Fotobuch-Dienstleister: Offline-Fotobuchgestaltungs-Software

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Fotobücher erfreuen sich trotz zahlreicher digitaler Darstellungsmöglichkeiten von Bildern großer Beliebtheit. Für deren Erstellung gibt es spezielle Fotobuchgestaltungs-Software. Da auf fast jedem Mac iLife installiert sein dürfte, hat jeder Mac mit iPhoto quasi einen veritablen, offline arbeitenden Fotobuchgestalter an Bord. Allen iPhoto-Versionen ist jedoch gemein, dass Fotobücher nur im Querformat gestaltet werden können, der Umfang an Vorlagen vergleichsweise begrenzt und der Versand recht teuer ist. Wir testen daher zehn Alterna­tiven zu iPhoto 9 hinsichtlich Produktauswahl, Gestaltungsmöglichkeiten und Bestellservice.

Testfeld
Zu den iPhoto-Alternativen gehören Aperture 3, Cewe-Fotobuch, Fotokasten comfort, Fuji­Direkt Fotoservice, Ifolor Mac Designer, Mymo­ments, Myphotobook.de, Photographerbook/iCalamus, Pixum-Fotobuch und Snapfish. Nicht berücksichtigt haben wir Fotobuch XXL, da deren Fotobücher preislich deutlich über denen von iPhoto liegen. Disqualifiziert wurden Fotobuchprofi, da es die aus Aperture exportierten JPEGs nicht erkennt, und Fotobuch-­Designer, weil es das fertige Fotobuch nicht hochladen konnte, trotz positivem Datencheck.
Produktauswahl

iPhoto 9 bietet vier unterschiedliche Fotobuchgrößen an, von 33 x 25,4 cm (XL) bis 8,9 x 6,7 cm (S). Die Ausrichtung ist aber immer quer. Als Einband gibt es drei Optionen: Gebunden mit Hardcover, als Taschenbuch mit Softcover und mit Spiralbindung. Gedruckt wird im digitalen Offsetdruck. Über das Papier macht Apple ­keine genauen Angaben. Der Mitbewerb ist hier deutlich flexibler. ­ Alle zehn Fotobuchgestalter offerieren Fotobücher sowohl im Querformat als auch hochkant und quadratisch. Dabei reichen die Formate von A3 (30 x 40 cm) bis etwa A6 (10 x 15 cm) und der Einband umfasst außerdem Leder oder Kunstleder sowie Leinen. Bei den Papieren hat der Anwender die Wahl zwischen mattem Premium-Papier mit einem Gewicht von meist 170 bis 200 g/m2, einer hochglanzveredelten Version davon und dem Druck auf Fotopapier (matt und glänzend). Besonders hervortun können sich hier die Fotobuchgestalter von Cewe, Pixum, iCalamus und FujiDirekt.

Gestaltungsmöglichkeiten
iPhoto ist Apples Bildverwaltungsprogramm der iLife-Suite und bietet sich daher als Ausgangspunkt für die Gestaltung eines Foto­buches an. Es sortiert das abgelegte Bildmaterial nach Ereignissen, Gesichtern und Orten. Bilder können in den Formaten JPEG, TIFF und sogar RAW vorliegen. Die Werkzeuge zur Bild­-bearbeitung gehen bereits über das Niveau des Rudimentären hi­n⁠aus. Zur Gestaltung eines Fotobuches ­stehen je nach gewähltem Format bis zu elf unterschiedliche Themen zur Auswahl. Die Seiten können von iPhoto automatisch oder vom Anwender gelayoutet werden. Für Letzteres stehen Bild-, Text-, Karten- und daraus kombinierte Elemente zur Verfügung. Karten-Layouts können anhand der mit den Bildern abgespeicherten Geotagging-Informationen die Reiseroute nachzeichnen. Über die Option Ausbreiten können einzelne Bilder, etwa Panoramaaufnahmen, auch doppelseitig platziert werden. Als Hintergrund kommen Farbverläufe oder eigene Bilder zur Anwen­dung. Die Layouts sind jedoch fest vorgegeben. Eigene Vorlagen lassen sich nicht erstellen und die Auswahl ist mit der Begrenzung auf sieben Bilder pro Seite mit jeweils maximal sechs Gestaltungselementen nicht gerade üppig. Die Design-Optionen sind beim Mitbewerb erwartungsgemäß ausgeprägter. Diese erkauft man sich aber mit einer Bedienoberfläche, die von hinnehmbar (iCalamus, Ifolor) bis abschreckend (Mymoments) reicht. Zunächst muss man festhalten, dass einige Fotobuchgestalter gemeinsame Wurzeln haben. Das trifft etwa auf Fotokasten comfort und FujiDirekt, Pixum und Cewe sowie Myphotobook und Snapfish zu. Die Oberfläche ist jeweils gleich; Vorlagen und angebotene Produkte variieren. iCalamus sticht hier etwas heraus, da es ein klassisches Layout-Programm ist, das aber keinerlei Vorlagen offeriert. Anwender von InDesign und QuarkXPress werden sich hier schnell zu Hause fühlen. Eingängig sind jene Produkte, die auf die iPhoto-Bibliothek zugreifen. Das können bis auf Mymoments und iCalamus ­alle. Es erleichtert das Erstellen aus einem eigens ­zuvor angelegten Ordner mit den gewünschten Bildern ungemein und erspart etwaige Bild­be⁠arbeitungswerkzeuge. Ifolor kann darüber hinaus noch auf die Bibliotheken von Aperture und Lightroom zugreifen, Fotokasten und FujiDirect nur auf die von Aperture.

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MACup 09 2010 Titel 140

Dieser Artikel erschien in der MACup und wurde von den Online-Lesern als bester Artikel der Ausgabe 01/2011 ausgezeichnet.

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Das Angebot an Designvorlagen ist zum Teil riesig. Thematische Vorlagen zu speziellen Anlässen wie Hochzeit oder Urlaub offerieren neben Apple noch Cewe (74 Themen) und Pixum (17 Themen). Die Layoutvorlagen reichen von keinem Bild und somit komplett freier Gestaltung bis hin zu 16 Bildern pro Seite (FujiDirect). Schwierigkeiten haben einige Programme mit gestitchten Panoramabildern, die über zwei Seiten gehen sollen. Neben Apple lösen das nur Myphotobook und Snapfish befriedigend. Bei den anderen Designern muss man sich über die Platzierung als Hintergrundbild behelfen. Die Hintergrundvorlagen sind jeweils recht üppig. Sie gehen über Farbverläufe hinaus und umfassen meist Cliparts, die sich in der Regel über die Website des Hersteller auch noch erweitern lassen.

Die Bildbearbeitungswerkzeuge, sofern vorhanden, sind im Vergleich zu iPhoto und Aperture als rudimentär zu bezeichnen und meist nicht zu gebrauchen. Für die Textwerkzeuge gilt dies im Großen und Ganzen ebenfalls. Eine Ausnahme bildet hier iCalamus mit einem ausgesprochen professionellen Instrumentarium. Ein weiteres Feature von iCalamus verdient ­Erwähnung: Es kann in iPhoto und Aperture erstellte Fotobücher direkt importieren und ohne weitere ­Bearbeitung versenden.
Bestellservice

Ist das Fotobuch erstellt, sollten die Daten qualitativ und quantitativ überprüft werden. Diesen Service bieten ausnahmslos alle Anbieter an. Nun geht es an den Versand der Daten. Hier bieten sich das Brennen auf CD und Verschi­cken per Post sowie der Daten-Upload übers Internet an. Apple gestattet nur den Daten-Upload, Ifolor und FujiDirect ebenso. Alle anderen akzeptieren auch den postalischen Versand. Sind die Daten versandt, geht es an die Bezahlung. Bei Apple läuft alles über die Apple-ID. Wer keine hat, muss eine beantragen. Bequem per Rechnung geht es bei Cewe/Pixum, FujiDirect, Ifolor und Snapfish. Wer PayPal nutzt, kann bei Myphotobook und iCalamus schnell die Rechnung begleichen. Eine Kreditkarte akzeptieren alle mit Ausnahme von Mymoments – dort geht es nur über Vorkasse, Nachnahme oder Lastschrift. Die spannendste Frage kommt zum Schluss: die nach der Lieferzeit. Die meis­ten Hersteller versprechen ­eine Lieferung innerhalb von drei bis acht Werktagen. Lediglich FujiDirect gibt neun bis elf ­Tage an. Während die beiden Fotobücher von Apple und das von Snapfish bereits vier ­Tage nach dem Daten-Upload in der Post sind, benötigt FujiDirect ganze 25 Werktage – vom 30.11. bis 3.1. Die Druckqualität der gelieferten Fotobücher ist bei allen Anbietern sehr gut.

Preis und Versand
Ein Manko an Apples Preispolitik ist, dass erst ab dem 25. Fotobuch Mengenrabatt gewährt wird, der Versand mit 6,99 Euro recht happig erscheint und er zudem bei jedem einzelnen ­Fotobuch anfällt. Da die getesteten Fotobücher in Format, Einband, Papier und Umfang halbwegs vergleichbar sind, lassen sich auch Aussagen über das Preis-Leistungs-Verhältnis treffen. Bei Ifolor bekommt man mit 0,72 Euro pro Seite am meisten Fotobuch für sein Geld, und bei Apple und Fotokasten muss man mit knapp 1,50 Euro pro Seite mehr als doppelt so viel berappen. Der Versand beträgt meist 4 bis 5 Euro. Cewe bietet einen besonderen Service: Über Partner, wie etwa Drogeriemärkte, können die Fotobücher auch direkt im lokalen Geschäft abgeholt werden und sind damit versandkostenfrei. Wer ein Fotobuch in mehrfacher Ausführung bestellen möchte, ist bei Fotokasten gut aufgehoben, da bereits das dritte Buch rabattiert wird.

Fazit
Der Anwender hat einmal mehr die Qual der Wahl, weil er immer mit einer Einschränkung leben muss: Auf der einen Seite finden sich die Fotobuchgestalter mit einem großen Funktionsumfang, aber einer wenig gelungenen Bedienoberfläche. Auf der anderen Seite stehen iPhoto und Aperture mit einem eingängigen ­Interface, aber reduzierten Optionen bei der Produktauswahl und den ­Gestaltungsmöglichkeiten. Testsieger wird das Cewe-Fotobuch. Es bietet eine riesige Auswahl an Formaten, Einbänden und Papier und glänzt mit einer Unmenge an Designvorlagen. (ok)

Foto: cewe

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