oben ist übrigens von uns, ein offizielles gibt es noch nicht.)

Ein Hauptaugenmerk für die Entwicklung von iOS 7 wird Apple deshalb auf Design und Bedienelemente (Userinterface) legen. Wie überdrüssig sind wir mittlerweile der (hell-)grauen Tastatur, wie unkomfortabel ist das Löschen der Mails, wie umständlich stellen wir das iPhone auf ein anderes Nutzungsprofil ein – um nur drei Beispiele zu nennen.

iOS 7-Design mit neuer Handschrift

Das neue Design wird sich an anderen Leitlinien orientieren, als bisher. Der einfache Grund: eine Personalie. Der bisherige iOS-Chef Scott Forstall ist nicht mehr im Unternehmen, stattdessen kümmert sich Designer Jonathan Ive um die Oberfläche des Betriebssystems. Ihre Ansichten sind so unterschiedlich, dass es Apple-intern sogar Streit gegeben haben soll.

Forstall ist Anhänger des Skeuomorphismus. Das heißt: Die Software-Oberfläche imitiert aus der realen Welt bekannte Objekte und Bedienelemente. Beispiel: Die iBooks-App zeigt ein Bücherregal, in dem die E-Books wie echte Bücher abgebildet sind.

Vorteil: Vor allem wenig computerversierte Nutzer finden sich zurecht, weil sie die Elemente wiedererkennen und die Funktionen schnell verstehen. Bestes Beispiel für Skeuomorphismus ist der Papierkorb in OS X, der klar darstellt: Hier werden Dokumente entsorgt. Andererseits kann die Übersichtlichkeit darunter leiden. Man muss sich nur mal in der Podcast-App die Top-Charts ansehen: Die Idee des Drehens wie bei einem alten Radio ist zwar nett, aber in der Bedienung völlig unpraktisch und langsam.

Skeuomorphismus, nein danke

Ive lehnt die Philosophie dieses Imitierens ab. Für ihn stehen Benutzerfreundlichkeit und klare Linien an erster Stelle. Überflüssiges wird beseitigt. Als seine erste Amtshandlung wird die Umgestaltung der “Hören”-Seite in der Podcast-App gesehen: Weg mit dem Tonband-Imitat zugunsten einer minimalistischen Oberfläche: Neben dem Cover sind nur die wichtigsten Steuerelemente enthalten, plus Fortschrittsbalken. Aufgehübscht mit einem leichten Farbverlauf, Grau zu Dunkelgrau. Wir sehen: Auch Minimalismus muss nicht langweilig und kalt sein.

Jetzt ist in iOS aber ein kleines Chaos ausgebrochen: Identische Symbole sind unterschiedlich gestaltet.

Wir stellen fest: Entweder ist Apple planlos, oder es ist etwas im Umbruch. Wohl eher letzteres.

Eine der ersten Apps, die konsequent ein minimalistisches Design durchzog: Clear. Wir haben die To-Do-Liste vor ziemlich genau einem Jahr vorgestellt:

Nachteil in diesem Fall: Wir müssen die Steuerung erst lernen, sie ist nicht so schnell zu verstehen.

Ein Extrembeispiel – denn eigentlich ist im skeuomorph-freien Design sogar mehr Platz für eine saubere Darstellung und große, Touch-taugliche Bedienelemente. Genau das ist der Vorteil an der neuen Design-Philosophie für iOS: Im Vordergrund steht die Bedienung – und nicht das Retro-Imitieren von Hardware aus vergangenen Zeiten.

Keine Radikalkur für iOS 7

Wird iOS 7 das Design des Betriebssytems vollkommen umkrempeln? Wohl nicht. Dem Wall Street Journal zufolge werden die Änderungen zumindest vorerst sehr konservativ ausfallen. Das heißt: Wir werden Änderungen wie jetzt schon in der Podcast-App zu sehen bekommen, aber iOS dennoch wiedererkennen. Das iPhone wird also nicht im Windows-8-Look erscheinen. Ive und sein Team müssen sich an ein neues mobiles Betriebssystem ranarbeiten.

Außerdem: Eine prinzipielle Abkehr von Skeuomorphismus-Elementen muss nicht sinnvoll sein. Im Detail, oder bei einer einzelnen Anwendung, ist die Anlehnung an reale Hardware durchaus angebracht. Zudem kann auf diese Weise einem minimalistischen Design – wo nötig – ein klein wenig Leben eingehaucht werden. Betrachten wir uns den Lautstärkebutton des Lockscreens, der bei Bewegung des iPhones reflektiert:

Selbst wenn iOS 7 keine einzige neue Funktion bekommen würde (was natürlich nicht der Fall ist) – wir sind sehr gespannt auf das neue Betriebssystem.

iOS 7-Icon: Flo. Bewegter Button: Ben. 

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Weitere Themen: iPhone 6, iPhone 5s, iPhone 5, iOS, WWDC 2014, goto fail – CVE-2014-1266: Die SSL-Schwachstelle in OS X und iOS, Apple

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