Apple wirft AppGratis aus dem App Store – ein ganzes Unternehmen steht im Regen

Sebastian Trepesch
1

Apple hat AppGratis aus dem App Store verbannt. Der Dienst bietet jeden Tag eine kostenpflichtige App in Kooperation mit den Entwicklern gratis an. Der CEO erklärt die Geschichte um Apples plötzlichen Gesinnungswandel.

Apple wirft AppGratis aus dem App Store – ein ganzes Unternehmen steht im Regen

Entwickler sind sehr von den Launen von Apple abhängig. Diese Erfahrung musste Simon Dawlat machen, CEO von AppGratis. Seinem ganzen Unternehmen mit 45 Mitarbeitern wurde jetzt die Grundlage entzogen: Die App steht nicht mehr im iOS-App Store.

Was ist passiert?

Apps bekommen iPhone- und iPad-Besitzer nur über den App Store. Apple kontrolliert jede App vor der Aufnahme in dem Download-Shop.

AppGratis wird aus zwei Gründen zurückgewiesen, erklärt Dawlat in seinem Blog:

  1. Apple will keine Apps, die andere Apps bewerben – abgesehen von den Entwickler-eigenen. (Richtlinie 2,25)
  2. Die Benachrichtigungsfunktion (Push Notification) darf nicht zu Werbezwecken verwendet werden. (Richtlinie 5,6)

Dawlat dagegen sieht keinen Verstoß gegen die App Store-Regeln, zumal er die Punkte bereits vorher mit Apple durchgekaut hat. Doch beginnen wir am Anfang.

Meinungsänderung über Nacht

Glaubt man Dawlat, war schon in den Vorjahren alles mit Apple abgeklärt und akzeptiert (und die App stand ja auch im App Store):

Im Februar 2011 und im Oktober hat AppGratis bereits mit der Zugangskontrolle des App Stores zu kämpfen. Die Apple-Mitarbeiter sind sehr gesprächsbereit und gemeinsam findet man eine Lösung, damit die iOS-App auf die iPhones dieser Welt kommen kann. Vor allem aber argumentiert Dawlat überzeugend: Zur Richtlinie 5,6 erklärt er zum Beispiel, dass die Push-Benachrichtigung nur auf neue Inhalte hinweist – ein Mal pro Tag. Ein konkretes Angebot wird in der Mitteilung nicht beworben. Überraschender ist für den CEO, dass er keine anderen Apps bewerben darf, um nicht als alternativer App Store angesehen zu werden. Das Unternehmen kann jedoch auch hier Apple überzeugen: AppGratis ist kein App Store, sondern eher etwas wie ein Blog oder eine Webseite: Sie stellt nur eine Anwendung pro Tag vor. Verwechslungsgefahr mit dem App Store ausgeschlossen.

Die Freigabe und der plötzliche Rausschmiss

Am 4. April 2013 bekommt AppGratis die Mitteilung, dass die neueste (iPad-)Version der App geprüft und freigegeben wurde. Einem Verkauf im AppStore steht nun nichts mehr im Wege. Newsletter, Presseinformationen, alles wird vorbereitet.

Und plötzlich der Gesinnungswandel bei Apple. Ein Apple-Mitarbeiter versucht noch, vorher bei Dawlat anzurufen. Der sitzt aber im Flugzeug und ist nicht zu erreichen. Als er landet, erhält er die Mitteilung: „Apple hat unseren Apps die Stecker gezogen.“  – Eben wieder wegen Richtlinien 2,25 und 5,6.

Es kommt zu einer Auseinandersetzung mit einem Apple-Mitarbeiter. „Sie können doch nicht einfach über Nacht Ihre Meinung ändern“, wirft Dawlat dem Store-Hüter vor, „Sie graben einem 45-Mann-Unternehmen das Wasser ab.“ Der Apple-Mitarbeiter wiederholt nur die Richtlinien 2,25 und 5,6. Zum Gesinnungswandel will er sich nicht äußern. Und überhaupt scheint er die Bedeutung seiner Fehlentscheidung nicht zu begreifen.

So sieht es jedenfalls der AppGratis-CEO.

Apple bestätigt gegenüber dem Wall Street Journal den Rauswurf von AppGratis, mit Verweis auf die bereits genannten Richtlinien.

Und die Moral von der Geschichte...

Was darf auf das iPhone und was nicht? Apple hat das Sagen, und alle müssen sich danach richten. Die Nutzer profitieren von dem geschlossenen System: Es reduziert die Menge an überflüssigen Apps (auch wenn man das nicht so wirklich glauben mag), und hält Schadsoftware verhältnismäßig zuverlässig von den iOS-Geräten. Das bestätigen sogar Hersteller von Virensoftware. Manch Sonderfunktionen sind allerdings nicht möglich, und wer Porno-Apps will, muss ebenfalls zu Android wechseln.

Entwickler müssen dagegen nicht nur mit eingeschränkten Möglichkeiten klarkommen. Sie kann auch die Befürchtung plagen, nicht für den App Store zugelassen zu werden. Das könnte viele Mühen und finanziellen Einsatz zunichte machen.

AppGratis steht nun erst mal im Regen. Dawlat will noch nicht aufgeben: 12 Millionen iOS-Nutzer auf der Welt haben seine Apps installiert, und die funktionieren natürlich auch weiterhin. Sie bekommen also auch weiterhin App-Deals. Vielleicht kann er die Situation mit Apple klären, und die App gelangt wieder in den App Store.

Eine weitere Alternative wäre die Bereitstellung einer Web-App, die über den Browser aufgerufen wird. „Es gibt für jedes Problem eine Lösung“, erklärt Dawlat. „Und wir haben die Absicht, eine Lösung zu finden.“

Zum Thema:

iPhone-Display kaputt? Akku zu schnell leer? Kein Problem: Display oder Akku selbst tauschen mit den Komplettsets zur iPhone-Display-Reparatur oder dem iPhone-Akku-Wechsel von GIGA & Fixxoo!

App Store

Weitere Themen: iTunes für Mac, AppKack der Woche: Die schlechtesten Mobile Games, Apple

Neue Artikel von GIGA APPLE

GIGA Marktplatz