Apple iCloud und iTunes Match: Will das jemand nutzen?

Sebastian Trepesch
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Eine Cloud-Computing-Lösung für die private Musikbibliothek, so etwas hat Apple mit iTunes Match vorgestellt. Die Musik liegt auf Apple-Servern und wird auf alle persönlichen Abspielgeräte  über das Internet synchronisiert Will diese Möglichkeit, für die Apple 24,99 US-Dollar verlangen wird, jemand nutzen?

Ja, es will. RBC Capital Markets hat eine Studie veröffentlicht, die zu dem Ergebnis kommt: 30 Prozent der iPhone-Nutzer wollen den Musik-Streaming-Dienst iTunes Match sehr wahrscheinlich oder wahrscheinlich abonnieren. iCloud möchten sogar 76 Prozent nutzen, das wären 150 Millionen iPhone-Besitzer. Apple spiele damit in einer (Synchronisations-)Liga mit Google und Yahoo.

iCloud als Selbstverständlichkeit

Eine hohe erwartete Nutzung von iCloud ist keine Wunder: Erstens ist iCloud bis 5 Gigabyte kostenlos, nur wer mehr Speicherplatz braucht, muss die Geldbörse zücken. Zweitens sehnen sich viele Mac- und iPhone-Besitzer nach einer guten Lösung, Kontakte, Termine und Daten zu synchronisieren. Von dem bisherigen Dienst MobileMe war selbst Steve Jobs nicht überzeugt.

Die Möglichkeit des Datenaustausches ist fest im Betriebssystem iOS 5 integriert, damit sind die Hürden für die Nutzung sehr gering. Ein Einwand höchstens, den ja vielleicht die 13 Prozent Ablehner im Kopf haben: Die eigenen privaten Daten werden irgendwo im Netz gespeichert, und nicht mal nach europäischem, sondern amerikanischem Recht.

iTunes Match: “nur” 30 Prozent

Interessanter ist da schon der Fund zu iTunes Match: “Nur 30 Prozent“, schreibt CNN Money. Aus europäischer Sicht (es ist davon auszugehen, dass bei der Umfrage vor allem Amerikaner befragt wurden) ist das viel, und für Apple auf jeden Fall eine große Einnahmequelle. Ein Prozent des Umsatzes könne der Dienst für Apple bringen, schätzt der Analyst Abramsky laut Appleinsider.

Knapp 25 US-Dollar zahlt der Nutzer pro Jahr für der Dienst, der im Herbst in den USA starten soll. Zu den Details auf dem deutschen Markt wollte sich Apple auch auf Anfrage von macnews.de nicht äußern, auf der Webseite schreibt das Unternehmen zumindest für iTunes in der Cloud bezüglich des Termins: “Zunächst nur in den USA”. Auch laut Aussage des Mitarbeiters eines Plattenlabels wird iTunes Match im Jahr 2011 nicht mehr nach Europa kommen.

Und was bietet iTunes Match für sein Geld? Die Musikbibliothek iTunes durchsucht, welche Songs auf der privaten Festplatte im iTunes Store verfügbar sind. Diese Musik wird automatisch zur eigenen iCloud-Bibliothek hinzugefügt. Und über diese private iCloud-Bibliothek, die auf Apple-Servern online gespeichert ist, greifen wiederum die persönlichen Geräte wie iPhone oder iPad zu. Songs, die nicht im iTunes Store sind, können manuell in den 5 Gigabyte großen iCloud-Bereich geladen werden. Heißt: Eine Bibliothek für alle Geräte.

Umgerechnet rund 20 Euro pro Jahr, das klingt akzeptabel. Natürlich fallen noch die Kosten für die Musik, ob online oder als CD gekauft, an.

Warum sind die 30 Prozent Interessenten ein guter Wert? Auch ohne iTunes Match können zukünftig Songs auf alle Geräte geladen werden, sofern sie im iTunes Store gekauft wurden. 256 kBit pro Sekunde ist die Datenrate, High-Fidelity-Freunde müssen auf Apple Lossless, WAV und Co also verzichten. Wer nicht alle zwei Tage seine Bibliothek ändert, dem dürfte eine normale Synchronisation – bei iOS 5 übrigens kabellos – reichen. Dass viele den Dienst trotzdem nutzen möchten, ist deshalb überraschend.

Wahrscheinlich wird es so sein, wie bei manch anderen Produkten: iTunes Match braucht man nicht, aber wenn man es hat, will man es nicht mehr hergeben.

Weitere Themen: iTunes für Mac, iCloud, iTunes Match

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