Ein Streitgespräch: Wozu brauche ich eigentlich noch iTunes?

Flavio Trillo
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iTunes App Store, iTunes Match, iTunes Musik Store – Im Zentrum des Ökosystems rund um Mac, iPhone, iPad und Co. steht nach wie vor iTunes. Oder? Geht es nicht auch ohne? Unsere Redakteure Holger und Flavio streiten sich um die Daseinsberechtigung eines Urgesteins, für das es inzwischen eine Reihe von Ausweichmöglichkeiten gibt. Wer braucht eigentlich noch iTunes?

Ein Streitgespräch: Wozu brauche ich eigentlich noch iTunes?

Contra iTunes: Holger

Beim Verfassen des Artikels zu Sonora, einer möglichen iTunes-Alternative, ist mir aufgefallen wie selten ich mittlerweile noch iTunes benutze. Bis vor kurzem waren iPad und iPhone noch ständig mit meinem Mac verbunden, von Morgens bis Abends. Nein, nicht zum Laden, sondern um alle erdenklichen Informationen über das dünne weiße Kabel vom Mac auf die Geräte zu kopieren.

Begonnen hat alles mit der Nutzung von Google Apps und der Möglichkeit Kontakte, Kalender und Mails kabellos zu synchronisieren. Auch MobileMe wurde für kurze Zeit genutzt, aber nachdem ich mehrmals mit leeren Kontakten, Kalender und Postfach auf diversen Messen stand, hatte sich das Thema schnell für immer erledigt. Ein wahrlich dunkles Kapitel in Apples Geschichte.

Vor kurzem kamen dann jedoch Dienste und Programme wie iOS 5, iCloud und iTunes Match hinzu und seitdem benutze ich iTunes nur noch sehr

selten. Ein Grund für die Nutzung ist aber zum Beispiel die Einrichtung von iTunes Match und dem damit verbundenen Abgleich und Upload der eigenen Musik-Bibliothek. Ist das jedoch vollbracht, gibt es für mich nur noch wenige Gründe für die Nutzung von iTunes auf dem Mac.

Fotos gelangen heutzutage kabellos auf den Mac, eine Mischung aus iCloud und iPhoto gewürzt mit Fotostream macht’s möglich. Man nimmt unterwegs ein Foto auf und sobald man sich mit einem WiFi-Netz verbindet werden die neuen Bilder hochgeladen und sind beim nächsten Start von iPhoto verfügbar. Eine manuelle Synchronisation und Andocken am Mac ist nicht mehr notwendig.

Dann sind da natürlich die iOS-Updates. Seit iOS 5 gelingen die notwendigen Aktualisierungen des Betriebssystems schneller und bequemer als zuvor. Es müssen nicht immer mehrere hundert Megabyte heruntergeladen werden und man muss eben auch nicht in der Nähe des Mac sein, um aktualisieren zu können.

Auch die Backups des tragbaren Begleiters können seit iCloud komplett ohne das am Mac befestigte weiße Kabel durchgeführt werden.

Dasselbe gilt natürlich auch für die Wiederherstellung aus der Wolke; sichert man sein Gerät mit einem Passcode werden auch die Passwörter Apps im Backup gespeichert. All das passiert vollautomatisch im Hintergrund, einfach das iPhone über Nacht an den Strom hängen und mit einem WLAN verbunden sein.

Herunterladen neuer Apps oder Updates von bereits installierten Anwendungen erfordern ebenfalls kein iTunes mehr. Einfach den App Store auf dem Gerät nutzen genügt. Hat man mehrere Geräte, werden die neu hinzugefügten Apps auf Wunsch auch direkt dort heruntergeladen und installiert.

Ähnliches gilt für den Kauf neuer Musik. Auf einem Gerät gekauft, wenn gewünscht auch auf allen Anderen verfügbar. Der Rest der eigenen Musikbibliothek steht dank iTunes Match ebenfalls (fast) immer und überall zur Verfügung. Neue Playlisten können ebenso auf einem Gerät angelegt werden und erscheinen dank iCloud binnen weniger Sekunden auf allen verbundenen Empfangsgeräten.

Nächster Punkt: Podcasts. Ohne zusätzliche Apps ist die Unterstützung der Internet-Shows in iOS ein wahrer Graus. Und auch iTunes auf dem Mac hilft hier nur bedingt weiter. Erst Apps wie Instacast* machen die Trennung von iTunes erträglich. Hat man sich erst mal daran gewöhnt, will man nicht wieder zurück in die iTunes-Gefangenschaft. Die Podcast-Verwaltung in iOS selbst ist einfach grausam.

Podcasts leben davon, dass sie regelmäßig aktualisiert werden. Eine Funktion wie “Aktualisiere alle abonnierten Feeds” gibt es in iOS nicht und auch das Finden und Herunterladen von Podcasts ist ein Graus. Manche Podcaster fügen zum Beispiel redundante Informationen in die Titel ihrer Shows ein, womit diese so lang werden, dass man nicht weiß, welche Episode man gerade herunterlädt.

Darüber hinaus werden die Feeds von iTunes teilweise nur sehr selten und mit gehöriger Verzögerung aktualisiert, so dass man teilweise Stunden darauf warten muss, dass die neue Episode in der App als verfügbar angezeigt wird und heruntergeladen werden kann. Und dann muss man noch hoffen, dass sie nicht größer als Apples Limit ist. Sonst wird der Download über 3G verweigert; eine integrierte Streaming-Funktion existiert nicht.

Für mich ist der letzte verbliebene Grund iTunes zu nutzen die Synchronisation von TV-Sendungen mit meinem iPad. Von da wird nämlich zum Apple TV gestreamt, ohne die Geräuschkulisse und Stromverbrauch des Mac Pro.

Aber ich höre es gibt auch andere Meinungen zum Thema iTunes…

Pro iTunes: Flavio

iTunes ist für mich immer noch ein fester Bestandteil der Interaktion zwischen Mac, iPhone und iPod. Ja, ich sehe ein, dass es möglicherweise praktischere, umfangreichere oder schnellere Varianten gibt. Und ja, ich sehe auch ein, dass man für den App- und Musik-Einkauf eigentlich keine Version des Programmes mehr auf Mac oder PC benötigt.

Trotzdem möchte ich iTunes nicht missen. Ich rede dabei nicht von der Synchronisation von gekauften Titeln oder Apps. Die kommen automatisch

aufs iPhone und den iPod. Auch nicht von der Übertragung von Fotos, das geht über andere Wege sehr viel schneller und unkomplizierter. Auch nicht von iOS-Aktualisierungen. Schließlich haben die Anwender lange genug nach einer kabellosen Lösung geschrien und sie nun auch bekommen.

Doch wird auch der größte iTunes-Hasser kaum leugnen können, dass die Synchronisation bereits vorhandener Titel aus der Musikbibliothek nur mit iTunes so richtig gut funktioniert. Aus einer Sammlung mehrerer tausend Titel schleppe ich immer nur eine recht kleine Auswahl mit mir herum. Die ist fein säuberlich in Wiedergabelisten sortiert. Wild umhergeisternde Songs kommen mir nicht aufs Gerät.

Also wird für die Synchronisation, ob nun kabelgebunden oder kabellos, iTunes gestartet. Das Anlegen von Wiedergabelisten auf dem

Gerät selbst ist viel zu anstrengend und kein vernünftiger Ersatz für die deutlich komfortablere Methode am Mac. Manchmal muss es eben Maus/Trackpad sein.

Im Übrigen ist Apples eigene Lösung der einzige Zugang zum iTunes Store auf Mac und PC, der immer noch ein komfortables und reichhaltiges Angebot an Musik und Videos bereit hält. Auch iTunes Match funktioniert nicht ganz ohne das Programm, jedenfalls dann nicht, wenn irgendwo ein herkömmlicher Computer Teil des Puzzles sein soll.

Ergebnis: iTunes ist für mich nach wie vor ein wichtiger Teil des Ökosystems „iOS-Mac“. Daran kann auch kein Sonora oder Instacast etwas ändern.

Was sagen unsere Leser? Daumen hoch für iTunes oder lieber ein Mix aus diversen Ersatz-Apps?

Weitere Themen: iTunes für Mac, Apple

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