10 Jahre iTunes Store: Opportunismus obsiegt

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Am 28.04.2003 öffnete der iTunes Store, revolutionierte die gesamte Musikindustrie, zentralisierte den Softwareverkauf und schaffte die Blaupause für den Vertrieb digitaler Güter im 21. Jahrhundert. Die Geschichte mehrerer Richtungswechsel – ein Kommentar.

10 Jahre iTunes Store: Opportunismus obsiegt

Es begann mit einer Reihe von Kurskorrekturen. Ende des letzten Jahrhunderts setzte der kalifornische Hersteller Apple voller Enthusiasmus zunächst auf das falsche Pferd. Der Macintosh bekam ein DVD-Laufwerk und sukzessive FireWire spendiert. Im Zentrum stand vorderhand die Möglichkeit, Filme anzuschauen und dank iMovie und Final Cut solche auch selbst zu erstellen. Die Apple-Erfindung FireWire diente hierbei als Anschluss für die damals topaktuellen MiniDV-Camcorder – Videoschnitt war digital und kinderleicht.

Unbemerkt von den Apple-Oberen vollzog sich jedoch eine Bewegung, die man in Cupertino geflissentlich ignorierte. CD-Brenner wurden immer günstiger, gleichfalls die erforderlichen Rohlinge. Anwender kopierten und rippten frohen Mutes ihre Musik-CDs. Tauschbörsen wie Napster begründeten den Siegeszug von MP3 – ein Unrechtsbewusstsein gab es nicht. Die Musikindustrie musste mit ansehen, wie ihnen das Geschäft aus den Händen zu gleiten drohte.

Kurskorrektur I: Eine Software namens iTunes

Und Apple setzte, wie eingangs beschrieben, zu jener Zeit auf Mäusekino, Homevideos und überteuerte Designer-Rechner wie den Power Mac G4 Cube – ein fataler Fehler. Die Kurskorrektur erfolgte letztlich im Januar 2001. Mit iTunes stellte Apple eine einfache Software zur Musikverwaltung von MP3s und Co vor. Nie zuvor konnten Mac-Anwender so einfach ihre CDs rippen. Das DVD-Laufwerk in den Macs wurde schrittweise durch CD-Brenner, Combo-Laufwerke und SuperDrives ausgetauscht. Apple entschied sich, den „Musikpiraten“ das passende Werkzeug in die Hand zu geben.

Kurskorrektur II: Der iPod für Windows-User

Diese freuten sich dann auch über den iPod, der im Herbst desselben Jahres das Licht der Welt erblickte. Apples Musikplayer bot 1.000 Songs eine mobile Heimat, besaß eine rasend schnelle FireWire-Schnittstelle und wurde per iTunes mit neuen Titeln gefüllt. Doch auch hier unterlag Apple zunächst einer Fehleinschätzung. iTunes gab es nur für den Mac, nicht für Windows. Findige Anwender fanden jedoch Mittel und Wege, Apples neuestes Spielzeug am PC zu nutzen. Die Nachfrage war da und Apple korrigierte abermals eine Entscheidung. Schon im darauffolgenden Jahr gab es den iPod offiziell auch für den PC. Aufgrund der Schnelligkeit des Richtungswechsels jedoch noch nicht mit iTunes.

Kurskorrektur III: Mit, nicht gegen die Musikindustrie

Apple schlug sich auf die Seite des Anwenders. Angesichts des steigenden Erfolgs des iPods warf die Musikindustrie dem Hersteller Beihilfe zur Musikpiraterie vor. Ein reiner Konfrontationskurs? Mitnichten, denn hinter verschlossenen Türen traf sich der aufgehende Stern der digitalen Bohème mit den Plattenbossen und bereitete den bis dahin größten Coup der Firmengeschichte vor. Im April 2003 war es soweit: Die Musikverwaltung iTunes bekam einen digitalen Plattenladen spendiert. Ab Oktober unterstützte die Software  auch Windows und mit dem iPod der dritten Generation konnte dank Dock Connector nun auch eine Verbindung über den weitverbreiteten USB-Anschluss hergestellt werden – das Bild war perfekt. Apple gelang der Schulterschluss mit der Musikindustrie, der Anwender nahm das Konzept dankend entgegen, der Erfolg war nicht mehr aufzuhalten und der Grundstein gelegt.

Quintessenz: Vergesst den Masterplan

Fassen wir zusammen: Der iTunes Store und dessen Erfolg gründet auf eine Vielzahl von Kurskorrekturen – nicht nur am Anfang. Apple reagierte im letzten Jahrzehnt weitaus öfters auf sich neu formierende Bewegungen, als man zunächst glauben möchte. So waren beispielsweise Anwendungen von Drittanbietern für das iPhone anfangs nicht vorgesehen. Befriedigen wollte man die Rufe danach zuerst mit Web-Anwendungen. Vergeblich: Entwickler und Kunden forderten native Programme für das iPhone. Apple gab sich geschlagen, veröffentlichte eine Entwicklungsumgebung und integrierte die nun genannten Apps in den iTunes Store – jetzt gab es den App Store. Aus der Not erwuchs eine Tugend und für den Hersteller und tausende Entwickler ein nachhaltiges Geschäftsmodell.

Was schließen wir daraus? Den oftmals mystifizierten Masterplan bei Apple gibt es nicht. Der Weg zum Erfolg ist gepflastert mit Möglichkeiten. Diese gilt es zu erkennen und opportun zu nutzen. Vermeintliche Dogmen sind da fehl am Platz. Die Vorgeschichte des iTunes Stores ist hierfür ein herausragendes Beispiel. Für Apple ein unverzichtbares Element des Erfolges – herzlichen Glückwunsch!

Bildquellen: Clear strategy bei shutterstock (Titel); Apple

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Weitere Themen: iTunes für Mac, App Store, iTunes Store, Apple


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