Mobile Werbung in Zukunft: “Persönlicher und kreativer”

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Viele Apps und andere Inhalte im Netz sind für den Konsumenten kostenlos. Damit das so bleiben kann, müssen die Entwickler und Autoren sich durch Werbung finanzieren. Was im Zeitalter des Smartphones mit mobiler Werbung passieren muss, damit sie relevant bleibt, darüber sprachen wir mit Jens Oberbeck von InMobi auf dem MWC 2013 in Barcelona.

Mobile Werbung in Zukunft: “Persönlicher und kreativer”

In einer Studie hat die Werbeplattform InMobi diese Woche gezeigt, dass mobile Werbung die Kaufentscheidung der Konsumenten heute immer stärker beeinflusst. Der durchschnittliche Nutzer verbringt demnach mehr als drei Stunden täglich online – über die Hälfte davon auf einem mobilen Endgerät. Für den deutschen Teil der Studie wurden 411 Nutzer aus dem InMobi-Netzwerk befragt.

Da geht es nicht nur um Apps oder sonstige digitale Inhalte. Auch für Anbieter physischer Waren werden mobile Plattformen immer wichtiger.

Die Frage ist also, was mobile Werbung leisten muss, um einerseits für den User interessant und relevant zu sein und andererseits das Image eines unliebsamen Datenstaubsaugers zu vermeiden?

Dazu erklärt Jens Oberbeck, verantwortlich für den Bereich D-A-CH bei InMobi gegenüber GIGA: „Das Hauptproblem aktuell ist, dass viel mit Standardbannern gearbeitet wird.“ Die sehen insbesondere auf dem iPhone und anderen eher kleinen Smartphones nicht sonderlich attraktiv aus.

„Ich vermute, dass einer der treibenden Faktoren für mobile Werbung „rich media“ sein wird. Große Animationen und Videos, nicht nur als Pre-Roll vor anderen Videos sondern als eigenständige Werbemittel“, so Oberbeck. Hierfür stellt InMobi eine Plattform zur Verfügung, mit der die Werbetreibenden selbst HTML5-Inhalte erstellen und verteilen können.

InMobi Studio nennt sich das Ganze und entsprang aus der Übernahme von Sprout im Jahr 2011. Wer sich noch an Steve Jobs Vorstellung von iAd erinnert: Dort wurde als Beispiel

für interaktive Werbung im Browser ein Sprout-Werbemittel gezeigt.

Soviel also zu interessanter Werbung. Aber was ist mit der Personalisierung, die relevante Informationen für den Nutzer bringen soll, statt wahlloser Anzeigen?

Dafür, erklärt Oberbeck, ist besonders die richtige Analyse der Informationen wichtig, die den Entwicklern und den Werbetreibenden zur Verfügung stehen. Ein brisantes Thema, schließlich geht es um persönliche Daten.

„Uns ist wichtig, herauszustellen, dass wir nur mit den Daten arbeiten, die der Nutzer uns freigibt“, versichert Oberbeck. Die Entwickler müssen ihrerseits dafür sorgen, dass diese Freigaben dem User mitgeteilt werden. Dass das nicht immer funktioniert, haben verschiedene Vorfälle bei WhatsApp, Path und anderen gezeigt.

InMobi ist also auch auf das Gewissen der Entwickler angewiesen. Daher begrüßt Oberbeck die Initiative Apples, solche Anwendungen aus dem App Store zu löschen, die zu tief in die Sphäre des Nutzers hineinspähen. Bei Android ist das nicht so einfach. Die Offenheit des Google Play Store und die einfachen Möglichkeiten, nach dem Rooten zum Beispiel systemweite Ad-Blocker zu installieren, machen es Autoren und Entwicklern schwerer.

Android-Nutzer „konvertieren nicht so gut, wie iOS-Anwender“. In der Werbesprache heißt das, sie sorgen für weniger Umsätze, klicken weniger oft auf Banner oder andere Werbemittel. Premium-Versionen von Apps verkaufen sich im iTunes App Store besser.

Neben diesen Unterschieden auf Ebene der Plattformen gibt es erhebliche Varianz basierend auf der Herkunft der Anwender. In Asien, so Oberbeck, werde zum Beispiel deutlich mehr Geld für In-App-Käufe ausgegeben. Auch Premium-Versionen kostenloser, weil werbefinanzierter Apps verkaufen sich sehr viel besser als hierzulande.

Der Gedanke, dass alles im Internet kostenlos sein muss, sei nicht mehr zeitgerecht. In unserem Tech-Podcast JFK haben wir über dieses Thema auch schon mehrfach gesprochen. Stets lautet der Hinweis an die Anwender: Wenn Du nicht der Kunde bist, bist Du die Ware. Will sagen: Wenn ich etwas umsonst bekomme, in das jemand Zeit und Geld investiert hat, muss ich etwas von mir preis geben. Information ist Geld.

Nicht umsonst spricht Oberbeck von „Kunden“, wenn er die Werbetreibenden meint und sonst von „Nutzern“. Das ist gar nicht boshaft oder gar raffgierig. Es ist eigentlich ganz normal, dass in einem Geschäft, das von den Informationen lebt, die jeder Anwender über sich freigibt, der Kunde jemand anderes ist.

Für uns als Nutzer ist das nicht weiter tragisch, so lange wir uns unserer Rolle in diesem Spiel bewusst sind. Viele sind zudem gern bereit, ihre Daten freizugeben, wenn sie im Gegenzug kostenlose Inhalte und für sie relevante Werbung bekommen.

Für die Zukunft hält Jens Oberbeck vor allem die Verknüpfung von Ort- und Zeitangaben für relevant. „Eigentlich ist es ja total super, wenn man durch die Einkaufsstraße läuft und plötzlich auf dem Smartphone ein Rabattgutschein für einen Kaffe in dem Laden erscheint, vor dem man gerade steht.“

Wenn aber der große Aufschrei kommt und die Anwender diese Art von Werbung nicht mehr wollen, werde man sich wohl anders aufstellen müssen. Ortsbasierte, personalisierte Werbung ist nicht jedermanns Sache. Allerdings wird auch niemand dazu genötigt, solche Dienste zu verwenden.

GIGA.de berichtet live vom Mobile World Congress 2013 aus Barcelona – mit freundlicher Unterstützung von Cyperport. Alle Informationen zum MWC 2013 auf www.giga.de/mwc.

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